Hey, ich muss absagen Verlässlichkeit zählt: So reagiert die Gen Z, wenn Freunde absagen

Das sagt die Gen Z zum Absagen. Foto: IMAGO / Pond5 Images / Lena Fux

Ein geplantes Treffen abzusagen, das passiert. Wie kurzfristig und aus welchen Gründen ist das in Ordnung? Dazu haben wir Stuttgarterinnen und Stuttgarter befragt.

Volontäre: Lena Fux (fux)

Erwischt werden war noch nie so einfach wie in Zeiten von Insta-, WhatsApp- und Snapchat-Stories. Kurz im Café im Stuttgarter Westen verabredet – zack, schon landet ein Bild vom Flat White und Zitronenkuchen mit Frosting in der Story. Sollen schließlich alle sehen, was es Tolles in Stuttgart zum Schnabulieren gibt. Oder man feiert auf einer WG-Party, macht ein Gruppenfoto – und postet es. Blöd nur, wenn man eigentlich jemandem abgesagt hat.

 

So ist es Mika ergangen. „Wenn jemand sagt: Hey, ich kann doch nicht – und dann sehe ich eine halbe Stunde später eine Story, in der die Person mit jemand anderem unterwegs ist, dann fühle ich mich schon ein bisschen verarscht“, erzählt die 22-Jährige. Bei ihr ist unter anderem wegen Unzuverlässigkeit auch schon eine Freundschaft kaputtgegangen.

Solche Erfahrungen kratzen am Vertrauen in eine Freundschaft. Und das, obwohl Studien zeigen, dass das Gefühl von (emotionaler) Einsamkeit in der Gen Z weit verbreitet ist. Wie können Freundschaften trotzdem stabil und vertrauensvoll bleiben, auch wenn man mal absagen muss?

„Bessere Pläne“ zählen nicht

Mika steht mit ihren Freundinnen Nelli und Karina in der Stuttgarter Innenstadt vor einem veganen Imbiss. Alle drei sind sich einig: „Bessere Pläne“ sind keine gute Ausrede fürs Absagen. Wie kurzfristig man absagen darf, hängt für sie vor allem von der Anfahrt mit dem ÖPNV ab. Mit einem guten Grund und einer kurzen Distanz ist eine Absage bis eine Stunde vor dem Treffen in Ordnung – sonst am Morgen, damit umgeplant werden kann.

Nelli, Karina und Mika sind in der Stuttgarter Innenstadt unterwegs. Foto: Lena Fux

Die meisten Befragten in Stuttgart sehen das ähnlich: Zwischen ein und drei Stunden Vorlaufzeit gelten als fair. Je nach Situation.

Ehrlichkeit statt Ausreden

Bei guten Gründen fürs Absagen zeigen alle befragten Stuttgarterinnen und Stuttgarter Verständnis. Emotionale Belastung oder familiäre Probleme? Absolut nachvollziehbar. Spontane Lustlosigkeit dagegen weniger. „Ich bin müde“ oder „Kein Bock“ zählen nicht als Argument und zeigen wenig Respekt der anderen Person gegenüber. Das finden Mariam, Ellen und Sabrina, die gerade vor der Uni Stuttgart Pause machen.

Mariam, Ellen und Sabrina machen Pause vor der Uni Stuttgart. Foto: Lena Fux

Freundschaften sollten ein Safe Space sein. Mit Platz für ehrliche und offene Kommunikation. Wer absagen muss, sollte das klar und respektvoll tun. Für Fabian ist dabei sogar Lügen teilweise in Ordnung: „Wenn man mich anlügt, ist das irgendwie auch okay. Dann wird’s schon einen Grund geben. Komisch fände ich es nur, wenn ich mit der Person eigentlich gut befreundet bin. Aber nachtragend bin ich nicht.“ Er selbst habe wegen einer Angststörung auch schon oft Gründe vorgeschoben. „Man sollte Empathie haben und sich immer in die Person reinversetzen. Und, auch wenn man es nicht versteht, akzeptieren“, sagt der 24-Jährige.

Für Fabian ist absagen bis zu einer Stunde vor dem Treffen in Ordnung. Foto: Lena Fux

Für alle Befragten gilt: Mental Health und familiäre Themen sind immer legitime Gründe.

Freundschaft ist Commitment

Verlässlichkeit ist keine Kleinigkeit, sondern ein Ausdruck von Wertschätzung. Freundschaften sind ein Commitment und bedeuten (emotionale) Arbeit. Im besten Fall fühlt sich diese Arbeit nur nicht so an.

Wer ständig absagt, wird von den Befragten als weniger zuverlässig eingeschätzt. Wer oft und viel zu spät kommt, wird als weniger respektvoll angesehen. Sollte das wiederholt stattfinden, sollte darüber geredet werden. So hat es Miriam gemacht: „Eine Freundin von mir kam immer circa eine Stunde zu spät. Dann haben wir darüber geredet und es hat wieder funktioniert.“ Sonst kann es passieren, dass man sich voneinander entfernt, erklären die drei Studentinnen.

Freundschaft heißt auch, Verantwortung für sich und die andere Person zu übernehmen. Abzusagen, wenn es einem mental nicht gut geht und damit Grenzen zu setzen, ist wichtig. Wer aber Treffen nach Lust und Laune absagt, läuft Gefahr, andere auszugrenzen.

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