Herrenberger Verein First Care Jugendliche für Pflegeberufe motivieren

Essen verteilen, miteinander spielen, plaudern Foto: Stefanie Schlecht

Jung und Alt sind zu Gespräch und Spiel im Altenpflegeheim Haus am Sommerrain in Herrenberg zusammengekommen. Initiiert hat das Treffen der deutsch-türkische Verein First Care. Die Verantwortlichen wollen Jugendliche für Pflegeberufe motivieren.

Einige spielen „Mensch ärgere Dich nicht“ und „Memory“, andere sind im Plausch vertieft, und wieder andere machen beim Programm einer Altenpflegebetreuerin mit Gesang und Ratespielen mit. Die Senioren im Heim am Sommerrain in der Herrenberger Bahnhofsstraße genießen sichtlich den Besuch von sieben Jugendlichen des Vereins First Care. Diese haben Topfpflanzen und Geschenkkörbe mit allerlei zum Naschen mitgebracht, und widmen sich hingebungsvoll den Senioren. „Ich finde es wirklich toll, Jung und Alt zusammenzuführen. Wenn man sieht, wie die Augen strahlen, geht einem das Herz auf“, sagte die Heimleiterin Michaela Graber-Hans. „Normalerweise sind Altenheim und Jugend getrennte Welten“, weiß sie. Gerade vor dem Hintergrund der Coronakrise, in der für die Senioren viele Kontaktmöglichkeiten verloren gegangen sind, sieht Graber-Hans das Engagement sehr positiv.

 

Hinter der Aktion steckt der Verein First Care, der Menschen in allen Lebenslagen begleitet und betreut – unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht, Religion und Bildungsstand. Er besteht seit 2015, ist in der Türkei und Deutschland aktiv und hat keinen ethnischen oder religiösen Hintergrund: „Ob wir deutsch oder türkisch sind, ist uns egal, wir wollen einander helfen“, sagt die Vorsitzende Elif Şahin. „Wir leben in Deutschland und fragen, was wir hier brauchen“, erklärt sie.

Verein bringt Menschen verschiedener Herkunft und Altersstufen zusammen

Der Verein begleitet Senioren im Alltag, hilft Flüchtlingen bei der Integration und bringt bei Veranstaltungen wie Tanzabenden eine Menge Menschen verschiedener Herkunft und Altersstufen zusammen. Außerdem sammelt First Care Spenden für schwer erkrankte Kinder und kümmert sich um den Tierschutz. Der Verein weiß eine Vielzahl von Followern und finanziellen Unterstützern auf seiner Instagram-Seite im Internet hinter sich. Neuerdings bietet er auch Senioren, die unter den hohen Energiepreisen in Deutschland leiden, betreutes Wohnen in einem wärmeren Klima in Istanbul, Antalyia und Izmir an.

Im Augenblick treibt First Care besonders der Pflegenotstand um: „Wir wollen Jugendliche dazu motivieren, in die Altenheime zu gehen, weil es einen großen Bedarf gibt“, sagt Elif Şahin. Aktionen wie der Generationentreff sollen den Menschen in den Heimen mehr Anschluss ans gesellschaftliche Leben ermöglichen. Den Jugendlichen bringe das Engagement „Verantwortung und Respekt vor Älteren“ nahe, so Elif Şahin. Zugleich trage es auch zur Integration bei. „Wir müssen den Jugendlichen einen Weg zeigen und ihnen ein Vorbild sein“, sagt sie.

„Jugend zieht Jugend an“

„Wenn nur zwei Jugendliche in die Altenpflege gehen, wäre es schon ein Gewinn“, meint Elif Şahin. Auch ein freiwilliges soziales Jahr in der Pflege zu verbringen, würde die Heimleiterin Michaela Graber-Hans begrüßen. An diesem Tag sind sogar Jugendliche dabei, die schon ein Praktikum im Altenheim absolviert haben. „Wir versuchen, Menschen einander näherzubringen“, sagen die jungen Helfer. First Care ist offen für die Ideen der Jüngeren und international ausgerichtet. „Das mögen die Jugendlichen, und Jugend zieht Jugend an“, ist die Erfahrung von Elif Şahin, die selbst Mutter dreier Kinder ist und bereits vier Pflegekinder betreut hat. Je nach Zeit und Interesse können sich Jugendliche flexibel in die Projekte einklinken. Es gibt mehrere Altersstufen. „Je mehr man gibt, desto mehr empfängt man“, hat Şahin über die Jahre im Ehrenamt erfahren.

Elif Şahin hat viel Erfahrung mit Engagement gesammelt und dann eine Vielzahl von Seminaren und Kursen zu sozialen und psychologischen Themen besucht. „Die Theorie kommt bei mir immer nach der Praxis“, sagt sie. Herrenberg ist der Ausgangspunkt der Aktivitäten von First Care, doch möchte der Verein auch deutschlandweit helfen. Aus diesem Grund veranstaltet er online Infoabende – so zum Beispiel zum betreuten Wohnen in der Türkei im November. Der genaue Termin wird noch auf der Homepage des Vereins bekannt gegeben.

First Care versucht, in allen Lebenslagen zu helfen

First Care
Der Verein wurde 2015 gegründet, die Mitglieder begleiten und betreuen Menschen in allen Lebenslagen, die Hilfe suchen. Ursprünglich gab es den Verein nur in der Türkei, inzwischen gibt es auch einen deutschsprachigen Ableger mit Sitz in Herrenberg.

Angebote
First Care unterstützt ältere, hilfsbedürftige Menschen, ihre Selbstständigkeit zu bewahren. Die Mitglieder begleiten die Senioren bei Behördengängen und Arztbesuchen, übersetzen, organisieren ambulante Pflege oder stehen ihnen in schweren Stunden bei. Außerdem erleichtert der Verein Flüchtlingen das Ankommen, zum Beispiel mit Treffs, Spenden und Patenschaften für Einzelpersonen oder Familien.

Betreutes Wohnen in der Türkei
First Care bietet neuerdings als Ausweichmöglichkeit für den kalten Winter in Deutschland betreutes Wohnen in Istanbul, Antalya und Izmir. Deutschsprachiges Personal, eine Krankenpflege-Betreuung und ein Fahrservice sind vorhanden. Auch sind Thermalbäder, Sporteinrichtungen und Gebetsmöglichkeiten für alle Religionen gut erreichbar.

Partner und Finanzierung
First Care arbeitet mit Gemeindevertretern und Behörden vor Ort zusammen. Partner sind zudem das Bundesfamilienministerium im Rahmen des Programms „Demokratie leben!“ und die Mitmachstadt.

Kontakt
Im Internet ist der Verein unter der Adresse web.firstcare.help zu finden. Ansprechpartnerinnen sind Elif Şahin, Telefon 01 72 / 802 29 88, und Tuba Çağlar, 01 63 / 864 79 23.

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