Zum 50. Mal fand der Hexentanz in Neuhausen statt. 10 000 Zuschauerinnen und Zuschauer kamen auf den Schlossplatz. Und dann wurde das Rathaus gestürmt.

Für Hexen ist 50 ja gar kein Alter. Da kommt man gerade mal in die Vorpubertät. Und genau so war es beim nunmehr 50 Jahre alten Neuhausener Jubiläumshexentanz: nix mit gesetztem Alter. Da legte nicht nur der Hexennachwuchs eine kesse Sohle aufs Schlossplatzpflaster, sondern die ganze Truppe der jung Gebliebenen. Da mag Narrenbund-Präsident Roland Witt zum Hexentanz samt Rathaussturm reimen: „Das Rathaus stürmen wir seit 50 Jahren, denn Traditionen gilt es zu bewahren.“ Na klar, aber diese Tradition hier schimmelt wahrlich nicht vor lauter Bewahren vor sich hin. Die ist quicklebendig wie am ersten Tag. Miterleben wollten das am „schmotzige Dorstig“ 10 000 Besucherinnen und Besucher – mehr als in den Jahren zuvor. Die Stimmung: laut, fröhlich, friedlich. Abgesehen von einem wohl unter Drogen stehenden 20-Jährigen, der um 21.30 Uhr die Polizei angriff, und einem Gerangel mit einem Gast im Saalbau gegen 1.15 Uhr. Verletzt wurde niemand.

 

Was für ein klasse Fasnetsbiotop Neuhausen ist, zeigte schon der von Narrenbund-Zunftmeisterin Janina Deeg moderierte Einzug der Hästräger. Beachtliche Artenvielfalt tat sich da auf: von den Rotenhäne mit ihrem feuerroten Kamm bis zu den Wildsäu, seit der Gründung 1984 auch die „echte“ Schwarzwild-Population im Sauhag zunimmt; vom Schellen-Peter bis zum Clown mit den spitzen Hut und der Schlamp mit dem Lappen vorm Gesicht. Von den Hexen selbst mal ganz abgesehen.

Donnerknall und Horrorschall

Zu Lightshow, Rock und Besen durfte die glorreiche 50-jährige Hexentanz-Historie Revue passieren, natürlich mit Donnerknall und Horrorschall und großem tänzerischen Einsatz aller Aktiven. Und dann nahm das Fasnetsdrama seinen Lauf mit dem Rathaussturm. Attacke der Hexen und Rotenhäne, die Leiter wurde aufgerichtet, an die Rathauswand gelehnt – und Bürgermeister Ingo Hacker hatte schon die Schlüssel parat. Ganz wortlos wollte er freilich nicht abdanken. Was Obernarr Ronald Witt keck kommentierte: „Lieber Schultes, lass mich raten, große Worte, kleine Taten.“ Das konnte der Schultes natürlich nicht auf sich sitzen lassen: „Von wegen kleine Taten, große Worte, noch habe ich das Sagen in diesem Orte.“ Aber aus Respekt vor der Tradition beugte er sich und kündigte ein „Jubliäumshäs“ an: „Quasi als närrischer Mutant trage heute ich dieses Gewand.“ Damit waren der Worte genug gewechselt, es folgten tatsächlich Taten: die närrische Machtübernahmen im närrischen Neuhausen.

Sprung über die Glut

Zum Höhepunkt des Hexentanzes aber loderten die Flammen schön senkrecht in die Höhe, angefacht von den Feuerteufeln. Jetzt ging’s noch einmal rund auf dem Platz. Die Hexen tanzten, die Besen fuchtelten, das Feuer stieg und lockte manche Besenreiterin zum Sprung über die Glut. Darauf ein zweifach donnerndes Bauze! Bauze!