Hilfsaktion für 36-Jährigen aus Winnenden Ein Bakterium ändert alles

Alexander Vakar will eine Umschulung machen und arbeiten. Doch erst braucht er einen barrierefreien Zugang zu seinem Zuhause. Foto: Gottfried Stoppel

Von einem Tag auf den anderen ist der 36-jährige Alexander Vakar aus Winnenden auf einen Rollstuhl angewiesen gewesen. Schuld ist eine Rückenmarksentzündung. Trotzdem will er so schnell wie möglich arbeiten. Doch bislang kann er mangels Rampe nicht einmal die Wohnung verlassen.

Winnenden - Manche Lebensgeschichten gehen an die Nieren. Die von Alexander Vakar gehört dazu. Eigentlich wollte der 36-Jährige aus Winnenden in diesem Frühjahr mit Freunden den Montblanc besteigen. Doch seit November sitzt er im Rollstuhl. Ein winziges, kugelförmiges Bakterium hat sein Leben auf den Kopf gestellt – von einem Tag auf den anderen war nichts mehr, wie es war.

 

Das Bakterium heißt Staphylococcus hominis und ist auf der Hautoberfläche der meisten Menschen zu finden. Bei Alexander Vakar hat es eine Entzündung des Rückenmarks verursacht, die sich erstmals in der Nacht zum 1. November durch stechende Rückenschmerzen bemerkbar machte. „Ich habe gedacht, dass ich vielleicht in der Arbeit zu schwer gehoben habe“, erzählt der Konstruktionsmechaniker, der seit Jahren bei der Firma Merath in Waiblingen arbeitet.

Die erste Diagnose: Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall

Alexander Vakar nahm eine Schmerztablette, die Wirkung zeitigte, und fuhr am nächsten Morgen wie geplant mit seiner Mutter nach Salzgitter, um Verwandte zu besuchen. Dort angekommen, kehrten die Schmerzen zurück – so stark, dass er ins Krankenhaus ging. „Der Arzt dort meinte, es sei vermutlich ein Hexenschuss oder ein Bandscheibenvorfall“, erzählt Alexander Vakar. Weil eine Untersuchung im Kernspintomograph (MRT) am Wochenende nicht möglich war, wurde er wieder heim geschickt.

„Abends habe ich ein komisches Gefühl im rechten Bein bemerkt, meine rechte Seite wurde von der Hüfte abwärts immer tauber“, berichtet der 36-Jährige, der gleich nach seiner Heimkehr nach Winnenden zum Arzt gehen wollte. Dazu ist es nicht mehr gekommen: als er am Sonntag aufwachte, konnte er sein rechtes Bein nicht mehr belasten, „es fühlte sich an wie Watte“. Ein Rettungswagen brachte Alexander Vakar zurück in die Klinik, wo er Schmerzmittel bekam und auf eine MRT-Untersuchung am Montag warten sollte. Im Laufe des Sonntags aber war plötzlich das Gefühl in beiden Beinen weg und er wurde in die Uniklinik Hannover verlegt. Dort erhielt er die Diagnose Myelitis, eine schwere Entzündung des Rückenmarks.

Das Gefühl in den Beinen ist nach wie vor weg

„In den ersten Tagen habe ich nicht so recht verstanden, was da mit mir passiert. Ich war überzeugt, dass alles wieder gut wird“, sagt der 36-Jährige. Bei vielen Patienten tritt tatsächlich nach einiger Zeit eine Besserung oder gar Heilung ein – nicht bei Alexander Vakar. Er wartete und wartete: „Aber es kam nichts zurück.“ Stattdessen leidet er an Phantomschmerzen: „Ich habe ein Kribbeln und Druck in den Beinen.“ Trotz Medikamenten und einem Austausch des Blutplasmas ist die Entzündung noch in seinem Körper, das Rückenmark nach wie vor angeschwollen.

Fortbewegen kann er sich nur noch mit einem Rollstuhl. Seine Wohnung musste Alexander Vakar aufgeben. Er ist zu seiner Mutter gezogen, doch deren Zuhause ist alles andere als behindertengerecht ausgestattet. Die Räume liegen zwar im Erdgeschoss, aber der Weg zur Wohnungstür führt über mehrere Treppenstufen – ein Hindernis für Alexander Vakar, der ohne fremde Hilfe in den vier Wänden festsitzt.

Nicht einmal auf die Terrasse kann er selbstständig fahren, denn hier blockiert eine für Laien unscheinbar wirkende, für Rollstuhlfahrer aber unüberwindbare Schwelle den Weg. Die Küche ist zu eng und die Geräte sind so platziert, dass Alexander Vakar nicht drankommt. „Er kann nicht einmal etwas aus dem Kühlschrank holen“, sagt seine Cousine Kristina Pavlidis. Das Badezimmer haben Verwandte und Freunde in Eigenregie behelfsmäßig umgebaut und eine Wand entfernt, sodass Alexander Vakar es nutzen kann – aber nur, wenn er dazu mühselig von einem Rollstuhl in einen anderen wechselt.

Eine Rampe muss her

„Die größte Baustelle ist erst mal die Rampe“, sagt Kristina Pavlidis. Die Erlaubnis, einen barrierefreien Zugang ans Haus bauen zu lassen, hat Alexander Vakar mittlerweile – zunächst, so erzählt Kristina Pavlidis, hatten sich andere Wohnungseigentümer dagegen ausgesprochen: „Man muss sich schon eine dicke Haut zulegen.“ Allein die Rampe schlage mit rund 12 000 Euro zu Buche, berichtet Alexander Vakar, der hofft, dass zumindest ein Teil der Umbaukosten von Kranken- oder Rentenkasse übernommen werden.

Sein Wunsch: ein normales Leben im Rollstuhl

Besonders die Rampe sehnt der 36-Jährige herbei. Dass er plötzlich für Kleinigkeiten auf die Hilfe anderer angewiesen ist, bedrückt ihn, klagen hört man ihn nicht. „Ich will nicht rumsitzen, ich kann und will Gas geben und wieder arbeiten“, sagt er. Er plant eine Umschulung zum Maschinenprogrammierer, sein Arbeitgeber wäre einverstanden. Unmengen von Formularen hat Vakar schon ausgefüllt, unzählige Telefonate geführt. Doch es geht nur langsam voran.

„Vollzeit werde ich wohl nie wieder arbeiten können“, sagt Alexander Vakar, der sich zwischendurch hinlegen und einzelne Körperpartien entlasten muss, damit sich keine gefährlichen Druckstellen bilden. Eine Hosennaht oder der Gummizug einer Socke können schlecht heilende Wunden verursachen. Kürzlich hat er sich sogar schlimm am Bein verbrannt, weil er nicht spürte, dass ein Metallgegenstand heiß war. Trotz allem hat er sich vorgenommen: „Ich will ein normales Leben führen – im Rollstuhl.“

Wie man Alexander Vakar helfen kann

Auf der Internetplattform „Gofundme“ haben Verwandte und Freunde ein Spendenkonto für Alexander Vakar eingerichtet. Zu dieser Seite geht es hier.

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