Bürgerinitiative sammelt mit vier Fraktionen aus dem Rat Unterschriften für eine S-Bahn-Verlängerung.

Renningen - Der Stand auf dem Wochenmarkt ist gerade 45 Minuten aktiv, da haben die Betreiber schon um die 40 Unterschriften zusammenbekommen. Die Initiative „Pro S-Bahn-Verlängerung Weil der Stadt-Calw“ sammelt Stimmen von Renningern gegen einen Betrieb der Hermann-Hesse-Bahn mit Dieselzügen und bis nach Renningen und für eine Verlängerung der S 6 bis Calw. Doch am Freitag sind die Mitglieder der Initiative nicht allein.

Vier Fraktionen aus dem Renninger Gemeinderat haben sich zusammengetan und sind am Freitag gemeinsam auf dem Wochenmarkt, um für dieses Anliegen zu werben, einige sind auch selbst Mitglieder der Initiative. Vertreten sind die CDU, die SPD, die Freien Wähler und die Frauen für Renningen. Die Grünen sind bekanntlich Befürworter des Projekts Hesse-Bahn und deshalb nicht dabei.

„Das macht doch kein Mensch“

„Primär ist: Wir wollen alle, dass Calw an das Schienennetz nach Stuttgart angeschlossen wird“, sagt Peter Weiß von der CDU. Bei der Frage nach dem Wie vertreten viele Renninger jedoch eine andere Ansicht als die Calwer. Die Argumente der Gegner sind auf dem Infoblatt zu ihrer Unterschriftenaktion zusammengefasst. Darunter: Neue Bahnsteige in Millionenhöhe wären notwendig, Steuergelder für eine teure Zwischenlösung sehen sie als verschwendet an, und sie erwarten eine Störung des S-Bahn-Verkehrs durch die Hesse-Bahn. „Um in Renningen umzusteigen, müsste man außerdem mehrere hundert Meter laufen“, erklärt Peter Weiß. „Das macht doch kein Mensch“, ist Resi Berger-Bäuerle von den Frauen für Renningen sicher. Aus dieser Überzeugung heraus unterstützen die Politiker die Initiative „Pro S-Bahn-Verlängerung“.

Immer wieder bleiben an dem Nachmittag Menschen an dem Infostand stehen, fragen von sich aus nach, worum es eigentlich geht, oder werden angesprochen. „Ich stelle fest, dass viele schon gut informiert sind“, hat Reinhard Händel von der SPD die Erfahrung gemacht. „Aber es geht oft nicht so in die Tiefe“, sagt Peter Weiß. „Zum Beispiel wissen viele nicht, dass die Hesse-Bahn gar nicht in Malmsheim halten wird.“ Oder ihnen sei nicht bekannt, dass es sich bei den Zügen um alte Dieselloks handeln wird, berichtet Berger-Bäuerle.

Ohne Druck von unten passiert nichts

Die Mitglieder der Initiative hatten bereits in der vergangenen Woche einen Sammelstand, zudem gehen sie von Haustür zu Haustür, in einigen Geschäften liegen Listen aus. Allein am Freitag kamen mindestens 200 Stimmen zusammen, berichtet Peter Weiß. Insgesamt geht die Initiative von bislang mehr als 1000 Unterschriften aus, womit ihr erstes Ziel, eine vierstellige Summe, schon mal erreicht ist.

Dass sie damit etwas bewegen können, davon sind auch die Politiker überzeugt. Rückendeckung aus den „oberen Etagen“ gebe es bereits jetzt. „In der Region Stuttgart sind inzwischen alle Fraktionen der Meinung, dass die S-Bahn-Verlängerung sinnvoller ist“, sagt Reinhard Händel. Die Unterschriftenaktion soll die betreffenden Politiker nun endlich auch zum Handeln bewegen. „Wenn der Druck nicht von unten kommt, passiert nichts.“

Unterschriften
Die Initiative sammelt noch den ganzen November über Unterschriften, vielleicht auch darüber hinaus. Nähere Informationen bieten Norman Polensky (npolensky@t-online.de) und Ingeborg Läpple (ingeborg.laepple@t-online.de).

„S-Bahn ist keine Alternative“

Keine Freunde findet die Unterschriftenaktion bei der Bürgeraktion Unsere Schwarzwaldbahn. „Die S-Bahn ist keine Alternative“, glaubt der Sprecher der BAUS, Hans-Joachim Knupfer. „Die verbiesterten Gegner nehmen schlicht einige Fakten nicht zur Kenntnis“, formuliert es die Initiative sehr deutlich in einer Pressemitteilung.

„So ist das ständig wiederholte Argument der Gegner, der Betrieb der Hesse-Bahn würde die S-Bahn behindern, längst durch zahlreiche Untersuchungen und der Vereinbarung über den Vorrang der S-Bahn widerlegt.“ Und eine S-Bahn als Alternative zum Regionalverkehr nach Calw erachtet die BAUS für wenig sinnvoll. „Zu langsam, keine Toilette, unkomfortabel.“ Vielmehr betrachten sie eine S-Bahn-Verlängerung sogar als schädlich, da die Gefahr der Unpünktlichkeit wegen der langen eingleisigen Strecke dann deutlich zunehmen würde. Zudem hätten alle Kommunen im Kreis Calw für die Hesse-Bahn von Calw bis Renningen abgestimmt „und sie bezahlen sie auch“, betont die BAUS. „Die S-Bahn-Verlängerung hat niemanden, der sie bezahlt.“

Der zweite Schritt heißt für die Bürgeraktion „Metropol-Express“. Ein solcher halte weniger oft als eine S-Bahn, sei schneller und fahre in Stuttgart bis zum Hauptbahnhof und weiter: „So eine attraktive Verbindung ist auch im Interesse der Pendler zu Bosch nach Renningen“, glaubt Erwin Eisenhardt, Fraktionsmitglied der Grünen im Renninger Gemeinderat und zugleich Mitglied der BAUS.

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