Hilfe für den Nachbarn Der Vater hat die Tochter an Freier verkauft

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„Ich war mir sicher, dass esmit uns beiden was wird“, sagt Herr G. Für Frau Z. dagegen war dies anfangs völlig undenkbar gewesen. Noch nie hatte die knapp 50-Jährige eine Beziehung mit einem Mann. Doch ihr Umzug in eine Einrichtung für betreutes Wohnen stellte ihr Leben auf den Kopf. Herr G. aus der Nachbarwohnung lud sie zum Frühstück ein, und Frau Z. spürte zum ersten Mal so etwas wie Vertrauen zu einem männlichen Wesen. „Die Wohnungstür musste er in der ersten Zeit allerdings immer offenlassen. Ichbrauchte immer einen Fluchtweg“, erklärt sie.

An den Unterarmen von Frau Z. reiht sich Narbe an Narbe. Als Teenager hatte sie begonnen, sich systematisch zu zerstören: Sie ritzte sich und infizierte die Wunden, damit sie sich entzünden. Hinzu kamen Alkohol, Medikamente und Heroin. Ihren Kindheitserinnerungen wollte sie entrinnen, bekamsie aber nie los, und so versuchte Frau Z. sich auch mehrfach das Leben zu nehmen. Erst mit Mitte vierzig hat sie ihre Drogenkarriere überwunden.

Frau Z. ist die jüngste in der Reihe mehrerer Geschwister. Die älteren Kinder waren alle bereits im Teenageralter aus dem Elternhaus ausgezogen, und Frau Z. war deshalb mehrere Jahre als einziges Kind bei ihren Eltern. „Ichkann mich genau erinnern: als ich sechs war, war das erste Mal was“, sagt sie nüchtern. Ihr Vater hat sie nicht nur regelmäßig körperlich misshandelt und sexuell missbraucht, er hat seine jüngsteTochter auch jahrelang an pädophile Freier verkauft. „Er hatte ein Wochenendhaus. Da hat er mich immer hingebracht.“

Im Stich gelassen

Frau Z. vermutet, dass ihre Schwester ein ähnliches Schicksal gehabt hat: „Die hat mich völlig im Stich gelassen.“ Das bedrückt sie – mehr noch als die Rolle ihrer Mutter, die von alledem nichts bemerkt haben wollte. „Die hat Nachtschicht gearbeitet und tagsüber geschlafen“, erinnert sich Frau Z. Der Vater ist vor Jahren verstorben und wurde nie für seine Taten zur Rechenschaft gezogen. „Als ich 15 war, bin ich abgehauen. Mein Bruder hat mich aus dem Dreck rausgeholt“, erzählt sie. Nur zu ihm hat sie noch Kontakt, ihm ist sie dankbar, dass er sie gerettet hat.

Seit knapp zehn Jahren wird Frau Z. von einer sozialen Einrichtung unterstützt und ist wegen ihrer Depressionen auch in psychotherapeutischer Behandlung. Doch heute freut sie sich, es geht ihr viel besser als früher: „Noch nie habe ich so viel geschlafen wie jetzt“, sagt sie – und erzählt von Zeiten, in denen Schlaf für sie gleichbedeutend mit Albträumen war. Ihre Depressionen waren so stark, dass sie ihre Wohnung nicht mehr verließ, deshalb zog sie auf Anraten ihres Therapeuten in eine Wohngemeinschaft – neben die Wohnung von Herrn G.

Heute besuchen die beiden zusammen die Gemeinschaftseinrichtungen im Haus, und das Paar geht viel spazieren. Inzwischen ist FrauZ. zu ihm in sein Einzimmerapartment gezogen. Die räumliche Enge ertragen die beiden gut: „Wir nehmen eben Rücksicht auf die Bedürfnisse des anderen“, sagt sie. Jetzt benötigen Frau Z. und Herr G. ein richtiges Bett,denn bis jetzt gibt es nur eine durchgelegene Schlafcouch in der Wohnung. Dafür werden Spenden erbeten. Frau Z. braucht zudem aus medizinischen Gründen eine hochwertige Matratze. Sie leidet schwer an Arthrose. Auch das ist eine Folge der Schläge in der Kindheit.

Fest steht inzwischen eines aber auch: Anfang des neuen Jahres wollen Frau Z. und Herr G. heiraten. Das Aufgebot beim Standesamt haben sie schon bestellt.

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