Herrenberg „Neues Bad war proppenvoll“

Von Kein Autorenname vorhanden 

Der Schwimmbad-Betriebsleiter Jörg Bay berichtet über seine Erfahrungen mit dem neuen Naturbad in Schorndorf.

  Foto:  
  Foto:  
Herrenberg/ Schorndorf - Seit Wochen wird in Herrenberg leidenschaftlich darüber diskutiert, das Hallenbad am Längenholz um ein natürlich gereinigtes Freibad zu erweitern. Viele Bürger haben Vorbehalte, dass das Wasser im geplanten Naturbad zu trüb oder zu kalt wäre. In Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) wird der dortige Ziegeleisee seit dem Vorjahr natürlich gereinigt. Der Betriebsleiter Jörg Bay berichtet über seine Erfahrungen.
Herr Bay, warum haben Sie sich dafür entschieden, das Wasser im Schorndorfer Ziegeleisee natürlich reinigen zu lassen?
Der Ziegeleisee ist eine alte Lehmgrube, die von Quell- und Grundwasser gespeist wird. Er hat sich in den letzten Jahrzehnten zum Schwimmbad entwickelt, gleichzeitig war er ein ganz normaler See mit Fischen, Pflanzen und Algen. In den letzten Jahren sind die Besucherzahlen allerdings zurückgegangen, weil das Wasser vielen schmutzig erschien – obwohl die Wasserqualität hoch war.

Wie funktioniert denn die natürliche Reinigung bei Ihnen?
Wir haben zwei Filtersysteme: In einem abgetrennten Bereich des Sees ist auf einer Länge von 80 Metern 1,6 Meter hoch Kies aufgeschüttet. Das Wasser wird dadurch gefiltert, durch Rohre abgesogen und wieder in das Becken gepumpt. Zusätzlich wird das Wasser durch Wasserpflanzen wie Schilf und Zooplankton, also Wasserflöhe, gereinigt. Wasserflöhe ernähren sich beispielsweise von Schwebealgen, die früher das Wasser getrübt haben.

Und der zweite Filter?
Das ist ein Trockenfilter außerhalb des Sees. Was sich in den Überlaufkästen sammelt – Blätter oder Blütenstaub von der Wasseroberfläche – wird dort mit Hilfe einer dicken Kiesschicht aus dem Wasser gefiltert.

Gab es in Schorndorf denn hygienische Bedenken gegen eine natürliche Reinigung?
Nein, eigentlich nicht. Für Naturbäder und konventionelle Bäder gelten allerdings unterschiedliche Vorschriften: Wenn das Wasser mit Chlor gereinigt wird, dürfen gar keine Keime oder Bakterien nachweisbar sein. Bei Naturbädern dürfen hingegen in 100 Milliliter Wasser einige Hundert Darmbakterien vorhanden sein. Beim Schorndorfer Ziegeleisee gelten die gleichen Vorgaben wie bei Baggerseen, deren Wasser die Gesundheit ja auch nicht gefährden darf. Beim geplanten Herrenberger Freibad wären die Vorgaben strenger, weil es ja ein künstlich angelegtes Becken wäre.

In Herrenberg würde das geplante Kleinkinderbecken mit Chlor gereinigt. Wie ist das bei Ihnen in Schorndorf?
Bei uns haben Kleinkinder einen eigenen Bereich am flachen Rand des Ziegeleisees. Der See verträgt es, wenn sie mal ins Wasser pinkeln – und ein bisschen Harnstoff hat auch noch keinem geschadet.

Wie haben die Besucher die Neuerungen denn aufgenommen?
2010, also vor der Renovierung, hatten wir durchschnittlich 360 Besucher am Tag, nach der Umstellung waren es dann 592. Das Bad war proppenvoll – obwohl wir die Eintrittspreise angehoben haben.

Glauben Sie, dass Naturbäder auch anderswo eine Chance haben?
Den Naturbädern in kommunaler Trägerschaft gehört die Zukunft, weil Naturbäder im Betrieb viel günstiger sind. Die Energiekosten sind viel geringer und man braucht keine Chemie mehr.

Das Gespräch führte Kata Kottra.




Veranstaltungen