Die StZ-Spendenaktion ist primär für Menschen in Not zuständig, fördert aber auch soziale Projekte. Dabei stehen vor allem Kinder aus benachteiligten Familien im Focus.

Lokales: Sybille Neth (sne)

Es begann vor 55 Jahren mit einem Stapel Weihnachtspäckchen für bedürftige Kinder. Inzwischen ist die Spendenaktion der StZ eine der größten in Süddeutschland geworden. Im zurückliegenden Spendenjahr erreichten 1335 Bitten um Unterstützung von karitativen Einrichtungen die „Hilfe für den Nachbarn“. Vorrang haben die Einzelfallhilfen: Da geht es vom Wintermantel bis zur Küchenzeile, vom Schullandheimaufenthalt bis zur Begleichung von Mietschulden. Für alle Standardposten hat die Spendenaktion einen Katalog mit Regelsätzen: Zum Beispiel 400 Euro werden für eine Waschmaschine vergeben.

 

500 Kinder werden betreut

Stolz ist die Spendenaktion auch darauf, dass sie dank der großen Spendenbereitschaft der Leser und Leserinnen soziale Projekte unterstützen kann. Insbesondere solche, die Kindern und Jugendlichen zugutekommen, die familiär bedingt schlechte Startchancen haben. Eine Organisation, die sich dabei in Stuttgart seit zehn Jahren besonders engagiert sind die Kinderhelden. Der Verein betreut jährlich an 14 Grundschulen 500 Kinder mit seinem Mentorenprogramm sowie weiteren Projekten und hilft so Kindern mit schlechten Startchancen. Die Kinderhelden erhielten in der zurückliegenden Spendensaison einen größeren Betrag. Nun hat der Verein Ende November eine besondere bundesweite Auszeichnung erhalten: Das Phineo-Wirkt-Siegel gegen Desinformation und Diskriminierung. In der Laudatio wurde das Kinderhelden-Projekt „Ich kann’s“ als „Wurzelwerk der Demokratie” und als ein besonders stabilisierendes Projekt gewürdigt.

Auszeichnung für die Kinderhelden

Ralph Benz, der Geschäftsführer der Kinderhelden, freut sich über das Qualitätssiegel und betont, dass „die Aktivitäten des Vereins schon per se demokratisch sind, weil man sich bei allen Aktivitäten auf andere Kulturen einlässt.“ Viele der Kinder, die in dem Mentorenprogramm „Ich kann’s“ beim Lesen und in Mathematik gefördert werden, die daneben ihre Stadt und deren Freizeitmöglichkeiten für Kinder kennenlernen und deren Selbstbewusstsein durch die gemeinsamen Aktivitäten gestärkt wird, kommen aus Familien mit Migrationshintergrund. „Wir haben eine Warteliste für Kinder und für Schulen. Wir könnten also noch mehr Schüler betreuen, wenn wir die Kapazitäten dafür hätten“, sagt der Geschäftsführer.

„Wir wollen Kindern schon im Grundschulalter vermitteln, was Demokratie ist. Gerade auch Kindern, bei denen dies zuhause keine Rolle spielt“, betont Benz mit Blick auf die Preisverleihung. Um ein Gefühl für demokratisches Denken und Handeln zu entwickeln, machen die Kinderhelden Exkursionen ins Rathaus und in den Landtag. Jedes Kind bekommt ein Demokratie-Tagebuch: Darin lernen Kinder anhand von Fragen, ihre Meinung zu sagen. Es wird erklärt, wie eine demokratische Gesellschaft aufgebaut ist, und es gibt dazu unter anderem Quizaufgaben und ein Memoryspiel. Am Anfang wird festgestellt, wie das Kind und sein Mentor von den Kinderhelden ihr eigenes Verhältnis demokratisch gestalten wollen.

Sprachförderung durch den Sport

Die Kinderhelden finanzieren sich zur Hälfte über Spenden und Zuwendungen. Die andere Hälfte steuert bisher die Stadt bei. „Aus der Bildungslandschaft in Stuttgart sind Kinderhelden längst nicht mehr wegzudenken – ihre Projekte stehen für Vertrauen, Engagement und spürbare Wirkung“, lobt Yvonne Schütz von der städtischen Abteilung Bildungspartnerschaft deren Beitrag für mehr Chancengleichheit.

Auch die Stuttgarter Kinderstiftung fördert Kinder in der dritten und vierten Grundschulklasse, die aus benachteiligten Familien kommen mit ihrer Kombination aus Fußball, Bewegungsprogrammen und Sprachtraining. Teilgenommen haben im vergangenen Jahr 95 Kinder aus Brennpunktschulen. Sie wurden von Jugendtrainern des VfB und der Stuttgarter Kickers sportlich betreut. Mal ins Theater gehen, das kennen viele Kinder nicht, und dafür hat die Kinderstiftung seit Jahren ihr Ehrenamtsprojekt Theaterpaten mit Erwachsenen, die sich zusammen mit einem Kind ein Schauspiel anschauen. Die Neugier an der Musik bei den Kleinsten fördert das Projekt „Kleine Leute-große Töne“ der Kinderstiftung. Profimusiker machen hier ihre Runde durch Kindergärten und zeigen, wie sie mit ihrem Instrument Stimmungen erzeugen können und wie Musik Freude bereitet.

Weihnachtsfeier dank der Spende

Insgesamt wurden von Hilfe für den Nachbarn 96 Projekte gefördert. Dabei waren auch kleine Freuden dabei wie ein Wilhelma-Ausflug für Kinder, in deren Familien jemand lebensbedrohlich erkrankt ist und vom Hospizdienst betreut wird. Dabei ist auch ein Anti-Stress-Bewältigungsprogramm mit Kreativ -und Sportangeboten für Kinder aus Familien mit einer Suchtproblematik. Diese Gruppe konnte in diesen Tagen dank der Förderung gemeinsam Weihnachten feiern.