Hermann-Schlotterbeck-Platz Welzheim gedenkt eines ermordeten Nazigegners

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Vor der ehemaligen Kommandantur des KZ erinnert jetzt der Schlotterbeck-Platz an den Widerstand gegen die NS-Machthaber. Hermann Schlotterbeck war das letzte Todesopfer des KZ, er wurde nur wenige Tage vor Kriegsende ermordet.

Der Historische Verein hat den NS-Opfern einen Kranz gestiftet. Foto: Gottfried Stoppel
Der Historische Verein hat den NS-Opfern einen Kranz gestiftet. Foto: Gottfried Stoppel

Welzheim - In Welzheim ist 1933 eines der ersten Konzentrationslager der Nazis in Süddeutschland entstanden. Wie in Stetten am kalten Markt (Kreis Sigmaringen) wurden abseits der Großstädte politische Gegner von den Nazis eingesperrt, drangsaliert, gefoltert und ermordet. In Welzheim (Rems-Murr-Kreis) waren unter anderem die Brüder Hermann und Friedrich Schlotterbeck aus Stuttgart-Luginsland inhaftiert. Nun ist der Platz vor der ehemaligen Kommandantur des Lagers, in dem heute ein Forstamt untergebracht ist, nach Hermann Schlotterbeck benannt worden. Anlass war der 75. Jahrestag der Schließung des KZ Welzheim am 15. April.

Der Historische Verein drängt auf die Namensänderung

Vorangegangen war eine längere Diskussion, die durch Friedrich Lindauer vom Historischen Verein Welzheim angestoßen worden war. Lindauer ließ nicht locker und setzte sich beherzt für die Umbenennung des Platzes ein. Zuerst hatte er für die Schillerstraße plädiert, doch musste er einsehen, dass eine solche Maßnahme Probleme bereitet hätte. Dabei wäre diese Straße passend gewesen, hatte sie doch bereits von 1945 an für drei Jahre Hermann-Schlotterbeck-Straße geheißen. Zuvor war sie nach dem berüchtigten Kommandanten des Konzentrationslagers Karl Buck benannt gewesen, ein Umstand, den man in Welzheim nach Ende des NS-Regimes vor 75 Jahren schnell ändern wollte. Doch scheinbar hatte der Gemeinderat damals wohl auch Probleme mit dem Umstand, dass die Schlotterbecks Kommunist gewesen waren. Bereits 1948 erfolgte die Änderung in Schillerstraße. Gründe dafür sind in den alten Gemeinderatsprotokollen nicht zu finden.

Jetzt einigte man sich auf einen Kompromiss: Ein Teil des Gottlob-Bauknecht-Platzes vor dem Sitz des Forstbezirks Schwäbisch-Fränkischer Wald wurde umbenannt. Der Gemeinderat stimmte diesem Vorschlag im März dieses Jahres zu, nun ist die Umbenennung erfolgt. Die Feierstunde am 15. April anlässlich des 75. Jahrestags der Schließung des Lagers fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Allerdings ließ es sich der Historische Verein Welzheim nicht nehmen, einen Kranz an dem Gebäude niederzulegen, um damit den Opfern der Nazis zu gedenken, die während der zwölf Jahre des Bestehens in dem KZ, dem ehemaligen Stadtgefängnis, gefoltert und ermordet worden waren.

Nahezu die komplette Familie wird ausgelöscht

Hermann Schlotterbeck wurde 1935 als 16-Jähriger in Welzheim eingesperrt und dort schwer misshandelt. Als das Lager 1945 geräumt wurde, wurden die Gefangenen zu Fuß in Richtung Oberschwaben getrieben. Bei Riedlingen wurde der 26-Jährige in einem Waldstück erschossen. Seine Familie und Freunde wurden alle außer seinem Bruder Friedrich ermordet.

Bereits 1933 war Friedrich Schlotterbeck verhaftet und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden. 1937 wird der wehrhafte Mann, der während der „Verhöre“ unerschrocken zurückschlägt, nach Welzheim gebracht, wo er weitere sieben Jahre in „Schutzhaft“ bleiben muss. Im Jahr 1943 geht er zum Schein auf das Angebot der Gestapo ein, als Spitzel für sie zu arbeiten. Tatsächlich flieht er 1944 in die benachbarte Schweiz. Daraufhin verhaftet die Gestapo sämtliche Familienmitglieder und Freunde der Schlotterbecks. Im November 1944 werden sie in Dachau erschossen. An sie erinnern Straßen und Staffeln in Stuttgart sowie ein Mahnmal auf dem Friedhof in Untertürkheim.




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