Hilfe für Bewohner der Paulinenpflege Winnenden Tipps vom Magic Mirror

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Der Magic Mirror der Paulinenpflege Winnenden soll Menschen mit Behinderung das Leben erleichtern. Es gehe keinesfalls darum, Mitarbeiter einzusparen, sagen die Projektentwickler. „Wir wollen aber die Mitarbeiterzeit anders nutzen.“

Bislang gibt es nur diesen einen Prototyp des Magic Mirrors, im Sommer soll in Winnenden die Testphase beginnen. Foto: Paulinenpflege
Bislang gibt es nur diesen einen Prototyp des Magic Mirrors, im Sommer soll in Winnenden die Testphase beginnen. Foto: Paulinenpflege

Winnenden - Pass auf, die Sonne scheint, aber es ist trotzdem richtig kalt heute. Zieh besser eine warme Jacke an.“ Tipps wie diesen soll der sogenannte Magic Mirror Bewohnern der Paulinenpflege Winnenden demnächst geben. Die diakonische Einrichtung hat diesen magischen Spiegel jetzt in Kooperation mit Studenten der Hochschule für Technik in Stuttgart entwickelt. Bisher gibt es nur einen Prototyp. Spätestens im Sommer soll aber eine Testphase mit mehreren Bewohnern starten, sagt Dany Kral. Der Sozialpädagoge und Sozialmanager ist Referent für Entwicklung bei der Paulinenpflege.

Der Magic Mirror soll Menschen mit Behinderung, die weitgehend selbstständig in Wohngruppen leben, unterstützen. Mit Hilfe einer Gesichtserkennung kann sich der Bewohner automatisch in das System einloggen. Sobald das Gerät eingeschaltet wird, verwandelt sich die verspiegelte Oberfläche in einen Bildschirm. Dany Kral und seine Kollegin, die Diplom-Pädagogin Monika Deyle, sprechen von einem personalisierten Hilfssystem. Es zeigt unter anderem das Datum und die Uhrzeit an, das Wetter und eine Wettervorhersage. Im Sommer könnte der Spiegel den Bewohner mit diesen Worten begrüßen: „Die Sonne scheint, Du solltest eine Kappe aufsetzen.“

Videokonferenz mit einem Betreuer

Nachts könnte ein Tipp lauten: „Es ist dunkel, nimm eine Taschenlampe mit.“ Morgens, bevor sich die Bewohner auf den Weg zur Arbeit in einer Werkstatt machen, sollen sie erfahren, ob die Busse und Bahnen Verspätung haben. Die Bewohner könnten auch darauf hingewiesen werden, dass der Mitarbeiter A in der Werkstatt krank ist und deshalb der Kollege B einspringt, oder dass der fest eingeplante Arzttermin kurzfristig ausfällt. Speziell für Autisten wären solche Tipps hilfreich, denn sie reagieren oft ungewöhnlich, mitunter verärgert auf unangekündigte Veränderungen. Zudem soll es möglich sein, mit einer eingebauten Kamera im Magic Mirror eine Videokonferenz mit einem Betreuer zu starten.

Das ist ja alles schön und gut, könnte ein Kritiker einwenden, aber warum werden die Bewohner nicht persönlich von den Pädagogen betreut und beraten? „Wir erhoffen uns, dass die Mitarbeiter wieder mehr Zeit für ihre pädagogische Arbeit haben“, sagt Monika Deyle.

Wenn ewige Ermahnungen und Hinweise – „heute schon geduscht?“, „nimm die dicke Jacke mit“, „Sportsachen nicht vergessen“ – wegfielen und dafür mehr Zeit für ein gemeinsames Frühstück oder die Reflexion des Tages bleibe, sei die Zeit doch viel besser genutzt. Es gehe keinesfalls darum, Mitarbeiter einzusparen, „wir wollen aber die Mitarbeiterzeit anders nutzen: für Beziehungsarbeit“.