Hermann-Hesse-Bahn Die Notlösung als Normalzustand?

Von Florian Mader 

Für die Hermann-Hesse-Bahn muss ein alter Bahnsteig in Weil der Stadt wieder hergerichtet werden.

Früher hat auf dem „Hausbahnsteig“ mal die Dampflok gehalten. Jetzt soll er für die Hesse-Bahn ertüchtigt werden. Foto: factum/Granville
Früher hat auf dem „Hausbahnsteig“ mal die Dampflok gehalten. Jetzt soll er für die Hesse-Bahn ertüchtigt werden. Foto: factum/Granville

Weil der Stadt - Dass die Hermann-Hesse-Bahn einmal die S-Bahn aus dem Takt bringen könnte, wird bei den Kommunalpolitikern im Kreis Böblingen massiv kritisiert. Mantraartig beeilen sie aber zu ergänzen: „Hesse-Bahn ja, aber nur von Calw bis Weil der Stadt!“

So könnte es später im praktischen Betrieb auch kommen. Das lässt ein Bauantrag vermuten, der am 1. Februar beim Regierungspräsidium Stuttgart eingegangen ist. Der Zweckverband Hesse-Bahn beantragt darin – was so noch nicht bekannt war – dass er auch den Bahnhof in Weil der Stadt umbauen will. Den momentan unbenutzten Bahnsteig neben dem Kiosk wollen die Calwer zu einem regulären, 55 Zentimeter hohen Steig ertüchtigen.

Bei Verspätungen endet die Hesse-Bahn in Weil der Stadt

Dabei ist die im Bauantrag genannte Begründung interessant. Wie berichtet, gibt es eine Vereinbarung mit dem für die S-Bahn zuständigen Verband Region Stuttgart (VRS), die der S-Bahn bei Verspätungen die absolute Vorfahrt einräumt. „Dies kann“, heißt es nun im Bauantrag, „in Ausnahmefällen dazu führen, dass die Züge der Hesse-Bahn nicht bis Renningen durchfahren können, sondern bereits in Weil der Stadt enden und von dort zurück nach Calw fahren.“

Das sei kein Problem, schließlich sei in Weil der Stadt der Umstieg auf die verspätete S 6 gewährleistet. Allerdings sei es notwendig, dafür im Bahnhof zusätzliche Bahnsteigkapazitäten zu schaffen. „Dieses Ziel lässt sich am wirtschaftlichsten durch die Wiederinbetriebnahme des ehemaligen Hausbahnsteigs erreichen“, folgern die Verantwortlichen des Zweckverbands Hesse-Bahn.

Diese Argumente sind Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die genau das prophezeien: Dass die Hesse-Bahn später ohnehin meistens nur zwischen Calw und Weil der Stadt pendelt. Der umfangreiche Umbau des Renninger Bahnhofs wäre damit umsonst. Hier läuft derzeit das Genehmigungsverfahren für einen zusätzlichen 55 Meter langen Bahnsteig, der etwa zwei Millionen Euro kosten soll.

Im Sommer 2019 geht es los

Die Verantwortlichen im Landkreis Calw sehen das freilich nicht so. Gleich in den Vorbemerkungen begründen sie die Durchbindung bis nach Renningen. „Ziel ist es, für die Fahrgäste einen Anschluss an die S 6 Richtung Stuttgart und die S 60 Richtung Sindelfingen/Böblingen mit nur einem Umstieg zu schaffen.“

200 000 Euro sind für den neuen Notbahnsteig in Weil der Stadt eingeplant. Im Sommer 2019 sollen die Bauarbeiten erfolgen. Zuvor muss der Zweckverband Hesse-Bahn die notwendigen Grundstücke erwerben, die im Besitz der Deutschen Bahn und der Stadt Weil der Stadt sind.




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