Ute Kneißler (links) und Celia Lohner leiten die Yogastunde auf dem Marktplatz. Foto: /Anke Kumbier
Der Herrenberger Strandsommer nähert sich zwar seinem Ende, lockt aber bis dahin noch mit zahlreichen Programmpunkten. Einer davon: Yoga für alle auf dem Marktplatz. Zwischen Sonnenschirmen, Liegestühlen und Sand starten die Teilnehmerinnen in den Tag.
Kurz nach neun Uhr rollen Ute Kneißler und Celia Lohner rote Yogamatten auf dem Strand in Herrenberg aus. Auf dem Strand? In einer Stadt, die hunderte Kilometer vom Meer entfernt liegt? Ja, denn seit Ende Juli und noch bis zum 8. September gibt es auf dem Marktplatz den Herrenberger Strandsommer. Dazu gehören 150 Tonnen Sand mit Liegestühlen, Sonnenschirmen, Tischen – und kostenlosen Veranstaltungen.
Am Mittwochmorgen bieten Kneißler und Lohner von der Yogalounge Herrenberg eine Yogastunde für alle an. Doch die Teilnehmer lassen auf sich warten. Möglicherweise schreckt sie das Wetter ab. Wenige Stunden zuvor hat es heftig gewittert. Schließlich taucht noch eine junge Frau auf und das Yoga im Freien beginnt.
Zuerst geht es darum, ein Gespür für den Ort zu bekommen. Der Sand ist hubbelig, im Hintergrund plätschert der Brunnen, Tauben gurren. Kneißler steigt entspannt ein, lässt die Teilnehmerinnen die Schultern rollen, um die Nacht aus den Knochen zu vertreiben, und leitet Übungen aus dem Rückenyoga an. Mit der Zeit wacht nicht nur der Körper, sondern auch die Stadt auf. Lkw liefern Ware an, die Kirchenglocken läuten und immer mehr Menschen kommen vorbei. Einige bleiben stehen und schauen zu.
Besonderer Ort um Yoga zu machen
Inzwischen hat Celia Lohner übernommen, die Übungen werden – zumindest für Laien – anstrengender. Sie leitet Standhaltungen aus dem Ashtanga-Yoga an, die Namen wie Sonnengruß und Helden- oder Kriegerpositionen tragen und den ganzen Körper fordern. „Sie vermitteln Kraft, Stabilität und Stärke“, sagt Kneißler nach der Stunde.
Ute Kneißler leitet den ersten Teil der Yogastunde an. /Anke Kumbier
Sie und ihre Kollegin erklären die Übungen ruhig, kommen vorbei, korrigieren, wenn eine Haltung nicht stimmt. Manchmal gehen die Anleitungen in den Umgebungsgeräuschen unter. „Die Stille und die Intimität eines Yogastudios fehlen“, lautet hinterher Kneißlers Fazit. Die Inhaberin der Yogalounge bietet erstmals Kurse beim Strandsommer an. „Es war tatsächlich wie am Strand“, sagt sie. Trotz der unruhigen Umgebung würde sie es sofort wieder tun: „Ich bringe mich gerne hier ein.“ Ihre Kollegin findet, es sei toll, Yoga an einem solchen Ort erlebbar zu machen. „Ich liebe das Ambiente hier“, schwärmt sie. Der Marktplatz sei eine gute Location, sagt auch Teilnehmerin Tamara Lang, der die Stunde gute gefallen hat. Nur auf den Sand hätte sie verzichten können. Der ist vom nächtlichen Regen leicht feucht und klebt trotz Matte bald an Händen und Füßen.
Dritte Auflage des Strandsommers
Das Herrenberger Stadtmarketing organisiert dieses Jahr zum dritten Mal den Strandsommer. Wie immer gibt es nicht nur den Sand, sondern Programmpunkte, die auf dem Marktplatz stattfinden: verschiedene Sportangebote, darunter Zumba, eine Schatzsuche, eine Silent Disco, bei der die Menschen die Musik über Kopfhörer hören, einen Trommelkurs, eine Vorlesestunde oder eine Kinderdisco.
Die Heldenpositionen verlangen Körperspannung und Stabilität. /Anke Kumbier
Die überschaubare Teilnehmerzahl am Morgens scheint eine Ausnahme zu sein, die wohl dem Wetter geschuldet ist. Am Nachmittag, beim Eltern-Kind-Yoga, ist es warm und Kneißler freut sich über regen Zulauf. Überhaupt kommt der Strandsommer offenbar gut an. Zu fast jeder Tageszeit sind Menschen in den Liegestühlen zu sehen, buddeln Kinder im Sand. Und auch die Programmpunkte locken die Menschen an. „Sie wurden durchweg zu unserer vollesten Zufriedenheit besucht“, sagt Citymanagerin Mara Meinkuss. „Ich bin mal gespannt, wie wir das nächstes Jahr noch toppen wollen.“
Wunsch nach Wiederholung
Sie spricht von positiven Rückmeldungen der Besucher. Auch das Interesse beim Strandsommer eine Aktivität anzubieten, scheint groß zu sein. „Wir mussten manchen sogar absagen“, sagt Meinkuss. Yogalehrerin Kneißler spricht von „gut investierter Zeit“. Am Mittwoch verbringt sie fast den ganzen Tag auf dem Marktplatz, bietet Yoga an und liest aus ihrem Buch „Ein Yogi auf dem Jakobsweg.“ Vom Stadtmarketing bekomme sie kein Geld und wolle auch keines, denn das Stadtmarketing stelle alles bereit und sie habe die Gelegenheit sich und ihre Yogaschule vorzustellen. Eine Win-Win-Situation also.
Die einhellige Meinung der Yogalehrerinnen und der -schülerin am Mittwochmorgen: Der Strandsommer ist eine gute Sache. Tamara Lang lobt die Vielfalt des Angebots. „Es ist richtig gut und einladend“, sagt sie. Celia Lohner gefällt, dass der Strandsommer das Kollektiv fördere und Menschen gemeinsam aktiv würden. „Er sollte auf jeden Fall beibehalten werden.“ Noch sei die endgültige Entscheidung, ob er in die vierte Auflage geht, nicht gefallen, sagt Meinkuss. Die Motivation, ihn wieder aufzuziehen, ist aber da: „Meiner Meinung nach gehört er unbedingt in die Innenstadt von Herrenberg.“
Zwei Höhepunkte bis Sonntag und Sand für zu Hause
Weitere Aktivitäten Zum Abschluss stehen laut Stadtmarketing noch zwei besondere Veranstaltungen an. Am Freitag, 6. September, gibt es eine Beachparty. Sie startet mit einer Kinderdisco um 18 Uhr und wechselt ab 19 Uhr zu Musikrichtungen für Erwachsene. Einen Tag später veranstaltet der Herrenberger Handels- und Gewerbeverein das Event „Ernte, Handel und Genuss“, das in der Innenstadt und rund um den Strandsommer stattfindet. Das Programm des Strandsommers gibt es unter: www.herrenberg-stadtmarketing.de
Sand abholen Der Strand wird am Montag, 9. September, wieder abgebaut. Ab 9 Uhr kommt die Firma Karl Roth und bringt den Sand zu Baustellen, wo er weiterverwendet wird, heißt es vom Stadtmarketing. Wer möchte, darf sich vorher vom Sand für den privaten Gebrauch noch etwas abzweigen. Interessierte sollen sich am Montag vor 9 Uhr auf dem Marktplatz einfinden, um den Sand zu holen.