Hermann-Hesse-Bahn Die Positionen nähern sich an

Von Florian Mader 

Wie reagieren die Politiker auf die Hesse-Bahn-Einigung?

Ziel Weil der Stadt: Irgendwann könnte die S-Bahn weiter bis nach Calw fahren. Foto: factum/Archiv
Ziel Weil der Stadt: Irgendwann könnte die S-Bahn weiter bis nach Calw fahren. Foto: factum/Archiv

Bahnverbindung - Euphorisch hatte sich der Böblinger Landrat Roland Bernhard zuletzt gezeigt. Eine tolle Chance biete das, was er zusammen mit seinem Calwer Kollegen Helmut Riegger (CDU), dem Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und dem S-Bahn-Verantwortlichen Jürgen Wurmthaler vom Verband Region Stuttgart vergangene Woche ausgehandelt habe.

Kurz zusammengefasst lautet der Kompromiss: Zunächst kommt die Hesse-Bahn als Dieselzug, wie geplant, zwischen Calw und Renningen. Anschließend beteiligt sich das Land an der Finanzierung eines Schnellzugs von Feuerbach oder Stuttgart nach Calw. Grundlage für die Einigung war ein nun fertig gewordenes Gutachten des Verkehrswissenschaftlichen Instituts Stuttgart (VWI). Demzufolge rechnet sich eine S-Bahn-Verlängerung bis Calw. Und diese Verbindung bringe auch erheblich mehr Fahrgäste als ein Shuttle zwischen Calw und Renningen, steht im Gutachten.

Er freue sich über das Ergebnis dieses Gutachtens und über die Überlegungen zu einer Expresslinie, sagte der Böblinger Landrat dazu. „Beides bietet die Chance, sowohl die Belange des Kreises Calw als auch die Interessen der Anwohner in Weil der Stadt und Renningen zu berücksichtigen.“ Dies sei „ein wichtiger Schritt zur Befriedung der Diskussion vor Ort“, erklärte Roland Bernhard. „Für den Kreis bleibt von hohem Interesse, mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen.“

Riegger sieht Stufenkonzept bestätigt

In Calw freilich setzt der dortige Landrat in seinem Statement einen anderen Akzent. Das sei eine „Bestätigung des Stufenkonzepts“, befand Helmut Riegger. Diesem Konzept von 2015 zufolge war es schon immer geplant, mit dem Dieselzug zu starten und dann in einer zweiten Ausbaustufe die S-Bahn oder einen Wasserstoffzug nachzuschieben. „Wenn sich in einem nächsten Schritt Verbesserungen für die Fahrgäste aus Calw nach Stuttgart ergeben, stehen wir dem aufgeschlossen gegenüber“, sagte der Calwer Landrat. Von den Plänen eines Wasserstoff- oder Batteriezugs will er aber nicht gänzlich abrücken, ergänzte seine Sprecherin auf Nachfrage.

Thomas Bopp (CDU), der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart, sieht in der Einigung eine weitere Bestätigung seines Verbands, eine Express-S-Bahn aus Feuerbach in Richtung Weil der Stadt oder Calw einrichten zu wollen. Damit ergebe sich die Chance, auch den Nordschwarzwald in das Stuttgarter S-Bahn-Netz einzubinden. In Renningen beobachtet der Bürgermeister Wolfgang Faißt (Freie Wähler) ebenfalls die Entwicklung und die Diskussion. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte er unserer Zeitung. Faißt gibt sich damit weit weniger kämpferisch als noch zuletzt.

„Möglichst viele Menschen weg von der Straße auf die Schiene“

„Jetzt liegt es an allen Beteiligten, die beste Lösung schnellstmöglich zu realisieren.“ Damit meine der Renninger Bürgermeister die S-Bahn oder die Schnellverbindung nach Feuerbach. „Mit dieser Lösung bekommen wir möglichst viele Menschen weg von der Straße auf die Schiene“, erklärte er. Gleichwohl stellt er die geplante Dieselverbindung von Calw nach Renningen nach wie vor in Frage. Niemandem könne man erklären, für drei Millionen Euro den Renninger Bahnhof umzubauen – was wenige Jahre später schon wieder unnötig werde. Eine in Stufe eins realisierte Bahn nur nach Weil der Stadt sei deshalb nach wie vor sinnvoll. Das hatte im Dezember auch der Böblinger Landrat Roland Bernhard gefordert, war damit beim Land aber nicht durchgedrungen.

Unterdessen gehen die Bauarbeiten an der Reaktivierung der alten Strecke zwischen Calw und Weil der Stadt weiter. Tätig ist der Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn derzeit an der Eisenbahnbrücke in Calw-Heimaden, wo ein Geh- und Radweg verlegt wird. Mit Spannung wird auch erwartet, ob es bis März zu einer Einigung mit Weil der Stadt und dem Nabu kommt. Beides wäre die Voraussetzung, damit die große Tunnelbohrung beim Hacksberg beginnen kann.




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