Herrchen und ihre Vierbeiner Können Hunde ihre Persönlichkeit ändern?

Von Jörg Zittlau 

Wissenschaftler aus den USA haben untersucht, ob Hunde ihre Persönlichkeit ändern können – und wodurch das geschieht. Mit erstaunlichen Ergebnissen.

Vom Kläffer zum friedlichen Hund – geht das? Foto: dpa
Vom Kläffer zum friedlichen Hund – geht das? Foto: dpa

East Lansing - Vom hektischen Kläffer zum friedlichen Brummbär, von der Frohnatur zum Skeptiker – ist das möglich? Laut einer US-Studie verändern auch Hunde im Laufe ihres Lebens ihre Persönlichkeit. Und dabei orientieren sie sich vor allem an dem, was sie bei ihrem Halter sehen.

Ein Forscherteam der Michigan State University in den USA ließ rund 1600 Hundehalter sowohl ihre eigene Persönlichkeit als auch die ihres Hundes bewerten. Die Vierbeiner entstammten 50 unterschiedlichen Rassen und ihr Alter reichte vom Welpen- bis zum Seniorenalter. Der älteste Hund war über 15 Jahre alt. Ihre Bewertungen nahmen die Hundehalter gemäß standardisierter Fragebögen vor, in denen ein Schwerpunkt auf die Verhaltensänderungen gelegt wurde, die ihr Zögling im Laufe seines Lebens gezeigt hatte.

Das erste Ergebnis dürfte erfahrene Herrchen und Frauchen nicht überraschen: Auch Hunde verändern ihre Persönlichkeit. Aber es sind laut Studienleiter und Sozialpsychologe William Chopik vor allem drei Faktoren, die sich darauf auswirken: „Das Alter des Hundes, die Persönlichkeit des Halters und die Qualität der Beziehung zwischen den beiden.“ Wobei nicht alle gleichermaßen Einfluss auf bestimmte Charaktermerkmale haben. So verändert sich etwa die Ängstlichkeit des Tieres durch das Alter allein nur selten. Das heißt: Aus dem furchtsamen Welpen wird nicht ohne Weiteres ein Draufgänger werden, und in umgekehrter Richtung wird es auch keine sonderliche Änderung geben, sofern nicht noch andere Faktoren als das Alter dazukommen. Wie etwa ein traumatisches Ereignis – oder eben die besondere Persönlichkeit des Halters.

Gewissenhafte Hundehalter haben häufig einen gehorsamen Hund

So haben emotional labile Menschen, die häufiger ängstlich, nervös und angespannt sind, öfter einen Hund mit ähnlichen Eigenschaften. Außerdem lässt er sich in der Regel nur schwer erziehen. Ein verträglicher und weniger furchtsamer Halterhat eine hingegen mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit einen überdurchschnittlich aktiven, aufmerksamen und friedliebenden Hund an seiner Seite. Und das gilt auch für jenen Zweibeiner, dessen hervorstechendes Persönlichkeitsmerkmal die Gewissenhaftigkeit ist. Er hat zudem oft einen Hund, der gut gehorcht. Was nicht verwundern darf, insofern gewissenhafte Menschen besonders diszipliniert mit ihrem Zögling trainieren.

Doch William Chopik schränkt auch ein: „Einem alten Hund kann man nur noch schwer etwas beibringen.“ Der beste Zeitpunkt für seine Erziehung läge vielmehr rund um das sechste Lebensjahr. „In dieser Phase hat er das aufgeregte Welpenstadium hinter sich, aber sein Verhalten ist auch noch nicht zu sehr eingefahren“, sagt der Sozialpsychologe.

Generell gilt Experten zufolge: Wer einen ausgeglichenen, aufmerksamen und verträglichen Hund haben will, sollte mit ihm eine Hundeschule besuchen. Denn das offenbarte sich in der Studie als günstige Voraussetzung dafür, dass er positive Verhaltensmerkmale entwickelt. Was sicherlich auch daran liegt, dass der Hund ein Rudeltier ist und sich gemäß seiner Natur gut aufgehoben fühlt, wenn er in einer Hierarchie gehorchen muss. Ein Laissez-faire-Stil in der Erziehung ist also nicht gerade das, was einen Hund zufriedenstellt.