Hildegard Ruoff stellt in Nürtingen aus Mit 100 Jahren immer noch im Dienst der Kunst

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Hildegard Ruoff hat zeitlebens das Werk ihres Mannes Fritz Ruoff gefördert. Jetzt bekommt sie selbst eine Ausstellung in der Stiftung Ruoff. Gut so!

Hildegard Ruoff Foto: Cyril Harnischmacher
Hildegard Ruoff Foto: Cyril Harnischmacher

Nürtingen - Natürlich ist sie stolz. Aber das würde Hildegard Ruoffso deutlich nie sagen. Sie ist bescheiden. Wenn es in ihrem Leben um Kunst ging, so vornehmlich um die ihres Mannes Fritz Ruoff. 1943 hat sie den Nürtinger Maler und Bildhauer geheiratet und fortan sein Werk gefördert. Er war für die Kunst zuständig, sie für den Rest. „Ich war wie eine Sekretärin“, sagt Hildegard Ruoff. Jetzt aber steht sie selbst im Rampenlicht. In der Ruoff-Stiftung in Nürtingen stellt sie ihre Fotografien aus. Eine Jubiläumsausstellung zu ihrem hundertsten Geburtstag.

Hundert Jahre? „Ich fasse es immer noch nicht“, sagt die muntere alte Dame, die bis heute in der Stiftung schaltet und waltet. In den Sechzigerjahren sind sie in die Nürtinger Villa gezogen. Auch nach dem Tod ihres Mannes 1986 wohnt sie oben, seit 2005 werden im Erdgeschoss Ausstellungen gezeigt und hängen jetzt bereits ihre schönen Detailaufnahmen aus dem Alltag oder Blumenporträts, die das geschulte Auge der Fotografin verraten. An diesem Sonntag, 22. September, um 11 Uhr wird die Schau eröffnet.

Denn in Wirklichkeit hat Hildegard Ruoff durchaus mit der Kunst geliebäugelt, damals, in Stuttgart-Degerloch, wo sie aufwuchs. Sie hätte gern studiert. „Ich wollte Künstlerin werden, ich war hochbegabt“, sagt sie, aber das Klima veränderte sich Mitte der Dreißigerjahre, es war nicht die Zeit für Kunst. Also ging sie im Kunsthaus Schaller in die Lehre.

Dort hat sie auch Fritz Ruoff kennengelernt und zog mit ihm nach Nürtingen. „Du musst ja wissen, was du tust“, sagte ihre Mutter lakonisch, mehr nicht. Denn die Zeiten waren schlecht, und Hildegard musste mithelfen in der Metzgerei der Schwiegereltern, die nicht mehr die Jüngsten waren. Sechs Jahre verkaufte sie, die sich nichts aus Fleisch machte, nun Wurst und Schnitzel. Sie nahm es gelassen – und sagt auch heute „Ich kann nicht klagen. Andere hatten in Deutschland viel schlimmere Schicksale.“

Peter Härtling wurde zu einem engen Freund

Auch in späteren Jahren war es Hildegard Ruoff, die die Eheleute finanzierte. Mal war sie in einer Parfümerie tätig, mal in einem Architekturbüro und als Gestalterin für Schaufenster. Nebenbei hat sie in Nürtingen eine Bibliothek aufgebaut, weil die Menschen nach dem Krieg enormen Lesehunger hatten. Auch Peter Härtling, der damals noch in Nürtingen zur Schule ging, schaute regelmäßig bei ihr vorbei. Irgendwann meinte ihr Mann, sie solle den jungen Burschen doch mal mit nach Hause bringen. Es entstand eine lebenslange Freundschaft zwischen Härtling und dem Ehepaar Ruoff, Fritz Ruoff wurde eine Art Mentor für den späteren Autor.

Hildegard Ruoff organisierte aber auch Ausstellungen, stellte im Nürtinger Gartensaal Ida Kerkovius und andere Künstler der Stuttgarter Szene aus. „Ich hatte die Verbindungen“, sagt sie, schließlich war sie Kunsthändlerin. So wurde sie zu einer wichtigen Triebfeder und Persönlichkeit im Nürtinger Kulturleben.

Durch Zufall kam Hildegard Ruoff zur Fotografie

Ihre künstlerische Tätigkeit stellte sie zurück und beschränkte sich darauf, auf Einladungskarten oder als Gedächtnisstütze die Werke ihres Mannes zu skizzieren. Bis heute sind die Karteikarten mit ihren Zeichnungen und Angaben eine wichtige Quelle zur Erschließung seines Werkes. Fritz ermunterte sie, doch selbst wieder künstlerisch tätig zu sein. Sie lehnte ab. „So ehrgeizig ich bin und so gern ich Lob entgegen nehme, habe ich doch einen zu großen Respekt vor der Kunst“, sagt sie. Als ein Freund eines Tages eine Kamera ins Haus brachte, porträtierte sie ihren Mann. Ihre Lust war geweckt. „So fingen Glanz und Elend meiner Fotokarriere an“, sagt sie kokett.

Hildegard Ruoffs Bilanz: „Es gab viele Glücksfälle und positive Fügungen.“ Und es gibt noch viel zu tun. Die Aufarbeitung des Werkes ihres Mannes muss vorangetrieben werden, in der Stiftung gibt es immer Arbeit. Und vor allem muss sie sich für ihren Festtag wappnen: Am 3. Oktober wird das Haus sicher voll werden.

Eröffnung am 22. September um 11 Uhr, Ausstellung bis 17. November, geöffnet Donnerstag 15 bis 18, Sonntag 14 bis 18 Uhr.