Herkunft der Flüchtlinge Große Unterschiede bei Anerkennung
Türken und Syrer dominieren bei den Asylsuchenden. Bei den Syrern beträgt die Gesamtschutzquote mehr als 80 Prozent, bei Türken nicht einmal zehn.
Türken und Syrer dominieren bei den Asylsuchenden. Bei den Syrern beträgt die Gesamtschutzquote mehr als 80 Prozent, bei Türken nicht einmal zehn.
Was die Herkunft der Asylbewerber angeht, so unterscheidet sich der Südwesten vom Rest der Republik. Deutschlandweit kommen die meisten Schutzsuchenden aus Syrien, Afghanistan und der Türkei. In dieser Reihenfolge. In Baden-Württemberg liegt Afghanistan im ersten halben Jahr dieses Jahres durchgehend auf Platz drei im Bereich der Zugangszahlen, Syrien und die Türkei hingegen wechseln sich von Monat zu Monat bei der Spitzenposition ab. Zusammengerechnet von Januar bis Juni ist die Zahl der asylsuchenden Syrer leicht höher. 2214 Männer und Frauen sind aus dem Bürgerkriegsland gekommen, 22,61 Prozent aller Antragsteller. Aus der Türkei kamen gerade einmal 51 Menschen weniger, insgesamt 2163 was einer Quote von 22,09 Prozent entspricht. Die Zahl der Afghanen liegt bei 1276, das sind 13,03 Prozent.
Die Zahl der türkischen Flüchtlinge hatte im vergangenen Jahr immer wieder neue Rekordhöhen erreicht, phasenweise stellten sie die größte Zahl an Asylantragstellern im Südwesten. Warum gerade hier die Zahl der Türken höher ist als im Bundesdurchschnitt ist nicht ganz klar, vermutlich, weil es besonders starke verwandtschaftliche Bindungen gibt. Die weitaus größte Gruppe mit türkischem Pass sind Kurden. Ihr Anteil beträgt etwa 85 Prozent. Die Türkei erkennt die rund 15 Millionen Kurden nicht als ethnische Minderheit an. Sie werden in vielerlei Hinsicht benachteiligt, vor allem beim Gebrauch ihrer Muttersprache. Tausende sitzen wegen angeblicher Verbindungen zur Terrororganisation PKK in Haft. Kurdischen Asylbewerbern fällt es aber oft schwer, eine konkrete politische Verfolgung zu belegen. Eine katastrophale Wirtschaftslage und eine Inflation von rund 70 Prozent tun ihr übriges.
Dass es türkische Asylbewerber nicht so leicht haben, belegen die Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Bei Syrern beträgt die Gesamtschutzquote nahezu 85 Prozent, bei den Flüchtlingen aus Afghanistan liegt sie bei immerhin noch bei mehr als 77 Prozent. Das ist deutlich mehr als bei jenen aus der Türkei, wo die Schutzquote gerade einmal knapp zehn Prozent beträgt. Bei der Gesamtschutzquote werden mehrere Schutzarten zusammengerechnet. Die Anerkennung als Asylbewerber ist hier ebenso dabei wie die Anerkennung als Flüchtling, subsidiärer Schutz oder ein Abschiebeverbot. Die meisten Syrer bekommen subsidiären Schutz zugesprochen. Das bedeutet, die Menschen werden zwar nicht als asylberechtigt anerkannt, dürfen aber bleiben, weil sie stichhaltige Gründe dafür vorbringen können, dass ihnen in ihrem Herkunftsland ein ernsthafter Schaden droht. Der seit 2011 in Syrien tobende Bürgerkrieg ist der Hauptgrund für diese Entscheidung.
Für die meisten Afghanen wird ein Abschiebungsverbot ausgesprochen, insbesondere für Afghaninnen. Ihnen droht in dem von den Taliban regierten Land ein menschenunwürdiges Leben ohne jegliche Perspektive. Die meisten Kurden scheitern hingegen mit einem Asylantrag, weil sie sich nur pauschal darauf berufen, verfolgt zu sein, dies aber nicht im konkreten Einzelfall nachweisen können.