Hermann-Hesse-Bahn Landrat: Das ist Verzögerungstaktik

Von Florian Mader 

Helmut Riegger greift den Verband Region Stuttgart an, weil Regionalräte die Hermann-Hesse-Bahn erst verhindern und jetzt verzögern wollten. Am Sinn der Dieselbahn zweifelt er auch nach der Elektrifizierungsoffensive des Verkehrsministers nicht.

Zwei Befürworter: Helmut Riegger und Winfried Hermann. Foto:  
Zwei Befürworter: Helmut Riegger und Winfried Hermann. Foto:  

Calw - Das Landratsamt Calw sieht sich durch das Elektrifizierungskonzept der Landesregierung bestätigt. „Dieses Konzept unterstreicht die baldige Inbetriebnahme der Hermann-Hesse-Bahn“, heißt es in einer Stellungnahme. Am Donnerstagnachmittag reagierte ein Sprecher damit gegenüber unserer Zeitung auf die Nachrichten aus dem Verkehrsministerium und den damit verbundenen Vorwürfen aus dem Kreis Böblingen.

Wie berichtet, hatte der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) vor einer Woche verkündet, die Strecke von Calw bis Weil der Stadt spätestens 2025 elektrifizieren zu wollen. Genau das sehe das im Jahr 2015 vereinbarte Stufenkonzept auch vor, lässt nun der Calwer Landrat Helmut Riegger (CDU) in der Mitteilung ausrichten. Also erst der Dieselzug und anschließend ein Brennstoffzellenfahrzeug oder die S-Bahnverlängerung.

Und dabei bleibe es. Der Verkehrsminister hatte öffentlich angezweifelt, ob es Sinne mache, den Dieselzug anzuschaffen und die Diesel-Infrastruktur – etwa den zwei Millionen Euro teuren Umbau des Renninger Bahnhofs – zu bauen, wenn schon wenige Jahre später die S-Bahn­Verlängerung folgt.

Calw teilt die Zweifel nicht

Diese Zweifel teilt das Landratsamt Calw nicht. „Wir werden das mit den Städten Weil der Stadt und Renningen, dem Landkreis Böblingen und dem Verband Region Stuttgart abgestimmte Stufenkonzept weiterhin fortführen“, sagt der Sprecher.

Stattdessen geht man in Calw zum Gegenangriff über. „Anstatt wie früher eine Verhinderungstaktik zu betreiben, wird nun wohl auf eine Verzögerungstaktik gesetzt“, vermutet das Landratsamt in dem Statement und weist damit die Vorwürfe des Verbands Stuttgart (VRS) zurück. Der VRS betreibt die S-Bahn und befürchtet Verspätungen, wenn die Hesse-Bahn einmal in Weil der Stadt auf die S-Bahn-Gleise einfährt, um weiter nach Renningen pendeln zu können.

Sämtliche Fraktionen im VRS-Regionalparlament haben sich daher wiederholt kritisch zur Hesse-Bahn geäußert. Regionalrat Bernhard Maier (Freie Wähler) hatte zuletzt vom „falschen Pferd einer veralteten Dieselvariante“ gesprochen, sein SPD-Kollege Thomas Leipnitz vom „Desaster namens Hesse-Bahn“.

Das Calwer Landratsamt weist nun darauf hin, dass es der VRS selbst war, der sich im Jahr 2012 gegen eine S-Bahn-Verlängerung nach Calw ausgesprochen hat. „Daher sind die Äußerungen einiger Regionalräte, die plötzlich zu wahren Befürwortern einer S-Bahn-Verlängerung geworden sind, im Calwer Landratsamt mit Verwunderung aufgenommen worden“, steht in der Stellungnahme.

Bürgerinfo am 30. April

Im November hatte eine VRS-Sprecherin unserer Zeitung bestätigt, dass man 2012 eine andere Einschätzung zur S-Bahn-Verlängerung hatte. Man habe damals Vorbehalte gehabt, die S-Bahn über die Grenzen der Region Stuttgart hinaus fahren zu lassen, weil die Zuständigkeiten nicht geklärt waren. Man habe außerdem Taktprobleme befürchtet, aber diese seien durch eine Studie ausgeräumt worden.

Am 30. April werden der Calwer Landrat Helmut Riegger und sein Hesse-Bahn-Chefplaner Michael Stierle nach Weil der Stadt zur großen Bürgerinfo-Veranstaltung kommen. Offizielles Thema ist zwar der Stresstest, die Organisatoren Thilo Schreiber (Weil der Stadt) und Wolfgang Faißt (Renningen) rechnen aber fest damit, dass auch die Elektrifizierungsoffensive des ­Ministers zur Sprache kommen wird. „Das Land war immer offen für die S-Bahn­Lösung“, hatte Winfried Hermann seine Sprecherin am Dienstag nochmals aus­richten lassen.

Einstweilen wiederholt das Landratsamt Calw die Vorteile der Hesse-Bahn: „Sie trägt wesentlich zur Verbesserung des ÖPNV-Angebots bei. Wenn die Pendler in den Großraum Stuttgart künftig ihr Auto stehen lassen, bedeutet dies weniger Stau und weniger Feinstaub-Belastung.“ In zwei Stresstests habe man nachgewiesen, dass die Bahn keinen negativen Einfluss auf den S-Bahn-Betrieb hat.

Die Städte Weil der Stadt und ­Renningen sowie die Landkreise Calw und ­Böblingen laden alle interessierten Bürger zur ­gemeinsamen Informationsveranstaltung ein. Sie findet am Montag, 30. April, um 19 Uhr in der Stadthalle Weil der Stadt (Jahnstraße 14/1) statt. Neben den Bürgermeistern und Land­räten hat sich auch ein Vertreter des Verkehrsministeriums angekündigt. Nach den Stellungnahmen der Landräte und Informationen zum Projektstand und zum Stresstest haben Bürger die Möglichkeit, Fragen zu stellen