Herrenberg findet Kompromiss Morgendämmerung für das Glockenmuseum

Bald kann man das einzigartige Glockenmuseum und das Carillon der Stiftskirche wieder besichtigen. Foto: Stefanie Schlecht

Das in Europa einzigartige Glockenmuseum in Herrenberg kann im nächsten Jahr wenigstens teilweise wieder öffnen. Die Stadt wird die Baumaßnahmen splitten.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Für Klaus Hammer, den Leiter des Glockenmuseums, ist es so eine Art Weihnachtsgeschenk: Die Zusage der Stadt Herrenberg, das Museum teilweise wieder zu öffnen, das wegen Brandschutzauflagen vor zwei Jahren geschlossen worden war. Bis jetzt war die Situation komplett verfahren gewesen, denn der Verein konnte die Umbauten für den Brandschutz nicht bezahlen, obwohl er etliche Spenden eingeworben hatte. Erst mit dem neuen Oberbürgermeister Nico Reith (parteilos) war die Sache in Bewegung gekommen.

 

Denn dieses Glockenmuseum ist wie kaum ein anderes ein Alleinstellungsmerkmal für die Stadt Herrenberg. Mit 85 klingenden Glocken besitzt das Museum mit Abstand das zahlenmäßig größte Glockengeläut in Deutschland. Als Besonderheit gibt es im Turm das 50-stimmige Carillon, also ein Glockenspiel, das sowohl automatisch als auch manuell gespielt werden kann. Die Experten sagen, dieses Museum suche seinesgleichen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa und darüber hinaus.

400 000 Euro fehlten

Doch mit dem Besuch des Museums und den Glockenkonzerten war im Jahr 2023 erst einmal Schluss. Umfangreiche Brandschutzauflagen hatten dazu geführt, dass nach über 30 Jahren die Betriebsgenehmigung für das Glockenmuseum entzogen wurde und die einzigartige Einrichtung deshalb für die Öffentlichkeit geschlossen werden musste. Die Brandsachverständigen forderten einen Brandschutzraum sowie eine komplett neu verlegte Elektrik, was den „Verein zur Erhaltung der Stiftskirche Herrenberg“ an den Rand seiner Möglichkeiten brachte, denn die Baukosten wurden auf 400 000 Euro veranschlagt. Und nicht nur die Verantwortlichen Klaus Hammer und Burkhard Hoffmann stellten sich die Sinnfrage: Das letzte Mal, als der Turm der Stiftskirche durch Feuer überhaupt in Gefahr geraten war, war vor 500 Jahren beim großen Stadtbrand 1488 gewesen, aber sogar diese Feuersbrunst hatte er unbeschadet überstanden.

Burkhard Hoffmann vom Verein zur Erhaltung der Stiftskirche vor der renovierungsbedürftigen Elektrik. Foto: Stefanie Schlecht

Zündender Vorschlag

In mehreren Gesprächen mit dem Verein und den Sachverständigen für den Brandschutz hatte der Herrenberger Oberbürgermeister – das Wort vom „zündenden“ Vorschlag ist hier vielleicht unangemessen – er hatte also die Idee, die Renovierungsarbeiten zu splitten und das Museum wenigstens teilweise wieder zu eröffnen. Mit dem Geld, das der Verein bereits eingesammelt hatte, kann nun der Brandschutzraum gebaut und das Museum für 35 Besucher gleichzeitig geöffnet werden. Eine Zahl, die im laufenden Betrieb völlig ausreicht, sagt Klaus Hammer. Nur für die berühmten Glockenkonzerte reicht es noch nicht, da waren bis zu 70 Menschen im Turm. Diese Konzerte können erst wieder stattfinden, wenn auch die Elektrik auf dem aktuellsten Stand ist.

Einmaliger Sound

Wie Klaus Hammer mitteilt, sei der erste Bauabschnitt für den Brandschutzraum bereits genehmigt. Der Verein geht davon aus, dass wenigstens das Glockenmuseum im Jahr 2026 wieder eröffnen kann. Wenn dann auch noch das Geld für die Elektrik zusammenkommt, dann könnten in den nächsten Jahren auch wieder die Glockenkonzerte mit einem Sound stattfinden, der in Deutschland und wahrscheinlich sogar in ganz Europa einmalig ist.

Geläut zur höheren Ehre

Carillon
Bei einem Carillon handelt es sich um ein spielbares, großes Glockenspiel, das sich typischerweise in einem Turm befindet und mindestens 23 Glocken aufweist. Das Herrenberger Glockenspiel wird mit einer Tastatur aus hölzernen Hebeln angesteuert, einem so genannten Stokkenklavier.

Stiftskirche
Die Stiftskirche ist das Wahrzeichen der Stadt Herrenberg und beherrscht durch die Lage am Schlossberghang das Tal weithin. Aufgrund dieser Lage wird sie scherzhaft auch die Glucke vom Gäu genannt, weil sie über die Häuser Herrenbergs wacht.

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