Hewlett-Packard Léo Apotheker baut HP radikal um

Leo Apotheker, Chef von Hewlett-Packard, will die Firma komplett umstrukturieren. Foto: dpa 3 Bilder
Leo Apotheker, Chef von Hewlett-Packard, will die Firma komplett umstrukturieren. Foto: dpa

Léo Apotheker krempelt Hewlett-Packard (HP) um. HP könnte sich von seinem PC-Geschäft trennen. Auch die Tablet-PC-Sparte ist betroffen.

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Stuttgart - Der deutsche Chef Léo Apotheker krempelt den US-Traditionskonzern Hewlett-Packard (HP) radikal um. Der weltgrößte Computerhersteller könnte sich von seinem PC-Geschäft trennen und will stattdessen Milliarden in den Kauf eines britischen Softwarespezialisten stecken. Zugleich gibt sich HP im Wettbewerb bei Smartphones und Tablet-Computern geschlagen. Das Geschäft mit Geräten mit dem eigenen mobilen Betriebsystem WebOS wird gestoppt, teilte das Unternehmen mit. Der Konzern prüfe alle Optionen für das PC-Geschäft inklusive einer völligen oder teilweisen Abspaltung, hieß es. Es geht dabei um den größten Geschäftsbereich. Im vergangenen Quartal brachte die Sparte mit 9,6 Milliarden Dollar fast ein Drittel der Konzernumsätze.

Außerdem bestätigte der US-Konzern Pläne für den Kauf der britischen Softwarefirma Autonomy. Sie spezialisiert sich auf Programme, mit denen große Unternehmen ihre Datenbestände besser im Griff behalten können. HP will 25,50 Pfund pro Aktie in bar zahlen, gestern lag der Kurs bei 14,25 Pfund. Mit dem kräftigen Aufpreis dürfte Autonomy Hewlett-Packard rund 6,2 Milliarden Pfund kosten - oder gut zehn Milliarden Dollar, wie zuvor unter anderem die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet hatte.

Lukratives Geschäft mit Software und Dienstleistungen

Der Wandel passt in die Strategie, die der frühere SAP-Chef Apotheker in den vergangenen Monaten ausgegeben hatte: Fokus auf das lukrative Geschäft mit Software und Dienstleistungen, effizienteres Wirtschaften, mehr Wert für Aktionäre. Denn die Anleger waren zuletzt unzufrieden mit dem sinkenden Aktienkurs und schwachen Erträgen. Mehrfach musste der Konzern die Prognosen für das Geschäftsjahr zurückschrauben. Mitte Mai hatte Apotheker vor einem "weiteren schwierigen Quartal" gewarnt und gemahnt, Ausgaben auf ein Minimum zu beschränken. Jetzt wurden die Prognosen erneut gekappt.

Abgesehen davon, dass die PC-Produktion an sich eine schlechtere Rendite abwirft als Software oder Dienstleistungen, hat HP zudem Probleme im Geschäft mit Privatkunden. Vor allem Apple macht dem weltgrößten PC-Bauer zu schaffen: Der Tablet-Computer iPad lockt Kunden von Notebooks weg. Das HP-Tablet Touch-Pad konnte sich nicht als Rivale etablieren - und wird jetzt nach weniger als zwei Monaten auf dem Markt auch keine weitere Chance mehr bekommen. Die WebOS-Geräte hätten interne Vorgaben und finanzielle Ziele verfehlt, erklärte HP. Der Konzern hatte große Pläne bei mobilen Geräten und kaufte dafür im vergangenen Jahr den Smartphone-Pionier Palm mitsamt WebOS für mehr als eine Milliarde Dollar. Zudem wurde viel Geld in die Entwicklung neuer Geräte gesteckt.

Notbremse

Dass HP jetzt die Notbremse zieht, liege daran, dass das Geschäft weitere Milliardeninvestitionen erfordert hätte, ohne Garantie, das Geld jemals wiederzusehen, erklärte Finanzchefin Cathy Lesjak. Hewlett-Packard prüft aber noch, ob sich die Software lizenzieren oder verkaufen lässt. "Wir sind im Geschäft mit Unternehmenskunden sehr erfolgreich. Aber das hat völlig andere, viel längere Zyklen als zum Beispiel das Geschäft mit Smartphones, das von Konsumtrends auf dem Privatkundenmarkt getrieben wird", erklärt HP-Deutschland-Chef Volker Smid.

Die Zahlen für das Ende Juli abgeschlossene dritte Geschäftsquartal untermauern die Probleme, die HP zu dem großen Umbau drängten. Der Umsatz legte lediglich um ein Prozent auf 31,2 Milliarden Dollar zu. Der Gewinn verbesserte sich um neun Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar. Allerdings war die Schwäche des PC-Bereichs unübersehbar. Der Umsatz sank im Jahresvergleich um drei Prozent - weil die Erlöse im Geschäft mit Privatkunden um 17 Prozent absackten. "Der Tablet-Effekt ist real", betonte Apotheker. In der Softwaresparte stiegen die Erlöse um ein Fünftel bei drastisch höheren Renditen.

Für die deutschen Standorte wird die strategische Neuausrichtung des Konzerns laut Smid kaum Auswirkungen haben. HP betreibt in allen Regionen der Bundesrepublik Service- und Vertriebseinrichtungen. Die Produktion von Hardware wurde über die vergangenen 15 Jahre bereits an Zulieferer ausgelagert. Derzeit arbeiten in Deutschland rund 10000 Mitarbeiter für HP, etwa 4000 davon in der deutschen Hauptniederlassung in Böblingen.

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