In Neuhausen auf den Fildern hat am Donnerstagabend der traditionelle Hexentanz stattgefunden. Das Spektakel samt Feuerwerk in Bildern.

Esslingen: Sebastian Xanke (xan)

Nieselregen. Draußen ist es dunkel und kühl. Doch auf dem Neuhausener Schlossplatz haben sich Hunderte Menschen versammelt. In ihrer Mitte lodert an diesem Donnerstagabend ein Feuer. Hexen springen darüber. In der Luft liegen jaulende Rufe und Heavy-Metal-Klänge. Es ist Zeit für den Hexentanz des Narrenbunds Neuhausen.

 

Das Feuer knistert, die verkleideten Narren tanzen um das verkokelte Holz, schlagen darauf ein, fachen es mit alten Weihnachtsbäumen an. Die Menge jubelt, Feuerwerk explodiert am Himmel. Es ist eine besondere Tradition, die der Narrenbund in diesem Jahr zum 51. Mal feiert. Eine Tradition, die selbst Fasnetmuffel Anerkennung abverlangt – so beeindruckend ist die rund einstündige Inszenierung. Es geht nicht nur um Party, es geht um das Leben von Brauchtum, jung und alt gemeinsam, wie der Präsident des Narrenbunds Neuhausen, Ronald Witt, bereits in der Vergangenheit immer wieder betont hat. Hier sehen Sie das Spektakel im Video – klicken Sie sich gerne ebenfalls durch unsere Bildergalerie:

Auch an diesem Abend setzt Witt in seinen Reden Ausrufezeichen und bezieht neben Flammen und Feuerwerk klar Stellung: „Wir sind in einer verrückten Welt. Aber wir zeigen, dass wir friedlich, bunt und tolerant Fasnet feiern.“ Alle sind willkommen. Nicht das Trennende, sondern das Vereinende steht im Vordergrund. Es geht um einen glücklichen Start in die Fasnet.

Wo ist Neuhausens Rathausschlüssel hin?

Auch der Rathaussturm, der an diesem Abend über die Bühne geht, ist gesellschaftspolitisch auf aktuellem Stand. Mit einer langen Leiter steigen verkleidete Hexen und Rotenhähne über ein Fenster ins Rathaus ein. Bürgermeister Ingo Hacker soll den Rathausschlüssel übergeben, reicht dem Präsidenten des Narrenbunds aber lediglich einen Pfandbrief. Wegen der klammen Haushaltskassen sei der Schlüssel leider schon veräußert worden, so Hacker selbstironisch. Aber: „Vor lauter sparen müssen wir erst recht die Tradition bewahren“, sagt der Bürgermeister.

Bürgermeister Ingo Hacker und Ronald Witt, Präsident des Narrenbunds Neuhausen, beim Rathaussturm. Foto: Roberto Bulgrin

Witt stimmt zu, will den Schlüssel zu einer späteren Zeit einfordern und reimt: „Wir sorgen dafür, dass die Hoffnung hier nicht zerbricht, wir sind am Ende des Tunnels das Licht.“ Für den ein oder anderen mag es kitschig klingen, doch wer die versöhnenden Worte, den Spaß der Hästräger und der Zuschauer miterlebt hat, spürt: Wärme geht an diesem kühl-nassen Donnerstagabend nicht nur vom lodernden Feuer auf Neuhausens Schlossplatz aus, sondern auch von den friedlich feiernden Menschen.