„Herzenssache“ Frühlingswanderung mit Lyrik und guten Tipps

Von Doris Alice Caumanns 

Beim „Herzwandern“ mit Ärzten, Albverein und unseren Lesern gibt es bei Kaiserwetter Informatives und Poesie.

Bei schönstem Frühlingswetter machen sich die Wanderer auf den Weg. Foto: factum/Bach
Bei schönstem Frühlingswetter machen sich die Wanderer auf den Weg. Foto: factum/Bach

Leonberg - Am Sonntagmorgen stehen etwa 140 Menschen vor dem Krankenhaus – aber sie wollen nicht in die Not­aufnahme wegen ersten Heuschnupfenproblemen, sie wollen zur „Herzenssache Wandern“, die nun schon zum 19. Mal stattfindet: Krankenhausärzte, Albverein und Leser unserer Zeitung – die Leonberger Kreiszeitung ist Mitorganisator der Aktion – machen sich auf Schusters Rappen auf, um etwas für ihre Gesundheit zu tun:

„Ins Grüne, ins Grüne, da lockt uns der Frühling, Und führt uns am blumenumwundenen StabeHinaus, wo die Lerchen und Amseln so wach, In Wälder, auf Felder, auf Hügel zum Bach.“

Damit aus dem „Herzwandern“ kein „Herzstolpern“ wird und sich Herz nicht auf Schmerz reimt, ist Olaf Weber, Chefarzt der Kardiologie, vor Ort: Er ist mit dem Radl da – weil er Dienst hat und im Notfall schnell wieder im Krankenhaus sein muss. Olaf Weber kündigt in seiner Begrüßung die neueste amerikanische Leitlinie zum ­Thema Gesundheit und Bewegung an – und bekommt dafür einen Holz-Osterhasen, der guckt wie Präsident Trump.

Eine Leserin rezitiert das berühmte ­Mörike-Gedicht „Frühling lässt sein blaues Band...“, und dann geht’s bei Kaiserwetter mit Rucksack, Wanderschuhen, Stöcken und viel guter Laune zügig Richtung ­Gewann Dittisee. Hartmut Maier vom Vorstand des Albvereins warnt: „Wo wir runter gehen, müssen wir auch wieder rauf!“

Im Gewann Dittisee blüht schon der Weißdorn, aber die Felder und Bäume sind noch kahl:

„Wolkenschatten fliehen über Felder,Blau umdunstet stehen ferne Wälder.“

An einer Weggabelung steigt Olaf Weber auf die Rednerbühne der Natur und erläutert anhand der brandaktuellen „Physical Activity Guidelines for Americans 2018“ den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bewegung. Er erklärt, was man unter dem „Metabolischen Äquivalent (MET)“ versteht (durchschnittlicher Energieumsatz eines 70 Kilogramm schweren, 40-jährigen Mannes), unterscheidet „leichte“, „mittelschwere“ und „schwere“ Aktivität und betont, durch einen aktiven Lebensstil bleibe Gesundheit und Lebensqualität ­erhalten, der Alterungsprozess werde verlangsamt und das Risiko für zahlreiche Krankheiten und sogar für Stürze gesenkt.

„Herz-König“ Weber empfiehlt, zunächst mit geringer Belastung zu beginnen und dann langsam zu steigern. Dabei könnten auch Anleitungen von Sportpädagogen helfen, aber auch die Unterstützung durch Gleichgesinnte und sogar virtuelles Coaching.

Auf die wissenschaftliche Prosa, die von den Wanderfreunden sehr interessiert ­verfolgt wird, folgt die Poesie mit dem ­„Osterspaziergang“ von Goethe:

„Vom Eise befreit sind Strom und BächeDurch des Frühlings holden, belebenden Blick.“

Und dann trennt sich die Wandergruppe: Die kurze Strecke führt über sieben Kilometer durch das Lohlenbachtal, die anspruchsvollere Tour ist elf Kilometer lang und führt zum Silberberg und über die Heuwegsiedlung durch das Lohlenbachtal zurück zum Krankenhaus. „Die warme Luft, der SonnenstrahlErquickt mein Herz, erfüllt das Tal.“

Angefangen hat das „Herzwandern“ vor bald 20 Jahren mit zwei Männern im Bett: Der frühere LKZ-Chef und der damalige Albvereins-Vorstand lagen im gleichen Krankenhauszimmer und beschlossen, mal etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen: die „Herzenssache Wandern“ war geboren.

Vorbei am Reitstall Benzenbühl, wo ­rassige Turnierpferde die Sonne genießen, geht die Route zurück zum Krankenhaus, wo im Restaurant das Essen wartet: „Zufrieden jauchzet groß und klein:Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.“