Perfektion auf Mikroniveau: Im Reinraum entwickelt Faulhaber zukunftsweisende Technologien für verschiedenste Branchen. Foto: Stefanie Schlecht
Das Unternehmen Faulhaber in Schönaich baut Motoren für Hightech-Anwendungen weltweit. Doch beim Ministerinnenbesuch mahnen die Geschäftsführer: Es fehle an politischer Geschwindigkeit.
Ob Handelshürden, steigende Rohstoffpreise oder Regelwust – der Druck auf mittelständische Betriebe wächst von allen Seiten. Auch die Firma Faulhaber in Schönaich bekommt das zu spüren.
Beim Besuch von Landesumweltministerin Thekla Walker (Grüne) machte das Unternehmen jüngst deutlich, wie sehr es unter den aktuellen Herausforderungen zu leiden hat. „Die Welt teilt sich momentan auf in Amerika, China und EU – das hat einen starken Einfluss auf unser Geschäftsmodell“, sagte Markus Dietz, einer der vier Geschäftsführer von Faulhaber, einem führender Anbieter im Bereich der hochpräzisen Miniatur- und Mikroantriebssysteme.
Wie viele andere Unternehmen benötigt auch Faulhaber Seltenerdmagneten für die Produktion ihrer Hochtechnologiegütern – jene kritische Ressource, die China jüngst mit Exportrestriktionen belegt hat. „Zurzeit dauert es rund 60 Tage, um die Magnete zu bekommen“, so Dietz. „In Berlin wird das Thema kritische Ressourcen nicht genügend priorisiert.“ Die Ministerin und Landtagsabgeordnete Thekla Walker, unterwegs auf Wahlkreis-Tour, hört aufmerksam zu und macht sich eifrig Notizen – das Anliegen, so verspricht sie, werde sie „mitnehmen“.
Faulhaber in Schönaich ist ein klassischer „hidden champion“ – außerhalb der Fachwelt wenig bekannt, aber technologisch führend im Bereich hochpräziser Mikromotoren, etwa für die Medizintechnik oder Raumfahrt. „Wir machen viel mehr als nur Motoren zu verkaufen“, betonte Dietz bei Walkers Besuch. Das Herz der mehr als 1800 Mitarbeiter starken Unternehmensgruppe befindet sich in Schönaich, aber es gibt 14 Standorte weltweit.
Bei der Werksführung zeigt sich in der Produktion dann schnell, wie viele Wege die kleinen Antriebe nehmen. Unter Reinraumbedingungen fertigt Faulhaber hier unter anderem moderne Medizintechnik – darunter auch eine Miniaturblutpumpe. Je nach Modell kann diese Pumpe bis zu fünf oder sogar zehn Tage im Körper bleiben und unterstützt das Herz etwa nach einem Infarkt während seiner Erholung. Die Pumpe funktioniert ähnlich wie das natürliche Herz-Kreislauf-System: Sie pumpt sauerstoffreiches Blut aus der linken Herzkammer über die Aorta ins Herz und den Körper.
Die Miniaturblutpumpe misst nicht mehr als ein paar Milimeter. Sie enthält High-Tech-Kupferdraht. Foto: Stefanie Schlecht
„Diese Pumpen können bis zu acht Liter Blut pro Minute fördern“, erklärte Jan Patrick Schindler, Leiter der globalen Produktion, beim Rundgang durch die Produktionshallen. Die nur wenige Millimeter große Blutpumpe enthält High-Tech-Kupferdraht, „feiner als menschliches Haar“, wie Schindler sagt. Eigentlich hätte die Markteinführung des Produkts bereits stattfinden können. Doch auch hier wirkten sich die jüngsten Ereignisse in den USA aus: Die US-Regierung hat vor Kurzem rund 10 000 Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden entlassen. Dies verzögert das Zulassungsverfahren noch einmal zusätzlich.
„Die EU sollte sich klarer werden, dass wir mit der ganzen Welt konkurrieren“
Ein weiteres wichtiges Segment von Faulhaber: die Robotik. Doch die Sorge, dass die EU sich hier – wie bereits beim Thema Elektromobilität – abhängen lässt, treibt auch den Schönaicher Mittelständler um. „Wir sehen ganz klar die Gefahr, dass Deutschland und die EU beim Thema Robotik wieder einmal das Nachsehen haben werden“, sagt Geschäftsführer Lutz Braun. „Die EU sollte sich klarer werden, dass wir mit der ganzen Welt konkurrieren.“
Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) lässt sich von Jan Patrick Schindler, Leiter der globalen Produktion Faulhabers, durch die Produktionsstätte führen. Foto: Stefanie Schlecht
Während die EU mit dem sogenannten Clean Industrial Deal ehrgeizige Ziele verfolgt, um ihre Industrie nachhaltiger und wettbewerbsfähiger zu machen, mahnt Braun zur Eile. Im globalen Wettlauf etwa mit China oder den USA, die häufig schneller und flexibler agieren können, drohe Europa sonst erneut ins Hintertreffen zu geraten. Seine Forderung an die Politik: mehr Priorität auf kritische Rohstoffe und deutlich weniger Bürokratie.
Forderungen bleiben erst einmal unbeantwortet
Symptomatisch für die Probleme in Deutschland stünde auch das Thema Drohnen, ergänzt Lutz Braun. „Von einem Kollegen aus der Luft- und Raumfahrttechnik weiß ich, dass wir hier mehr als genug Unternehmen haben, die Drohnen herstellen könnten – doch bisher gibt es kaum Aufträge.“ Und das, obwohl auch bei der deutschen Drohnentechnologie ein deutlicher Rückstand besteht.
Schließlich neigt sich der Besuch der Umweltministerin dem Ende zu, Walker muss weiter zum nächsten Termin. Das Schönaicher Unternehmen bleibt zurück – mit seinen Forderungen und Fragen, die zwar nun gehört, aber noch lange nicht beantwortet sind.
Rohstoffe aus China
Exportrestriktionen Laut Internationaler Energieagentur kontrolliert das Land teils bis zu 100 Prozent des Weltmarkts – dazu zählen neben seltenen Erden etwa auch Grafit und Kobalt. In Folge der Exportrestriktionen mussten sich Unternehmen den Export dieser Rohstoffe mit aufwendigen Anträgen genehmigen lassen.