Hermann-Hesse-Bahn Landrat Riegger: „Nur mit uns redet keiner“

Von Florian Mader 

Im Streit um das Bahnprojekt verhärten sich die Fronten.

Über die geplante Hermann-Hesse-Bahn wird derzeit heftig gestritten. Foto: Landkreis Calw
Über die geplante Hermann-Hesse-Bahn wird derzeit heftig gestritten. Foto: Landkreis Calw

Calw - An vielen Konferenz- und Schreibtischen beschäftig man sich derzeit mit der Frage nach der Anbindung Calws ans Schienennetz. In der Stuttgarter Regionalversammlung stellen die Fraktionen dazu Anträge, dasselbe im Böblinger Kreistag. Und Renningen brütet über seinen Gang zum Verwaltungsgerichtshof Mannheim in dieser Sache. „Nur mit uns – mit uns redet keiner“, empörte sich dazu in dieser Woche der Calwer Landrat Helmut Riegger (CDU) in einer Sitzung des „Zweckverbands Hermann-Hesse-Bahn“, also des Bauherrn der geplanten Bahnreaktivierung nach Calw.

Aus der Zeitung habe er erfahren, dass der Renninger Gemeinderat Klage gegen das Schienenprojekt eingelegt hat. „Irgendjemand klagt immer gegen uns“, sagte Riegger. „Bisher haben wir aber alle Verfahren gewonnen, und so wird es auch weitergehen.“ Der Landrat nannte zum Beispiel die Einigung mit dem Nabu und den Kompromiss mit Weil der Stadt.

Umstrittene „Projekt-Zeitung“

Die emotionale Intervention zu Beginn der Zweckverbandssitzung zeigt, wie schief der Haussegen zwischen den Politikern hüben und drüben des Hacksbergs vor allem atmosphärisch hängt. „Es heißt immer: Wir informieren nicht“, wunderte sich Helmut Riegger. Das stimme aber nicht. In Weil der Stadt habe man Informationsveranstaltungen abgehalten. „Das wollten wir auch in Renningen tun, aber die Stadt hat uns das verweigert.“

Der Calwer Landrat verwies auch auf eine „Projekt-Zeitung“. Vor fast vier Jahren hatte Calw 70 000 Exemplare davon an Briefkästen in Weil der Stadt und Renningen verteilen lassen. Weil das nicht abgesprochen war, empfanden das die Bürgermeister dieser Städte und auch der Böblinger Landrat damals als Affront und zeigten sich „stinksauer“.

Eilantrag zu Express-S-Bahn ist „die Spitze“

In der Projekt-Zeitung war übrigens zu lesen, dass der erste Zug „im Dezember 2018 von Calw nach Renningen“ fährt. Dass das nicht so ist, liegt vor allem an den vielen Konflikten mit Naturschutzverbänden und Städten im Kreis Böblingen. Aktuelle Forderung der Fraktionen im Stuttgarter Regionalparlament und im Böblinger Kreistag ist zum Beispiel eine Express-S-Bahn – erst ergänzend zur Hesse-Bahn mit Umstieg in Weil der Stadt. Später soll die Express-S-Bahn bis Calw fahren. Per „Eilantrag“ wurde das in der Sommerpause gefordert.

„Dieser Eilantrag ist wirklich die Spitze“, kommentierte Helmut Riegger diesen Vorgang. „Dass sie diesen Eilantrag stellen, aber nicht mit uns reden, ist nicht nett.“ Der Landrat erinnerte an Gespräche von vor sieben Jahren. Damals gab es eine Absage des Regionalverbands, der die S-Bahn betreibt, zur S-Bahn-Verlängerung. Vor allem der heutige Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU) und der Regionalrat Bernhard Maier (Freie Wähler) hätten diese Pläne durchkreuzt, ist Riegger überzeugt. Diese Absage war damals der Startschuss für die Überlegungen einer Diesel-Zug-Variante nur bis Renningen.

30 Millionen kostet die S-Bahn

„Auch die Mitglieder im Verkehrsausschuss des Kreises Böblingen haben eigentlich genügend eigene Probleme, als dass sie uns sagen müssen, wie wir zu fahren haben“, sagte Riegger. „Wir halten uns an das, was wir vereinbart haben.“ Dazu gehöre auch die S-Bahn – aber eben erst in einem späteren Realisierungsschritt. Der Calwer Landrat erinnerte auch daran, dass die S-Bahn-Verlängerung 30 Millionen Euro zusätzlich kostet. „Bislang hat mir noch niemand gesagt, wer das bezahlt“, ergänzte Riegger.