Herzog-Christoph-Gymnasium in Beilstein Unverhofft früher Ferien: Schüler demonstrieren

Die Schüler fordern am Rathaus, die Mängel an ihrer Schule zu beheben. Foto: avanti/Ralf Poller

Wegen einer Störung der Feuermeldeanlage werden die Schüler des Beilsteiner Gymnasiums nach Hause geschickt – und wehren sich.

Ludwigsburg: Sandra Lesacher (sl)

„HCG: Heruntergekommen, chaotisch, geschlossen“ steht auf einem der Plakate, die die Schüler des Herzog-Christoph-Gymnasiums am Donnerstagvormittag am Rathaus hochhalten. „Wir haben ein Recht auf Bildung“ auf einem anderen und „Mängel beheben jetzt“ auf dem nächsten. Die Gymnasiasten haben sich spontan zu einer Demo versammelt, denn sie sind unverhofft früher als geplant in die Weihnachtsferien geschickt worden.

 

Was war geschehen? Am Mittwoch, dem vorletzten Schultag, gab es um 9.30 Uhr eine Brandschutzübung in dem Beilsteiner Gymnasium. Weil die Feuermelder nicht mehr ausgingen, wurde der Unterricht schließlich eine Stunde später beendet, berichtet eine Schülerin. Am Donnerstag sollte gar kein Unterricht stattfinden. „Aus Sicherheitsgründen ist der Schulbetrieb aufgrund von Störungen der Alarmanlage bis auf Weiteres eingestellt“, hieß es auf der Homepage. Freitag geht es mit einem beweglichen Ferientag in die Winterpause. „Wie es nach den Ferien aussieht, kann man noch nicht sagen“, hatte es am Mittwoch geheißen, so eine Schülerin.

Am Donnerstagmorgen dann die Entwarnung: „Ich bin sicher, dass wir am 8. Januar den Präsenzbetrieb in vollem Umfang und ohne weitere Probleme mit der Anlage wieder aufnehmen können“, so der Schulleiter Felix Stadtfeld auf Nachfrage. Der Schulträger, also die Stadt Beilstein, habe am Mittwoch rasch reagiert. Donnerstagmorgen habe die Bauamtsleitung die Mitteilung vom Elektrofachplaner erhalten, dass die Brandmeldeanlage wieder betriebsbereit ist. „Die die Anlage betreuende Firma ist beauftragt, die Störungen schnellstmöglich zu beheben. Dies wird Anfang Januar 2024 erledigt.“

Nach den Ferien geht der Unterricht weiter

Die Störung des Feueralarms und zwei ausgefallene Schultage sind allerdings nicht das Kernproblem, das die Beilsteiner Schüler anprangern. „Seit Jahren wird die Schule saniert“, so die HCG-Schülerin. „Das Dach ist allerdings undicht und das gesamte Gebäude eine einzige Katastrophe.“ Die Schülerschaft ist „ entsetzt über die prekären Verhältnisse der Schule und über die fehlende Unterstützung der Stadt Beilstein“. Deshalb auch die spontane Demonstration am Rathaus in Beilstein. „Wir wollen endlich angehört werden und für unsere Schule und für unser Abitur kämpfen.“

Nicht das erste Mal, dass die Jugendlichen Kritik äußerten: Die Schüler hatten bereits in der Bürgerfragestunde der Gemeinderatssitzung Ende November auf die Probleme aufmerksam gemacht. Seit Jahren leben beziehungsweise lernen sie auf einer Baustelle. Die Sanierung des Gymnasiums mit 1100 Schülern und 90 Lehrkräften zieht sich. Die jungen Leute sprachen von ausgefallene Heizungen im Winter und wegen defekten Rollläden überhitzte Klassenzimmer im Sommer, von rostigem, gelben Wasser in den sanitären Anlagen, von offen herabhängenden Kabeln, von Eimern, die Tropfwasser der Decken auffangen, von Pfützen auf dem Boden und mehr. Hinzu komme obendrein der Baulärm.

Bürgermeisterin meldet sich nicht

Die kaputte Alarmanlage am Mittwoch war dann so etwas wie der bekannte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die Schüler jubelten nicht über den verfrühten Ferienbeginn, sondern formierten sich zu einem Demonstrationszug. der von ihrem Gymnasium zum Rathaus zog. Davon hatte der Schulleiter Felix Stadtfeld durch eine Lehrkraft und die Elternbeiratsvorsitzende erfahren. Das Ganze sei in keiner Weise mit ihm abgesprochen „Ich distanziere mich von dieser Methode“, so Stadtfeld. Im neuen Jahr werde er ein Gespräch mit der Bürgermeisterin Barbara Schoenfeld und der SMV über die Situation an der Schule haben.

Die Bürgermeisterin selbst hat am Donnerstag auf die Anfrage dieser Zeitung zu der Schüler-Demo und der Schulsanierung nicht reagiert.

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