Hilfe für Verbrennungsopfer Spenderhaut für Crans-Montana-Opfer – geht das?
Die Anteilnahme am Schicksal der Opfer von Crans-Montana berührt viele Stuttgarter: Einige haben sich nun bereit erklärt, Haut für die Verletzten zu spenden.
Die Anteilnahme am Schicksal der Opfer von Crans-Montana berührt viele Stuttgarter: Einige haben sich nun bereit erklärt, Haut für die Verletzten zu spenden.
Die Anteilnahme ist groß. In Stuttgart, wo eine schwerbrandverletzte Person aus dem Schweizer Skiort Crans-Montana seit Neujahr medizinisch versorgt wird, haben sich inzwischen Freiwillige gemeldet, die bereit wären, Haut für mögliche Transplantationen zu spenden. „Sie haben momentan eine Katastrophe aus der Schweiz zu behandeln. Würde eine Hautspende helfen können? Wenn ja, wie? Wie groß müsste die Hautfläche sein?“, heißt es zum Beispiel in einer E-Mail. Tatsächlich kommt es bei der medizinischen Versorgung von Verletzten mit sehr schweren Brandwunden zu Transplantationen, bestätigt Matthias Rapp, Leiter des Schwerbrandverletztenzentrums am Marienhospital. Wie diese ablaufen – und was dafür benötigt wird, wird in dieser Übersicht erklärt.
Nein, sagt Matthias Rapp. „Die Lebendspende von Haut für eine andere Person ist nicht möglich.“ Benötigt ein Schwerbrandverletzter eine Transplantation, wird nahezu ausschließlich körpereigenes Gewebe verwendet. „Die einzige Ausnahme besteht bei genetisch identischen, eineiigen Zwillingen“, sagt Rapp. Allerdings nur, wenn überhaupt keine Möglichkeit besteht, die verbrannte Körperoberfläche mit der eigenen Haut des Brandverletzten zu decken. Diese Ausnahme wird in Deutschland jedoch nicht angewandt. Hauptsächlich handelt es sich bei den Transplantaten daher um die sogenannte Spalthaut: Dabei wird im Bereich der Oberschenkel des Verletzten die oberste Schicht der Haut mit einer Dicke von 0,2 bis 0,3 Millimeter entnommen und auf die zuvor gesäuberte und freigelegte Brandwunde fixiert. Es gibt auch Vollhaut-Transplantate etwa aus dem Bereich der Leiste, des Halses oder vom Oberarm.
„Zum einen können bei einer Hauttransplantation von einem Lebendspender Krankheiten wie beispielsweise HIV, Hepatitis sowie multiresistente Bakterien und in seltenen Fällen auch Krebszellen übertragen werden“, sagt Rapp. Zudem haben schwerbrandverletzte Patienten ein geschwächtes Immunsystem, wodurch Keime schwere Infektionen auslösen können, die bei gesunden Menschen gar nicht aufgetreten wären. Auch kommt es zu einer Abstoßungsreaktion der übertragenen Fremdhaut: Das Immunsystem des Empfängers erkennt die fremden Oberflächenmerkmale der Spenderhaut als Bedrohung – und aktiviert eine Entzündungsreaktion, die zur Zerstörung der transplantierten Fremd- oder Spenderhaut führt.
In einem solchen Fall kommt Spenderhaut von verstorbenen Menschen zum Einsatz, die sogenannte Leichenhaut. „Diese konservierte Haut wird bei großflächigen, schweren Verbrennungen zur Überbrückung temporär eingesetzt, bevor sie durch körpereigene Haut ersetzt werden kann“, sagt Rapp. Sie schützt die Wunde vor Infektionen und Flüssigkeitsverlust. Allerdings haftet diese Fremdhaut nur vorübergehend an und wird meist innerhalb von Tagen bis Wochen abgestoßen.
Es gibt sogenannte Hautersatzmaterialien auf Kollagen-Basis, die tierischen Ursprungs sind – also vom Schwein, Rind oder Fisch stammen. „Diese müssen sterilisiert und speziell aufbereitet werden, um vom menschlichen Körper akzeptiert zu werden“, erklärt Rapp. Allerdings werden auch diese nur zur Überbrückung eingesetzt: „Sie fördern die Wundheilung und stellen die Hautbarriere wieder her, bevor sie vom Körper abgestoßen werden oder einwachsen können.“
Zum einen besteht bei dieser rein synthetisch hergestellten Membran namens Suprathel kein Risiko für die Übertragung von bekannten oder noch unbekannten Krankheitserregern. Auch enthält die Membran keine tierischen Bestandteile und ist für alle Religionsangehörigkeiten geeignet. „Die Membran ist der menschlichen Haut nachempfunden“, sagt Rapp. Der dafür verwendete Biokunststoff wird zu Milchsäure abgebaut, die sich positiv auf die Wundheilung auswirkt: Sie vermindert das Risiko für Entzündungen und hemmt die Schmerzentwicklung. „Darüber hinaus stimuliert sie unter anderem das Gewebewachstum, was sich positiv auf die Wundheilung auswirkt.“ Auch bleibt die Membran auf der Verbrennungswunde, bis diese verheilt ist. So sind weniger Verbandwechsel nötig. „Durch das sogenannte Suprathel war es erstmalig möglich, tief zweitgradige Verbrennungen ohne eine Transplantation von Eigenhaut mit guten kosmetischen und funktionellen Ergebnissen in nahezu 95 Prozent der Fälle zur Abheilung zu bringen“, sagt Rapp.