Herzog und de Meuron zum 70. Architekten wollen Zeitgeist erschaffen

Von dpa/red 

Seit der Kindheit befreundet und im Gleichschritt zu Weltruhm: Die renommierten Basler Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron werden beide 70 Jahre alt. Ihre markanten Designs bestimmen auch vielerorts in Deutschland die Skyline.

Jacques Herzog (re.) und Pierre de Meuron bei einer Pressekonferenz zur Eröffnung der Elbphilharmonie 2016 Foto: dpa/Christian Charisius 9 Bilder
Jacques Herzog (re.) und Pierre de Meuron bei einer Pressekonferenz zur Eröffnung der Elbphilharmonie 2016 Foto: dpa/Christian Charisius

Basel - Was wäre die Welt ohne so ikonische Bauten wie die Elbphilharmonie in Hamburg oder den Anbau des Tate-Modern-Museums in London? Das Vogelnest-Olympiastadion in Peking oder die Allianz-Arena in München? Diese Projekte stammen von den Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron. Die Freunde aus Kindertagen feiern im Abstand von drei Wochen jetzt ihren 70. Geburtstag, zuerst Herzog am 19. April, dann de Meuron am 8. Mai. Fürs Innehalten haben sie aber wenig Zeit. Die beiden seien mit 50 Projekten im In- und Ausland voll ausgelastet, sagt eine Mitarbeiterin.

Unter diesen Projekten sind mehrere in Deutschland. Als eines der Highlights des Jahres stellt das Büro Herzog & de Meuron in Basel das Projekt Museum Küppersmühle in Duisburg dar. Die Schweizer haben einen ehemaligen Speicher in einen modernen Kulturbau für eine der bedeutendsten Sammlungen deutscher Kunst nach 1945, die Sammlung Ströher, umgestaltet. Werke von Anselm Kiefer bis Gerhard Richter sollten dort ab Herbst zu sehen sein - ob die Coronakrise diesen Zeitplan durcheinanderwirbelt, war zunächst unklar.

Dass das Duo zur Elite der Branche gehört, bezweifelt kaum jemand. Die Online-Zeitschrift für Design „G-Pulse“ verblüfften die beiden „mit gewagten Geniestreichen zeitgenössischer Baukunst“, wie es in einem Artikel 2016 hieß. Auch Herzog selbst sieht das so: „Wir surfen nicht auf dem Zeitgeist, sondern erschaffen Zeitgeist“, zitierte die Schweizer Handelszeitung ihn 2003. „Bei unserem Bemühen, uns stetig zu verbessern, messen wir uns ausschließlich an uns selbst.“

Der Kommunikator und der Verhandler

Die beiden holen bei ihren Projekten stets gemeinsam zu architektonischen Geniestreichen aus und gewinnen damit reihenweise Wettbewerbe. Intern gilt Herzog in dem Duo als großer Kommunikator, während de Meuron Budgetmacher und Verhandler mit Investoren ist. Die beiden sind einander seit der Grundschulzeit kaum von der Seite gewichen: Sie haben gemeinsam in Zürich Architektur studiert, gemeinsame Gastprofessuren an der US-Elite-Uni Harvard und in Zürich absolviert und gemeinsam eine Weltkarriere hingelegt. 2001 wurde die mit der höchsten Auszeichnung der Architektur, dem Pritzker-Preis, gekrönt.

Auch in Berlin sind die Architekten aktiv: Zwischen den Ikonen der Architekturgeschichte, der Neuen Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe und der von Hans Scharoun gestalteten Philharmonie, bauen die beiden das Museum des 20. Jahrhunderts. Es soll 2026 eröffnet werden. Die umliegenden Gebäude würden zu einem Kulturforum verbunden und vernetzt, sagte Herzog bei der Vorstellung der endgültigen Pläne im September 2019 in Berlin. „Das Museum wird Teil des Lebens auf dem Platz, dem Herzstück des Kulturforums.“ Nicht überall stieß das geplante niedrige Haus mit Backsteinwänden und Satteldach aber auf Begeisterung. Für den deutschen Architekten Stephan Braunfels sieht es eher aus „wie der größte Aldi von Berlin“.

In Graubünden soll die erste Autobahnkapelle entstehen

In der Schweiz wollen die beiden die erste Autobahnkapelle bauen, die in Graubünden entstehen soll. Ein Novum für das Starteam, wie Herzog im Februar 2020 bei der Vorstellung sagte. Wie ein Kartenhaus sehen die schräg gestellten Wände ohne Dach von Weitem aus. Darunter sind Gewölbe für stille Andacht. „Wir wussten, wir können nicht auf die vertrauten Formen bauen, weil die verbraucht sind“, sagte Herzog. „Die galten für die alte Kirche. Wer einen Raum für heute macht, muss von anderen Überlegungen ausgehen.“

Die beiden Architekten sind zwar mit Projekten mehr als eingedeckt, arbeiten aber schon länger daran, ihr Unternehmen in jüngere Hände zu übergeben. „Pierre de Meuron und ich werden auch nicht jünger“, sagte Herzog der Zeitung „Neue Zürcher Zeitung“ schon 2013. „Architekten können zwar auch mit 80 oder 90 Jahren noch aktiv sein, wenn es die Gesundheit erlaubt, aber dennoch strukturieren wir unser Büro ständig um, und die talentiertesten jungen Leute bei uns wurden oder werden zu Partnern mit Anteilen an der Firma.“




Unsere Empfehlung für Sie