Das Herzzentrum des Klinikums Stuttgart bietet für Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz ein Programm mit modernsten künstlichen Herzpumpen an. Diese Therapieform bietet Schwerkranken neue Lebensqualität.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland nach wie vor die häufigste Todesursache. Schätzungen zufolge leiden mehrere hunderttausend Menschen an einer fortgeschrittenen Herzinsuffizienz, bei der das Herz nicht mehr in der Lage ist, den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen. Für viele dieser Patientinnen und Patienten stoßen medikamentöse Therapien und klassische operative Verfahren an ihre Grenzen – und auch die Zahl verfügbarer Spenderherzen bleibt deutlich zu gering.
Das Herzzentrum des Klinikum Stuttgart bietet diesen schwerkranken Menschen nun eine weitere hochmoderne Therapieoption: Im Rahmen eines neuen LVAD-Programms (Left Ventricular Assist Device) erhalten ausgewählte Patientinnen und Patienten eine künstliche Herzpumpe, die entweder die Zeit bis zu einer Herztransplantation überbrücken oder dauerhaft die Herzfunktion unterstützen kann.
Moderne Herzunterstützung: Was ist ein LVAD?
Ein LVAD (Left Ventricular Assist Device) ist ein mechanisches Unterstützungssystem, das bei Patientinnen und Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz eingesetzt wird. Wenn das Herz – etwa infolge von Durchblutungsstörungen oder Herzklappenerkrankungen – nicht mehr ausreichend Blut in den Körper pumpen kann, übernimmt das LVAD diese Aufgabe teilweise. Das System besteht aus mehreren Komponenten:
- Pumpe: Eine kleine, magnetisch gelagerte Pumpe wird an der Spitze der linken Herzkammer implantiert und befördert das Blut kontinuierlich in die Hauptschlagader. Durch diese Technologie entsteht kein klassischer Puls.
- Verbindung: Ein Schlauchsystem verbindet die Pumpe mit der Aorta und gewährleistet den Bluttransport in den Körperkreislauf.
- Stromversorgung: Die Energieversorgung erfolgt über externe Batterien oder ein Netzteil, die von den Patientinnen und Patienten mitgeführt werden.
Individuelle Therapie mit klarem Nutzen für die Patienten
LVAD-Systeme kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn andere Therapieoptionen ausgeschöpft sind. Sie bieten zwei wesentliche Perspektiven: Zum einen können sie als sogenannte „Bridge-to-Transplant“ die Zeit bis zur Verfügbarkeit eines Spenderorgans überbrücken und so das Überleben auf der Warteliste sichern. Zum anderen ermöglichen sie als dauerhafte Therapie („Destination Therapy“) insbesondere älteren Patientinnen und Patienten oder solchen mit Kontraindikationen für eine Transplantation eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität.
„Ein Teil unserer Patientinnen und Patienten kann sich unter der Unterstützung durch ein LVAD sogar so weit stabilisieren, dass sich die Herzfunktion wieder verbessert. In vielen Fällen gelingt es uns zudem, die Wartezeit bis zu einer Herztransplantation sicher zu überbrücken“, sagt Prof. Joerg Seeburger, Ärztlicher Direktor des Herzzentrums im Klinikum Stuttgart. Viele Betroffene gewinnen durch das System ein Stück Alltag zurück: Aktivitäten, die zuvor durch Atemnot, Erschöpfung oder Schwäche unmöglich waren, werden wieder realisierbar.
Interdisziplinäre Spitzenmedizin im Heart Team
Ein zentraler Erfolgsfaktor des neuen LVAD-Programms am Klinikum Stuttgart ist die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit. Im sogenannten Heart Team arbeiten Herzchirurgie, Kardiologie, Intensivmedizin und Kardioanästhesie Hand in Hand, um für jede Patientin und jeden Patienten die bestmögliche individuelle Therapie zu entwickeln. Das LVAD Programm ergänzt das bereits über die vergangenen Jahre durch die Intensivmedizin im Klinikum Stuttgart aufgebaute ECMO-Zentrum (ECMO= Extrakorporale Membranoxygenierung) zum zeitweisen Ersatz der Herz- und Lungenfunktion. Ergänzt wird dieses Team durch spezialisierte Pflegekräfte, LVAD-Koordinatorinnen und -Koordinatoren, Physiotherapeutinnen und -therapeuten sowie den Sozialdienst. Diese umfassende Betreuung gewährleistet nicht nur eine erfolgreiche Implantation, sondern auch eine sichere Nachsorge und langfristige Begleitung im Alltag.
Sicherheit durch Erfahrung und engmaschige Betreuung
Wie bei allen komplexen Therapien bestehen auch bei LVAD-Systemen Risiken, insbesondere Infektionen an der Austrittsstelle der Stromversorgung oder die Bildung von Blutgerinnseln. Durch moderne Gerätegenerationen, standardisierte Behandlungsabläufe und eine engmaschige Nachsorge können diese Risiken jedoch deutlich reduziert werden. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Technologie sowie die wachsende Erfahrung spezialisierter Zentren haben in den vergangenen Jahren zu einer erheblichen Verbesserung der Behandlungsergebnisse geführt. „Entscheidend für den Erfolg ist ein erfahrenes und engagiertes Team, das die Patientinnen und Patienten umfassend betreut – von der Auswahl über die Operation bis hin zur langfristigen Nachsorge“, betont Prof. Seeburger.
Klinikum Stuttgart
Das Klinikum Stuttgart umfasst das Katharinenhospital, das Krankenhaus Bad Cannstatt und Deutschlands größte Kinderklinik, das Olgahospital. Als größtes Krankenhaus der Maximalversorgung in Baden-Württemberg versorgen rund 9500 Mitarbeitende jährlich etwa 90.000 stationäre und mehr als 600.000 ambulante Patientinnen und Patienten, darunter rund 100.000 Notfälle. Über 60.000 Operationen werden pro Jahr durchgeführt.
Weitere Informationen rund ums Herzzentrum finden Interessierte auf der Webseite des Klinikum Stuttgart.


