InterviewMaultaschenhäusle in Stuttgart Mit Herrgottsbscheißerle durch die Krise

Von Hand gemacht: Elke Klein produziert Maultaschen. Foto: Lichtgut - Ferdinando Iannone
Von Hand gemacht: Elke Klein produziert Maultaschen. Foto: Lichtgut - Ferdinando Iannone

An Ostern herrscht im Gablenberger Maultaschenhäusle eigentlich Hochbetrieb. Dieses Jahr ist in der Corona-Pandemie immer noch alles anders. Im Gespräch verrät Elke Klein, wie sie diese Krise durchsteht.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Stuttgart - In Kleins 1. Maultaschenhäusle spielt die schwäbische Spezialität seit fast 30 Jahren die Hauptrolle. Die Chefin Elke Klein und ihr Team stellen sie in Handarbeit her. Dass die Maultasche in Mode ist, findet die 48-Jährige natürlich gut. Das Coronavirus macht dem Stuttgarter Geschäft allerdings zu schaffen, wie sie im Interview erklärt.

Frau Klein, haben Sie gerade alle Hände voll zu tun?

Von wegen! Vor Ostern müssen normalerweise auch die Schwägerin ran, der Mann, die Tochter. Alle haben immer geholfen, weil wir es alleine nicht verschaffen konnten. Sonst produzieren wir vor Ostern täglich 1600 Maultaschen. Ostern ist Hochsaison! Aber wegen Corona und den ganzen Einschränkungen verkaufen wir viel weniger. Ich hatte gehofft, dass die Regeln an Ostern gelockert werden. Die Gastronomie bleibt zu, und einladen darf man auch niemand. Also kommt keiner vorbei und kauft mal 40 Maultaschen.

Aber Sie haben noch genug Geschäft?

Existenzbedrohend ist die Coronakrise nicht. Die Gastronomie hat schon 30 Prozent unseres Umsatzes ausgemacht, jetzt kommen nur Selbstabholer. In solchen Situationen greift man halt auf private Rücklagen zurück.

Immerhin erfreut sich die Maultasche großer Beliebtheit und ist ein Trendfood geworden.

Wenn man bedenkt, dass wir vor 30 Jahren die Einzigen waren, die sich auf die Maultasche konzentriert haben, ist das eine erstaunliche Entwicklung. Ich finde es in Ordnung. Es ist immer gut, wenn die Maultasche vorangebracht wird. Sie ist eine schwäbische Tradition und einfach lecker. Und dass wir seit 30 Jahren dabei sind, zeigt, dass wir Qualität bieten.

Sie springen auf keinen Trend auf?

Wir benutzen nach wie vor Omas Rezept. Ein paar Zutaten kamen dazu, ein paar haben wir entfernt. Es ist eine gesunde Mischung, von allem etwas. Neben der schwäbischen haben wir eine vegetarische Maultasche entwickelt. Die Leute essen bewusster und ohne Fleisch, das merken wir extrem. Ich bin aber der Meinung, dass man Lachsmaultaschen nicht braucht. Wenn ich einen Fisch esse, dann will ich das ganze Stück auf dem Teller. Wir können auch nicht fünf verschiedene Sorten machen, weil wir alles frisch von Hand machen. Kartoffelsalat bieten wir außerdem an sowie mittwochs und donnerstags Fleischküchle.

Was gibt es bei Ihnen an Ostern zu essen?

Ich muss gestehen, Maultaschen essen wir nicht. Bei uns kommt entweder etwas Vegetarisches auf den Tisch oder ein Stückchen Fleisch mit Spätzle. Wir haben eine Megaproduktion von Maultaschen, da hat man nicht unbedingt Lust, sie auch ständig zu essen.




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