Hessigheim Trollinger raus, Tempranillo rein

Bodenprobe am Wengert: Karsten Faschian (links) und Herbert Müller Foto: factum/Bach
Bodenprobe am Wengert: Karsten Faschian (links) und Herbert Müller Foto: factum/Bach

Neun Weinliebhaber wollen internationale Rebsorten in den Neckar-Steillagen anbauen. Dazu haben sie ein Weinkonsortium gegründet.

Ludwigsburg: Philipp Obergassner (pho)
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Hessigheim - Wenn Herbert Müller auf seinen Wengert blickt, sieht er nur eine kahle Terrasse. Noch. Denn im April soll auf diesem 15 Ar großen Streifen auf dem Mundelsheimer Käsberg Wein angepflanzt werden. Kein Trollinger, wie fast überall drumherum, sondern Syrah, eine hochwertige Rotweinsorte aus dem Rhônetal in Frankreich. Müller ist optimistisch: „Wenn Syrah dort wächst, warum dann nicht auch hier?“

Die Idee ist neu und durchaus ambitioniert. Zusammen mit acht Freunden, darunter Ärzte, Juristen und Banker, hat Müller im Mai 2014 ein Weinkonsortium gegründet und im Sommer sechs Flächen am Mundelsheimer Käsberg und am Hessigheimer Wurmberg gekauft. Das „Consortium Montis Casei“, Konsortium Käsberg, hat sich zum Ziel gesetzt, internationale Rebsorten in den Steillagen des Neckars anzubauen, um Spitzentropfen zu erzeugen. Beispielsweise Merlot aus Frankreich oder Tempranillo aus Spanien. Damit wären sie die ersten im Neckartal. „Wir wollen ein Beispiel für andere Winzer bieten“, sagt Herbert Müller. Nachdem diese das Projekt anfangs eher skeptisch beäugt hätten, würden sie es mittlerweile mit großem Interesse verfolgen.

Trollinger sei langfristig nicht profitabel

Denn bei dem Vorhaben geht es nicht nur um die Vorlieben einiger Weinkenner. Für Müller leistet das Konsortium auch Pionierarbeit beim Erhalt der Steillagen. Deren Bewirtschaftung ist mühsam, ebenso der Erhalt der Trockenmauern. Der Ertrag pro Arbeitsstunde fällt geringer aus als in normalen Weinbergen. Der Anbau von Trollinger sei auf lange Sicht in den Steillagen nicht profitabel, ist Müller überzeugt. Die Winzer müssten andere Wege finden, um Gewinn zu machen.

Bevor Müller und seine Freunde die insgesamt 70 Ar kauften, ließen sie sich intensiv beraten. Beispielsweise von der Felsengartenkellerei und der württembergischen Hofkammer. Auch bei der staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg habe man Empfehlungen eingeholt, welche internationalen Rebsorten hier wachsen könnten. Für die Bewirtschaftung der Weinberge holte das Konsortium Karsten Faschian mit ins Boot. Der Winzer hat ein Weingut in Hessigheim und knapp acht Hektar Rebfläche. Er hat die Erfahrung gemacht, dass es heimischen Sorten wie Trollinger, aber auch Riesling oder Spätburgunder in den Muschelkalksteillagen zu heiß wird.

Weihnachten 2018 gibt es die ersten Flaschen

Solange Müller und seine Freunde noch keinen Wein von eigenen Lagen verkaufen können, wollen sie Winzern aus der Region Wein abnehmen, der nach ihren Bedingungen produziert wurde: handverlesen, mit Maischegärung und in Barriquefässer abgefüllt. So gibt es bereits einen Zweigelt aus der Lese 2013 mit Konsortiums-Etikett. Im November sollen noch beispielsweise Merlot, Syrah und Spätburgunder folgen.

Den ersten Schritt zum eigenen Wein hat das Konsortium bereits getan: Die sechs Weinberge, alles ehemalige Trollingerlagen, sind gerodet. Im April sollen die neuen Reben gepflanzt werden. Ob Müller und seine Freunde mit ihrer Idee den richtigen Riecher hatten, werden sie erst zu Weihnachten 2018 erfahren. Dann sollen die ersten Flaschen verkauft werden. Müller hofft auf einen Ertrag von 3000 Litern. Er gibt sich optimistisch, dass die fremden Reben hier gedeihen werden: „Der Trollinger kam ursprünglich aus Tirol. Auch er hat also einen Migrationshintergrund.“




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