Stuttgarter gibt Hilfe zur Selbsthilfe in Tansania Trinkwasser gibt es nur im Haus des Pfarrers

Blick in die Berufsschule in Tansania: Hier helfen die Handwerker aus Deutschland bei der Einweisung in die Maschinen. Foto: Elimu4Afrika

Der Stuttgarter Rolf Exler hilft in Ostafrika beim Aufbau und der Entwicklung einer Berufsschule. Er engagiert sich im Verein Elimu4Afrika und will auch andere ermuntern, aktiv zu werden.

Lokales: Iris Frey (if)

Rolf Exler aus Stuttgart-Untertürkheim kümmert sich seit ein paar Jahren um ein Hilfsprojekt in Tansania. Mit viel Herzblut ist der einstige Innungsobermeister für den Bereich Sanitär dort mit ehemaligen Klassenkameraden aktiv. „Chala zählt zu den ärmsten Gegenden Ostafrikas“, sagt der 66-Jährige. Zuletzt war der Untertürkheimer Handwerker drei Wochen vor Ort – als Mitglied des Vereins Elimu4Afrika, dem er seit 2013 angehört. Elimu heißt auf Swahili Bildung. Der Verein setzt sich für mehr Bildung und Ausbildung ein. Der Ort mit seinen 20 000 Einwohnern erhält seit zehn Jahren Hilfe von Elimu4Afrika. Gegründet wurde der Verein von Roland Ketterer. Mit ihm, Gerard Arnold und Konrad Minzer ist er im Frühjahr dort gewesen, unterstützt vom Lions Club Stuttgart Neckar.

 

2022 das erste Mal in Tansania beim Hilfsprojekt

Rolf Exler war bis 2021 in Untertürkheim Chef eines Sanitärbetriebs mit gut 13 Mitarbeitern. 2021 ging er in Rente und schloss den Betrieb. 2022 reiste er das erste Mal nach Tansania. Da waren die Gegebenheiten noch ganz anders vor Ort, berichtet der 66-Jährige. „Vor zwei Jahren war unsere Dusche der Eimer. Den stellten wir morgens in die Sonne und konnten abends mit dem Schöpflöffel duschen“, erzählt Exler. Seit diesem Jahr gibt es einen Warmwasseranschluss. Für den haben die Handwerker gesorgt. So hat sich die Situation Stück für Stück verbessert. Denn bis heute gibt es nur fünf bis sechs Wasserzapfstellen im Ort, berichtet Exler. Die einzige Trinkwasserstelle ist im Haus des Pfarrers.

Trinkwassertank und Warmwasseranlagen installiert

Als nächstes wurde damit begonnen, die Berufsschule zu bauen für die Bereiche Sanitär, Elektro und Solar. Auch Wissen und Ausbildung zu den Themen Büro und Ackerbau soll vermittelt werden. 2022 waren schon die ersten 60 Auszubildenden vor Ort, die zwei Monate zuvor eingezogen waren in den Komplex mit vier Lehrerzimmern, vier Schlafräumen, einem Konferenzraum, Bibliothek, Rektorzimmer. Die Gebäude standen schon. Jetzt wurde alles eingerichtet.

In diesem Frühjahr wurde ein zweiter Trinkwassertank aufgebaut, der am Tag 1200 Liter Trinkwasser liefert. Aktuell leben 90 Schüler in der Ausbildungsstätte. Ein erster Tank war in der Küche 2022 aufgestellt worden. Jetzt wurde eine Küchenspüle eingerichtet, eine 300 Liter Warmwasseranlage auf dem Dach installiert, die erste war 2022 aufgebaut worden. Auch wurde ein Verbrennungsofen für Müll neben der Küche gebaut.

Im Herbst soll noch eine Photovoltaikanlage installiert werden. Die Arbeit vor Ort sei spannend, sagt Exler, vor allem wenn man die Fortschritte sehe: „Der Ort entwickelt sich richtig gut.“ Bislang gab es in dem Gebiet Monokultur mit Maisanbau. Auf dem Speiseplan der Schule steht oft das Gericht Ugali – eine Mischung von Maisbrei und Bohnen als Hauptmahlzeit. Oder auch mal Pfannkuchen. Als Gastgeschenk werden Hühner weitergegeben. Auch Exler bekam ein Huhn, dass er der Schule spendete. Derzeit werde auch der Ackerbau vielfältiger, berichtet er. An der Schule wurden jetzt erste Flächen angelegt, es werden Tomaten, Zwiebeln und Chili angepflanzt. Ziel ist es, dass sich die Schule selbst versorgen kann. Auch soll mit den Bauern des Orts eine Genossenschaft aufgebaut werden.

2010 wurde mit den Bewohnern ein Trinkbrunnen gebaut

Der knapp 200 Mitglieder starke Verein ist in Ostafrika ein bis zwei Mal vor Ort. Neben dem Handwerk sollen auch noch gespendete Computer in die Schule kommen. Vereinsgründer waren Pfarrer Anselmo Kashatila und Roland Ketterer. Sie kümmerten sich 2010 um den Kauf von Land, um mit den Dorfbewohnern einen Trinkbrunnen zu errichten. 2012 ging der Brunnen kaputt. Das war der Auslöser für die Vereinsgründung. „Der Verein wurde im Januar 2013 gegründet und ich bin am 1. Juni 2013 bei unserem Meisterschul-Klassentreffen in Hemmenhofen am Bodensee eingetreten“, erklärt Exler. Auch sein Meisterschul-Kamerad Gérard Arnold trat dem Verein bei.

Fasziniert von der Dankbarkeit der Menschen

Dieses Jahr waren Exler, Arnold Ketterer und Vorstandsmitglied Konrad Minzer in Afrika. Was den 66-Jährigen Exler besonders anspornt und fasziniert, ist „die Dankbarkeit der Menschen“. Morgens ermuntern sich die Schüler gegenseitig zum Zusammenhalt und zu positiven Zielen. Auch ins Dorf gibt es Kontakte. „Eines der Vereinsmitglieder hat eine Patenschaft für ein Kind übernommen.“

Die Schüler kommen aus einem Umkreis von 1000 Kilometern nach Chala angereist mit dem Bus, dem einzigen öffentlichen Verkehrsmittel. Der nächste Flughafen ist in Upanda etwa drei Fahrstunden mit dem Auto entfernt. Die dreijährige Ausbildung kostet 1000 Euro mit Übernachtung, erzählt Exler. Ein Tagelöhner, der etwa im Ort Ziegel brenne für den Hausbau, verdiene etwa zwei Euro am Tag, ein Lehrer 150 bis 200 Euro und der Schulleiter 300 Euro. Selbstzahler gibt es nur wenige in der Berufsschule. Die meisten Kosten übernehme der gemeinnützige Verein, der von Spenden lebt. Exler ist mit Wehmut zurückgereist. Vermutlich war er, seiner Frau zuliebe, das letzte Mal vor Ort. Dennoch berichtet er gerne von dem Projekt, das den Menschen eine Zukunft bietet. „Denn die Leute wollen dort bleiben.“ Er will andere ermuntern, sich ebenfalls zu engagieren.

Weitere Informationen gibt es unter: www.elimu4afrika.com und über die Schule www.stanselmvtc.ac.tz.

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