Hilfe in S-Süd Brot und Trost an der Marienkirche

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Die Gemeinde Sankt Maria und der Verein Foodsharing testen einen Fairteiler, an dem Lebensmittel, die sonst entsorgt würden, kostenlos abgegeben werden.

Die Ehrenamtlichen verteilen  vor Sankt Maria Lebensmittel  an Bedürftige. Foto: / Rehman
Die Ehrenamtlichen verteilen vor Sankt Maria Lebensmittel an Bedürftige. Foto: / Rehman

S-Süd - Essen retten“ steht auf einem Plakat an einem Container vor der Kirche Sankt Maria an der Tübinger Straße. Mit einer Theke versehen, könnte er mit einem Marktstand verwechselt werden. In der Auslage liegen Brotwaren sowie Obst und Gemüse. Verkauft wird hier nichts. Wer will, kann die Ware vom Vortag mitnehmen.

Ware stammt aus einem Supermarkt

Sie stammt aus einem Biosupermarkt an der Tübinger Straße. Lyane Mavoungou, Harry Pfau und Klaus-Peter Konrad nehmen gemeinsam mit Pfarrer Steffen Vogt und Jessica Specht vom Stadtteilprojekt Kugel auf Holzschemeln neben dem Container Platz. Wenige Meter entfernt ziehen die Skateboardfahrer auf dem Platz vor der Kirche ihre Kreise. Das ganz normale Treiben an der Tübinger Straße.

Die drei Männer gehören zur Gemeinde Sankt Maria oder fühlen sich ihr verbunden. Sie arbeiten in Schichten von montags bis samstags von 10 bis 20 Uhr an dem Stand, den Pfarrer Vogt als „Versuchsballon“ bezeichnet. Ziel sei, einen sogenannten Fairteiler dauerhaft zu installieren, erklärt Pfarrer Vogt. „Wünschenswert wäre das unter der Paulinenbrücke“, sagt er.

Lebensmittel wandern sonst in den Müll

Die Brücke gilt immer noch als Treffpunkt von Menschen in Stuttgart, die sozial marginalisiert sind. Ein Fairteiler bietet wie der Container vor der Kirche Lebensmittel zur Mitnahme an, die sonst entsorgt werden würden. Den Interims-Fairteiler gibt es laut Angaben der Ehrenamtlichen seit Mitte August. Solange es möglich sei, solle er bestehen bleiben, erklärt Pfarrer Vogt. „Im Moment sind Semesterferien, da haben einige unserer Ehrenamtlichen Zeit, um zu helfen“, meint er.

Die katholische Gemeinde arbeitet bei ihrem Projekt mit dem Verein Foodsharing zusammen. Er betreibt Fairteiler an unterschiedlichen Orten in Stuttgart wie zum Beispiel Degerloch oder Sillenbuch. In der näheren Umgebung der Paulinenbrücke gebe es dagegen keinen solchen Verteiler, sagt Pfarrer Vogt.

Die Kooperation gibt es schon lange

Die Biosupermarktfiliale an der Tübinger Straße arbeite bereits mit Foodsharing zusammen, erzählt Vogt. „Weil Foodsharing nicht die Kapazitäten hat, alle unverbrauchten Lebensmittel abends abzuholen, ist der Gedanke für das Projekt entstanden“, sagt er.

Nun gelte es, zu testen, ob der Bedarf für einen dauerhaften Verteiler von Lebensmitteln an der Tübinger Straße gegeben sei, erläutert der Pfarrer. Harry Pfau steht als Ehrenamtlicher an der Theke und gibt Lebensmittel ab. Er berichtet von 50 bis 60 Personen, die Obst und Gemüse, Brot oder Milchprodukte in Empfang nehmen. „Bei einigen, die vorbeilaufen, habe ich das Gefühl, dass sie sich noch nicht trauen“, meint er. Den Erzählungen zufolge scheint die Mitnahme für viele mit Scham verbunden zu sein. „Da fließen auch schon Tränen“, sagt Pfau. Wichtig sei es deshalb, den Menschen nicht nur die Lebensmittel zu übergeben, sondern auch ein offenes Ohr für ihre Sorgen zu haben, meint er. „Viele haben auch konkrete Fragen, zum Beispiel wie die Lage in den Notunterkünften jetzt in der Pandemie ist. Manchmal können wir dann nur an die Sozialarbeiter verweisen.“

Pfau und auch die anderen ehrenamtlichen Mitarbeiter schildern den Eindruck, dass manche erst durch die Coronakrise in Not geraten sind. Lyane Mavoungou berichtet, dass er in Gesprächen immer wieder eines höre: „Viele sagen mir, dass sie sich nie hätten vorstellen können auf so eine Hilfe angewiesen zu sein“, erzählt er. Jedes Gespräch helfe auch, die Hemmschwelle für weitere Unterstützung zu senken, meint er.

Pfarrer Vogt freut sich, dass viele auch Lebensmittel spenden, um das Projekt zu unterstützen. Er stellt klar, dass ein von Ehrenamtlichen betreuter Fairteiler als Anlaufpunkt mehr leisten kann, als leere Mägen zu füllen. „Was wir hier machen, ist Seelsorge“, sagt er.

50 bis 60 Personen holen Ware ab

Es gibt auch Spenden




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