Herrenberger Altstadt Quartiersmanagerin bringt Leute zusammen

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Das Modellprojekt für die Herrenberger Altstadt wird nun auf die komplette Kernstadt ausgeweitet.

Nathan Kitch  und  Johannes Söhner von der evangelischen Kirche und Vanessa Watkins und Ines Böttcher von der Stadtverwaltung machen Rast auf den neuen Bänken an der Spitalkirche. Foto: factum/Jürgen Bach
Nathan Kitch und Johannes Söhner von der evangelischen Kirche und Vanessa Watkins und Ines Böttcher von der Stadtverwaltung machen Rast auf den neuen Bänken an der Spitalkirche. Foto: factum/Jürgen Bach

Herrenberg - Sitzgelegenheiten sind in den Altstadtgassen Mangelware. Es fehlt ein Treffpunkt für Jugendliche im Zentrum, und Menschen mit Handicap fühlen sich nicht richtig wahrgenommen. Das sind drei Erkenntnisse, die Ines Böttcher in den vergangenen zwei Jahren gewonnen hat. Als Quartiersmanagerin ist sie Ansprechpartnerin für die rund 1200 Bewohner der Herrenberger Altstadt. Die Menschen, Gruppen und Organisationen miteinander zu vernetzen, ihre Ideen aufzugreifen und ihre Belange an die Stadtverwaltung zu vermitteln – das sind die Aufgaben von Böttcher.

Im August 2020 hatte das Modellprojekt Quartier 2020 begonnen. Gekostet hat es die Stadt fast nichts. 95 Prozent der Kosten bekam sie vom Land dafür. Nun hat die Quartiersmanagerin ihren Schlussbericht vorgelegt , der zugleich Auftakt für ihre weitere Arbeit ist. Diese soll sich künftig auf die gesamte Herrenberger Kernstadt erstrecken. Profitieren sollen auch die Stadtteile von Böttchers Erfahrungen. Das eine oder andere, was sich in der Altstadt bewährt hat, kann auch in Kay oder Gültstein umgesetzt werden.

Eigentlich ist das Zentrum von Herrenberg überschaubar. In wenigen Minuten kann man die Altstadt in allen Richtungen durchlaufen. Das Rathaus steht dort, zweimal wöchentlich gibt es Markt. In der Altstadt findet der Weihnachtsmarkt statt und das jährliche Kulturspektakel Sommerfarben. Die Altstadt beherbergt viele kleine Läden und ist Wohnstätte für etwa 1200 Menschen in 800 Haushalten. Doch viele kennen sich nicht.

Bücher, Bänke, Biosaft

Die Bewohner seien ein Querschnitt der Herrenberger Bevölkerung, sagt Böttcher. „Hier leben Familien mit Kindern, Jugendliche und Senioren, Menschen mit Migrationshintergrund und solche mit körperlichen Einschränkungen.“ Sie sieht sich als Ansprechpartnerin für alle.

So einiges hat sie – immer mit Unterstützung anderer Akteure – auf den Weg gebracht: An der Spitalkirche wurden zwei wetterfeste Bänke montiert, die die marode Holzbank ersetzen. Zudem arbeite das Stadtmarketing daran, wie von vielen Bürgern gewünscht, weitere Sitzgelegenheiten in der Altstadt zu schaffen.

Bereits seit einem Jahr gibt es im Graben einen Bücherschrank – auch das ein Wunsch vieler Bürger. Jeder kann dort Bücher hineinstellen und sich mit Lesestoff versorgen. Doch ganz ohne Betreuung funktioniert das nicht. Eine kleine Gruppe von Frauen kümmert sich ehrenamtlich um die Pflege des Bücherschranks. „Zweimal in der Woche wischen wir den Schrank und sortieren zerfledderte Bücher aus“, berichtet Maria Rockenbauch vom Bücherteam und fügt an: „Wir könnten noch Verstärkung gebrauchen.“

Andere Bürger engagierten sich bei der Gestaltung der heruntergekommenen Unterführung an der Hindenburgstraße. Nun kann man dort in den Schaufenstern sehen, was so auf den Streuobstwiesen rund um die Stadt wächst und was Bürger daraus alles machen: Saft, Schnaps und Öle made in Herrenberg gibt es.

Nachbarn lernen sich nach Jahren kennen

Auch während der Corona-Epidemie hat sich das Amt der Quartiersmanagerin bewährt: Sie konnte mehrere Gruppen, die sich in der Unterstützung von Risikogruppen engagierten, miteinander vernetzen. „Sonst hätten diese alle nebeneinander her gearbeitet“, sagt Böttcher.

Bei einem Workshop, den sie organisierte , lernten sich Menschen kennen, die seit Jahren nebeneinander wohnen, sich aber bis dato nicht kannten. Nun treffen sie sich regelmäßig. Auch Maria Rockenbauch gehört dazu. „Wir haben viele Ideen für Aktivitäten“, erzählt sie. So seien gemeinsames Singen und eine Weiße Tafel zum gemeinsamen Essen geplant – sobald es Corona wieder zulässt.

Der Vertrag von Ines Böttcher wurde nun um vier Jahre verlängert. Künftig ist sie die Ansprechpartnerin für die Bürger der gesamten Kernstadt. Sie freut sich darauf, weitere Akteure zu treffen, die sich in der Mitmachstadt engagieren möchten.




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