Hermann-Hesse-Bahn Bernhard Maier: Deutliche Worte an den Minister

Von kle 

Freie Wähler wenden sich gegen Forderung nach Solidarität – und die Bürgeraktion Unsere Schwarzwaldbahn gegen die „Bremser“.

Die historische Schwarzwaldbahn. Foto: Burkhard Wollny
Die historische Schwarzwaldbahn. Foto: Burkhard Wollny

Renningen/Calw - „Solidarität heißt nicht blinder Gehorsam.“ Bernhard Maier, Sprecher für Verkehr der Fraktion Freie Wähler im Verband Region Stuttgart und ehemaliger Landrat, findet klare Worte für die ­Forderung des Verkehrsministers Winfried Hermann (Grüne), dass sich der Landkreis Böblingen in Sachen Hesse-Bahn solidarisch zeigen solle: „Solidarität verlangt der Verkehrs­minister von den Akteuren bei der Hermann-Hesse-Bahn. Er muss sich dabei wohl im Wahlkampfmodus befinden, um mit öffentlichem Druck Gefügigkeit zu erwirken und sein einziges Bahnprojekt mit dem ,Kopf durch die Wand’ zu verwirklichen“, schreibt Maier im Namen der Freien Wähler in einer Pressemitteilung. „Er übersieht dabei aber wohl, dass er selbst noch in Erklärungsnot ist, um die verunsicherte Öffentlichkeit im Kreis Böblingen und in der Region die Sinnhaftigkeit des Projekts nahezubringen.“

Bürgeraktion freut sich über Rückenwind

Die Bürgeraktion Unsere Schwarzwaldbahn (BAUS) indes, die sich für die Hesse-Bahn im vollen Umfang einsetzt, freut sich über den Rückenwind des Verkehrsministers. „Die Bremser sollen jetzt endlich ihre Gegnerschaft gegen das Projekt aufgeben und auf den fahrenden Zug aufspringen“, formuliert es BAUS-Sprecher Hans-Joachim Knupfer in einer Pressemitteilung. Das Bahnprojekt bringe für die Umwelt und den Wohnungsmarkt so viele Vorteile, dass eine weitere Verzögerung unverantwortlich wäre. „Es ist an der Zeit, nicht ­immer neue Vorwände zu suchen, sondern das Gemeinwohl in den Blick zu nehmen.“

Nachdem jetzt auch die Naturschützer des Naturschutzbundes in Sachen Fledermäuse dank der Vermittlung des Verkehrsministers zu einem konstruktiven Dialog zurückgekehrt seien, stünden jetzt vermeintlich nur noch die beiden Städte ­Renningen und Weil der Stadt „der Verwirklichung dieses umweltfreundlichen Verkehrsprojekts im Weg“.

Weiterhin Sorge um Lärm und Abgase

Niemand habe etwas gegen eine Schienenverbindung von Calw nach Weil der Stadt, stellt Bernhard Maier klar. „Die Bedenken richten sich allein gegen einen Parallel­verkehr auf dem teilweise eingleisigen Abschnitt Weil der Stadt-Renningen und die Sorge um die Pünktlichkeit der S-Bahn und den Schutz der Anwohner vor Lärm und Abgasen.“ Der vorliegende Stresstest, wonach die S-Bahn nicht gestört wird, und das erstellte Lärmschutzgutachten überzeugen ihn folglich nicht. Noch immer hätten der Minister und der Landkreis Calw „beharrlich“ die Beantwortung vieler Fragen verweigert. Zum Beispiel, ob der ganztägige 15-Minuten-Takt auf der gesamten Strecke der S 6 einbezogen wurde.

Auch die Frage, warum hier erst Dieselfahrzeuge eingesetzt werden sollen, während „zur selben Zeit im selben Kreis die dieselbetriebenen Züge auf der Schönbuchbahn abgeschafft“ werden, treibt die Freien Wähler um. „Der Minister fördert mit Steuergeldern eine unsinnige Investition und unsinnige Betriebskosten für einen Parallelverkehr zwischen Weil der Stadt und Renningen, den niemand nutzen wird, weil der Umstieg in Weil der Stadt auf die S-Bahn bequemer und weniger zeit­aufwendig ist“, findet Maier.

Solange die verbleibenden Fragen nicht befriedigend beantwortet seien, „werden alle Appelle des Ministers ins Leere gehen. Ein neues Nahverkehrsmittel lebt von der Akzeptanz der Bevölkerung. Davon ist, bei den ungeklärten Fragen, die Hermann-Hesse-Bahn im Raum Weil der Stadt und Renningen noch weit entfernt.“