Herzog-Jäger-Pfad in Waldenbuch Unterwegs auf einem echten Geheimtipp für Wanderneulinge

Schöne Aus- und Ansicht: die Wandergruppe im Bilderrahmen Foto: Petra Mostbacher-Dix

Malerische Landschaft und viel Wissen: Experten des Schwäbischen Albvereins haben Leser unserer Zeitung über den Herzog-Jäger-Pfad geführt.

„Tolle Strecke!“ – Auf der Waldschaukel in den Knaupwiesen genießt Ute die Sicht auf Waldenbuch, lässt begeistert die bisherigen Eindrücke des Herzog-Jäger-Pfads Revue passieren.

 

Das pittoreske Schaichtal, Teil des Flora-und-Fauna-Habitats Schönbuch mit seinen seltenen Arten, mäandernden Bachläufen und üppiger Auenvegetation. Der 100 Meter ansteigende historische Hohlweg, über Jahrhunderte in das Gelände eingegraben. Der Steinbruch, mit dessen Stubensandstein das Ulmer Münster restauriert wird.

Ein fiktiver Herzog als Begleiter

Der Herzog-Jäger-Pfad ist ein 13,7 Kilometer langer Premiumwanderweg mit Auf- und Abstiegen von 230 Höhenmetern rund um den Bezenberg, einem ehemaligen Jagdgebiet der Herzöge von Württemberg. Insbesondere Herzog Friedrich I. war in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts oft dort. So kann man sich denn auch mit dem fiktiven Herzog Friedrich I. und seinem Hund Friedl zu den lokalen Besonderheiten auf den Rundweg machen, an Mitmach-Stationen Natur hören und fühlen, auf Informationstafeln Historie erfahren.

An diesem Samstag leiten durch den „Geheimtipp für Wanderneulinge“ zwei echte Expertinnen und ein Experte: Monique Vögele, Simone und Sebastian Hatz vom Schwäbischen Albverein sind Wanderführerinnen und Wanderführer mit Zertifikat des Deutschen Wanderverbands (DWV). Ihr Schwerpunkt: Ü30-Touren.

„Man kann ein Leben lang wandern, es ist nie zu spät zum Einsteigen“, betont die studierte Geografin Monique Vögele, die beruflich beim Kampfmittelbeseitigungsdienst Luftbilder auswertet. Simone Hatz, sonst Bankerin, nickt: „Sich in der Natur bewegen, hält fit, lässt Körper, Geist und Seele auftanken.“ Und ihr Mann, seines Zeichens Vertriebsleiter, resümiert: „Ein hervorragender Ausgleich für den Alltag.“

Fast der gesamte Pfad ist naturbelassen. Foto: Petra Mostbacher-Dix

Ute, die das erste Mal eine solche Tour macht, schwärmt vom „begleiteten Wandern“ und den Guides, die viel Wissen über Landschaft, Wegzeichen, Historie, Marschieren und was es dafür brauche, vermittelten. „Sie sind mehrfach zuvor den Weg abgegangen, alles ist klasse vorbereitet“, so die 59-Jährige. Ganz ihrer Meinung sind die anderen elf Teilnehmenden.

Die generationenübergreifende Gruppe im Alter von 40 bis fast 80 Lenze ist unter anderem aus Waldenbuch, Stuttgart, Gerlingen oder Kornwestheim in den Naturpark Schönbuch gekommen. Friedrich, der sich als „ältester Wanderneuling“ bezeichnet, gefällt, dass fast der gesamte Pfad naturbelassen ist und durch abwechslungsreiche Wald- und Kulturlandschaften führt.

Viel Natur und viel Abwechslung

Ein klasse Trio: die Wanderführer Monique Vögele, Sebastian und Simone Hatz Foto: Petra Mostbacher-Dix

So geht es etwa an Mammutbäumen von Württembergs König Wilhelm I. vorbei und den Braunäcker Streuobstwiesen. „Gut ausgesucht, machbar, genug Pausen, jeder kann in seinem Tempo gehen.“ Schon viel gewandert sind Stefan und Carmen. Während sie wieder „einsteigen“ will, wollte er mal in einer Gruppe unterwegs sein, „Gemeinschaft erleben“. Obschon er einiges an Erfahrung mitbringe, erfahre er viel Neues, sagt er.

Beispielsweise, das mit dem superleichten, kleinen Biwaksack von Sebastian Hatz. Dieser wird als Standardausrüstung empfohlen, um bei Notfällen eine verletzte oder erschöpfte Person vor Auskühlung zu schützen – neben Mobiltelefon, Erste-Hilfe-Paket mit Blasenpflaster, Stirnlampe, Vesper, Trinkflasche, Regen- und Sonnenschutz. Das „Wander-Know-how“ des Schwäbischen Albvereins rät, der Rucksack solle maximal ein Viertel des eigenen Körpergewichts wiegen und bei längeren Touren Wechselkleidung enthalten.

Wertvolle Tipps für die Ausrüstung

Letzte müsse atmungsaktiv sein, in Schichten übereinander getragen werden können, also unten Funktionsshirt, darüber je nach Wetter Fleecejacke, Softshelljacke, wasser- und winddichte Regen- beziehungsweise Winterjacke. An den Füßen? Socken aus Merinowolle oder einem Funktionsmaterial, das schnell trocknet, unter robusten Wanderschuhen, die gut sitzen und nicht rutschen. „Füße dürfen beim Bergabgehen nicht vorne anstoßen. In leichtem Gelände reichen halbhohe Trekking- oder Wanderschuhe, im Gebirge sollten es knöchelhohe Schuhe sein.“

Stöcke wiederum trügen dazu bei, Gelenke zu entlasten und Balance zu halten. „Ein Griff aus Kork hat Vorteile, er saugt die Feuchtigkeit auf“, so Sebastian Hatz bei einem Kurzstopp nach einem Anstieg.

Das Fazit nach sechseinhalb Stunden ist eindeutig

Während einer längeren Trink- und Vesperpause gibt Monique Vögele eine Übersicht über Tourenplaner wie Komoot, Outdooractive und die Karten des Landesamts für Geoinformation und Landesentwicklung (LGL). „Jede App hat andere Vorteile. Aber wenn Mobiltelefon oder Netz ausfallen? Stets Wanderkarte einpacken!“ Die Hatzens gehen nie ohne Kompass raus.

Nach sechseinhalb Stunden wieder am Parkplatz sind sich alle einig: Das war super.

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