Bernd Kußmaul hat mit einem Unternehmernetzwerk einen Pokal gebaut, der erst im Team seine volle Wirkung entfaltet. Dahinter steckt mehr als Technik – und ein Prinzip, das bald auch im Luxussegment glänzen könnte.
Bernd Kußmaul ist kein gewöhnlicher Unternehmer. Er ist ein schwäbischer Erfindergeist mit Hang zu edlem Metall, präziser Technik und einem tiefen Sinn für Ästhetik. Wer ihm begegnet, merkt schnell: Hier geht es nicht nur um Produkte. Es geht um Ideen, die funkeln – im Kopf und in der Realität. Der neueste Coup seines Unternehmens: Ein Pokal für den Deutschen Turnerbund, der leuchtet, kommuniziert – und bald vielleicht Luxusautos noch ein Stück intelligenter macht.
Was sich liest wie ein Science-Fiction-Plot, ist feinste Realität aus dem Remstal. Der Pokal des STB Mixed-Cup 2025 ist keine gewöhnliche Trophäe, sondern ein technisch hochgerüstetes Symbol für Teamgeist – und ein Paradebeispiel dafür, wie man Spitzentechnologie aus völlig anderen Bereichen für neue Zwecke denken kann.
Leuchtender Pokal: Technik und Emotion vereint für Teamgeist
Im leuchtenden Pokal von Bernd Kußmaul steckt viel Hightech. Foto: Julian Rettig
„Wir wollten zeigen, dass man Technik nicht nur funktional denken kann, sondern emotional“, sagt Kußmaul. Der Pokal, den er gemeinsam mit Partnerfirmen aus der Region entwickelt hat, ist 46 Zentimeter hoch, wiegt 5,3 Kilogramm und leuchtet, sobald die Medaillen vom oberen Ring „gepflückt“ werden. Und nicht nur das: Auch die Medaillen selbst beginnen zu leuchten, wenn sie überreicht werden – ein magischer Moment, wie Kußmaul sagt. Nicht nur die Technik sei besonders, auch die Symbolik: Jeder Sieger nimmt ein Stück des Pokals mit nach Hause. Erst wenn alle Medaillen übergeben sind, entfaltet der Pokal seine volle Leuchtkraft – und zeigt: Nur gemeinsam ist der Sieg vollkommen.
Hightech aus der Kaffeeküche
Die Basis für die Kommunikationsfähigkeit des Pokals stammt aus einer ganz anderen Welt: aus der Technik edler Kaffeemaschinen. Genauer gesagt: von einem Start-up namens nunc., das Kußmaul nicht nur begleitet, sondern in das er sogar selbst investiert hat. Die Maschinen erkennen über einen dünnen Chip in der Verpackung, welche Sorte Kaffee eingefüllt wird, wie sie zu mahlen ist, stellen automatisch Brühparameter ein und kommunizieren dabei per Near Field Communication (NFC) und Bluetooth mit Mühle und Siebträger. Der Brühvorgang wird von Sensoren und KI überwacht – Präzision auf Barista-Niveau.
Auch die Medaillen beginnen wie von Geisterhand zu leuchten. Foto: Julian Rettig
Was bei Kaffee funktioniert, kann auch bei einem Pokal funktionieren, dachte sich Kußmaul. Die Medaillen und der Pokal kommunizieren über ähnliche Schnittstellen – ein Paradebeispiel für Technologietransfer. Und der nächste Schritt ist bereits in Arbeit: Die Technik soll in den Luxus-Automobilbau einziehen. Konkrete Namen darf Kußmaul nicht nennen, aber „ein Hersteller mit Anspruch auf Exzellenz“ habe bereits Interesse angemeldet. Szenarien, wie das aussehen könnte, gibt es viele: Das Fahrzeug erkennt den Beifahrer automatisch und passt Musik, Display oder Raumtemperatur an. Oder: Im Designer-Kleiderschrank fahren passende Outfits auf Knopfdruck aus einem versteckten Fach entgegen.
Vom Bagel aus Gold zur Medaille mit Bewegungssensor
Für den Künstler Tim Bengel etwa hat er einen Avocado-Bagel aus purem Gold gefertigt. Foto: Gottfried Stoppel/
Oder die unscheinbare, aber komplexe Zierblende für das Armaturenbrett eines Rolls-Royce Phantom, in die der Binärcode der britischen Weltraumrakete eingraviert ist. Oder der Hightech-Elektroroller, der zusammengeklappt in die Bahn passt. Oder das Luxus-Wasserspender-Gehäuse für ein Pforzheimer Start-up. Kußmaul ist der Mann fürs Ungewöhnliche.
Innovative Synergien: Kußmauls Erfolgsrezept für Hightech-Lösungen
Das Erfolgsrezept? „Wir denken Dinge konsequent zu Ende – aber andersrum“, sagt Kußmaul. Statt sich auf eine Branche zu fokussieren, kombiniert er Elemente aus verschiedensten Disziplinen. Design trifft auf Sensorik, Luxus trifft auf Nachhaltigkeit, Handwerk auf Digitalisierung. Die einzelnen Komponenten werden nicht selbst gefertigt – Kußmaul und sein Projektleiter Uwe Matzner sehen sich als Dirigenten eines Netzwerks aus Spezialisten: vom 3D-Drucker Alphacam in Schorndorf über die Bandweberei Bauer aus Mainhardt bis hin zu Dold Elektronik aus Remshalden.
Dabei ist vieles echte Handarbeit. Die Medaillen werden von Hand aus Aluminium gefräst, eloxiert, poliert – und dann mit Licht, Technik und Symbolik aufgeladen. „Ein Pokal mit Herz, Technik und Seele“, sagt Kußmaul.
Innovationsschmiede Remstal: Kußmaul GmbH für Luxusmarken
Die Bernd Kußmaul GmbH hat ihren Sitz auf dem Gelände der ehemaligen Weinbrennerei Jacobi – einem Ort, der früher für Genuss stand und heute für Innovationskraft. Hier entstehen Lösungen für die großen Namen der Welt: Bugatti, Bentley, Airbus, Rolls-Royce. In der einen Werkstatt wird an Einzelteilen für Business-Jets gearbeitet, in der anderen an einem neuen Lackverfahren für Designerobjekte. Vieles davon bleibt geheim. „Manchmal kommen Auftraggeber mit einer Idee und sagen: Macht was draus. Und dann ist es unser Job, das Unmögliche möglich zu machen.“
Ein abhörsicherer Raum für Top-Secret-Projekte gehört ebenso dazu wie die Freiheit, kreativ zu denken – und die nötige Bodenhaftung. Denn bei aller Hightech bleibt Kußmaul ein schwäbischer Tüftler: bodenständig, bescheiden, pragmatisch. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis seines Erfolgs.