Hilfe für Mobbingopfer in Filderstadt Kinderfreunde in schwarzen Kutten

Der Verein Guardian Road Bears steht gemobbten oder missbrauchten Kindern zur Seite. Foto: Caroline Holowiecki

Der Biker-Verein Guardian Road Bears mit Sitz in Filderstadt engagiert sich in der Kinder- und Jugendhilfe und setzt sich vor allem für Mobbingopfer ein.

Das Knattern der Motorräder ist zu hören, bevor sie überhaupt auf den Parkplatz einbiegen. Vor Ort steigt Gunny von seiner Harley-Davidson, entledigt sich seiner schweren Schutzkleidung. Großflächige Tattoos kommen an breiten Armen zum Vorschein, ebenso massive Silberringe und Armreifen. Seine Lederkutte ist besetzt mit Aufnähern, Riemen und Nieten. Er legt die schwarze Sonnenbrille und den schwarzen Gesichtsschutz ab. Dann geht er zu einem kleinen blonden Mädchen, beugt sich herunter, hält ihm eine Tüte hin und fragt: „Magst du einen Luftballon?“

 

Es ist eine Szene voller Gegensätze, und sie passt zu dem, was Gunny repräsentiert. Der 57-Jährige ist der Präsident des Vereins Guardian Road Bears. Der Club, bestehend aus leidenschaftlichen Bikerinnen und Bikern, ist in der Kinder- und Jugendhilfe aktiv. „Wir sind da für missbrauchte Kinder und unterstützen sie“, sagt Gunny. Vorrangig Mobbingopfern zwischen sechs und 17 widme man sich. Sie würden in einer Zeremonie in den Kreis der sogenannten Bärenkinder aufgenommen, erhielten eine eigene Kutte und einen symbolisch mit viel Liebe aufgetankten Teddy. Mit den Kindern unternimmt das Team Ausflüge zum Eisessen, zum Indoorspielplatz oder zum Bogenschießen. Außerdem dürfen sie und die Eltern sich jederzeit melden, wenn es Probleme gibt.

Ziel des Ganzen: den Kindern und Jugendlichen Kraft geben, ihre Ängste zu überwinden, und ihnen ein respektvolles Miteinander vorleben. „Die Kids wachsen in ihrem Selbstbewusstsein, wenn die mit den Lederkutten für sie da sind“, sagt der Vize-Präsident Tomcat (63). Bereits während der Zeremonie merke man, wie die Kinder aufblühten, „die werden vom grauen Mäuschen zum Superstar“. Außerdem wolle man den Mädchen und Jungen ermöglichen, dem Alltag zu entfliehen. „So lernen sie auch mal: Ich bin was wert, die interessieren sich für mich“, sagt Gunny. Oftmals reiche es, wenn mehrere Biker ein Kind demonstrativ von der Schule abholten, damit ein Täter nicht mehr übergriffig werde. „Das wird alles abgeklärt mit der Schule“, betont Gunny.

Gegründet wurde der Verein erst 2020, er zählt sieben Mitglieder. Seinen Sitz hat er in Filderstadt. Das Konzept ist aber keine Filder-Erfindung. Die gemeinnützige Organisation der Bikers Against Child Abuse wurde in den 90ern in den USA gegründet. Seither haben sich international Ableger gebildet. Die deutsche Version ist seit 2013 tätig, es gibt etliche lokale Untergruppen und Abwandlungen. Beim jüngsten Stuttgarter Kinder- und Familienfestival waren einmal mehr die Urban Bulldogs Against Kids Abuse aus dem Nordschwarzwald dabei. Auch die Biker Against Childporn & Abuse mit Sitz in Sulzbach an der Murr waren schon zu Gast. Allerdings: Nicht jedem sagen die kinderlieben Motorradfreaks etwas. Bei der Opferschutzorganisation Weißer Ring kennt der Leiter der Esslinger Außenstelle auf Anfrage keinen der Biker-Vereine. Auch im Sozialdezernat des Landkreises Esslingen ist der Filderstädter Club ad hoc kein Begriff. Im Polizeirevier Filderstadt sei er zumindest bekannt, sagt eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Reutlingen.

Das Gebaren der Guardian Road Bears wirkt auf den ersten Blick befremdlich. Echtnamen und Wohnorte wollen sie nicht in der Zeitung lesen, lediglich die Road Names, also selbst gegebene Biker-Namen. „Das schützt uns und die Kinder“, erklärt Gunny, so wolle man verhindern, dass mögliche Täter beispielsweise an Wohnadressen von Opfern kämen. Dennoch: Den Mitgliedern scheint wichtig zu sein, dass alles Hand und Fuß hat. So werde vorausgesetzt, dass im Fall von Straftaten bei der Polizei Anzeigen vorlägen. Überhaupt sei ihnen Seriosität wichtig. Die Biker seien bei ihren Einsätzen stets mindestens zu zweit, hätten vor ihrem Vereinsbeitritt polizeiliche Führungszeugnisse vorgelegt, zudem würden sie regelmäßig von der Kindernothilfe geschult.

Die Guardian Road Bears kommen aus der Region Stuttgart und auch teils weit darüber hinaus. Fürs Engagement im Verein hat jeder andere Gründe. Eine Person hat einen beruflichen Hintergrund, eine andere spricht von einer Betroffenheit im privaten Umfeld. In Deutschland wende man sich vor allem dem Täter zu, weniger dem Opfer, findet Tomcat. „Schlimm genug, dass man uns braucht“, sagt er. Gunny nickt. „Die Opferkinder werden nur verwaltet. Die fallen hinten runter.“ In der Regel fehlten in Behörden die Kapazitäten. Alle Mitglieder sind entweder selbst Eltern oder haben bereits Enkel. „Man weiß, man kann was Gutes tun“, sagt Freya (52). Die Rückmeldungen der Eltern seien positiv, die der Kids auch. Gunny lacht auf: „Wir sind automatisch schon mal cooler als andere.“

Guardian Road Bears

Kids’ Day
Am 28. Juni tun sich die Filderstädter Guardian Road Bears mit dem Motorradclub Black Rider aus Stetten für einen Kids’ Day zusammen. Ab 11 Uhr gibt es auf dem Gelände an der Sielminger Straße 43 etliche Attraktionen für Kinder, etwa Vorführungen des Sielminger Hufschmieds Bowen McCloud, Kinderboxen, eine Hüpfburg, Spiele und mehr, außerdem Bewirtung.

Informationen
Die Guardian Road Bears suchen weitere Mitglieder, um sich noch mehr Kindern widmen zu können. Alles Infos über den Verein gibt es auf www.guardian-road-bears.com, außerdem informieren die Ehrenamtlichen regelmäßig im Filderstädter Amtsblatt.

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