Teichhühner leben in Europa, sowie in Asien ostwärts bis Sulawesi, in Afrika, auf Madagaskar und den Seychellen – und dummerweise auch im Herrenberger Naturfreibad.
Die Zahl der Teichhühner wird europaweit auf mindestens 900 000 Paare geschätzt, im Herrenberger Freibad ist es nur eine Familie, die hier ihre sieben Jungen großzieht und die immer wieder in die Schlagzeilen gerät. Wegen der Bakterienbelastung aus dem Vogelkot musste das Herrenberger Naturbad in den vergangenen Wochen mehrfach schließen. Am Dienstag trafen sich das Regierungspräsidium Stuttgart, das Landratsamt Böblingen und Vertreter der Stadt Herrenberg; und die Behörden und haben dabei folgendes ausgebrütet:
Eine schnelle Lösung wird es leider nicht geben. Die Becken im Naturfreibad müssen vorerst geschlossen bleiben, Wasserproben werden weiterhin entnommen. Eine Entscheidung, ob das Bad in dieser Saison noch einmal geöffnet werden kann, soll im Laufe der nächsten Woche fallen. Wäre den Hühnern nicht beizukommen, müssten sie umgesiedelt werden, und diese Entscheidung müsste das Regierungspräsidium fällen, darüber hinaus bräuchte es auch ein geeignetes Gewässer als neue Heimat für die Teichhuhnfamilie.
Kein Schnelltest für Bakterien
Denn mit den Teichhühnern ist es hierzulande nicht ganz so einfach: Während in den meisten Staaten Europas die Bestände stabil sind, wurden in Deutschland Bestandsrückgänge festgestellt, so dass das Teichhuhn hier seit 2006 in der Vorwarnstufe der Roten Liste gefährdeter Arten geführt wird. Damit ist das Teichhuhn streng geschützt und damit hat das Naturfreibad Herrenberg ein ernstes Problem.
Weil die Teichhühner gerade dort ihre Jungen großziehen und das Naturwasser als natürlich Toilette benutzen, geraten Escherichia-Coli-Bakterien aus dem Vogelkot ins Badewasser. Zwar wird dieses Wasser durch die natürliche Filtrierung der Anlage wieder absolut sauber, doch bis das Wasser durch den Filter gelaufen ist und bis die Laborwerte das nachgewiesen haben, vergeht eben Zeit. „Es gibt keinen Schnelltest für Escherichia-Coli-Bakterien“, sagte dazu der Stadtwerkeleiter Karsten Kühn.
Alle Maßnahmen, die Tiere zu vertreiben, waren bislang jedoch erfolglos. Die Teichhühner haben die Raubvogelattrappen mit Verachtung gestraft, den künstlich erzeugten Lärm überhört und die zurückgeschnittene Begrünung ignoriert – und die Verbote, das Bad nicht zu verunreinigen sowieso.
Neben den Behörden hat sich auch schon der Herrenberger Oberbürgermeister-Kandidat Nico Reith mit der Überschrift „Kein weiter so!“ gemeldet. Er schreibt in einer Pressemitteilung: Seit der Eröffnung 2015 sei es nicht gelungen, einen dauerhaften stabilen Betrieb zu ermöglichen. Die Schließungen sind viel zu häufig und in dieser Fülle nicht mehr vermittelbar.
Gerade jetzt bei gutem Wetter in den Sommerferien sei ein zuverlässig funktionierendes Freibad für die Herrenberger Familien und die Bevölkerung sehr wichtig. Für die Teichhühner müsse eine adäquate Lösung gefunden werden, heißt es in der Mitteilung weiter. Neben den Badegästen leide insbesondere auch der Ruf Herrenbergs unter dem Thema. Daher müssten aus Reiths Sicht alle Fakten und Optionen auf den Tisch, bis hin zu einer möglichen Umrüstung auf einen konventionellen Badebetrieb.