InterviewHilfsfristen im Rems-Murr-Kreis Retter unter Zeitdruck

Von Harald Beck 

Die Hilfsfristen werden im Rems-Murr-Kreis nicht eingehalten. Fahrzeuge und Mittel seien genügend vorhanden, sagt Eberhard Kraut, aber es gebe eine hohe Zunahme an Einsätzen und Probleme, geeignetes Personal zu finden.

Nicht immer schaffen es die Helfer, binnen 15 Minuten am Unglücksort zu sein. Foto: Stoppel/Archiv
Nicht immer schaffen es die Helfer, binnen 15 Minuten am Unglücksort zu sein. Foto: Stoppel/Archiv

Rems-Murr-Kreis - In Notfällen sollten Rettungswagen und Arzt binnen 15 Minuten am Ort des Unglücks sein – so schreibt es das Rettungsdienstgesetz vor. Vor zwei Jahren wurde diese Quote im Rems-Murr-Kreis erstmals in beiden Bereichen eingehalten, seitdem sinkt sie wieder deutlich. Eberhard Kraut, der Vorsitzende des für den Rettungsdienst verantwortlichen Bereichsausschusses, erklärt, warum das so ist.

Herr Kraut, trotz zusätzlicher Manpower in Althütte, Rettungswachen-Verlagerung in Backnang und manch anderen in den vergangenen Jahren getroffenen Maßnahmen sinken die Werte bei der Einhaltung der Rettungsfristen seit zwei Jahren wieder – jetzt sogar unter die vorgegebene Marke. Was ist los im Rems-Murr-Kreis?
Im Grunde gibt es im Rems-Murr-Kreis zwei wesentliche Faktoren: Die Einsatzzahlen sind in den letzten beiden Jahren im Vergleich zum Landesdurchschnitt überproportional um 13 Prozent gestiegen. Durch die ­Klinikverlegung nach Winnenden haben sich speziell im Rems-Murr-Kreis zudem die Wege – und damit die Einsatzdauer – ­verlängert.
Wer ist im Bereichsausschuss für das Rettungswesen, dem Sie vorsitzen, eigentlich mit von der Partie?
Der Bereichsausschuss setzt sich aus stimmberechtigten und beratenden Mitgliedern der Kostenträger, also Vertretern der Krankenkassen, der Leistungserbringer, also der Rettungsdienstorganisationen, sowie der Aufsichtsbehörde, sprich dem Landratsamt, zusammen.
Andernorts in der Region, auch im gesamten Land, ist in Sachen Hilfsfristen Ähnliches zu beobachten. Gibt es da allgemeine Trends und Probleme?
Überall sind nach unserem Kenntnisstand steigende Einsatzzahlen die grundlegende Ursache.
Im Jahr 2015 hat es Änderungen im Rettungsdienstgesetz gegeben. Seitdem gilt vor allem eine deutlich verschärfte Dokumentationspflicht. Spielt dies bei dem just seit jenem Jahr ins Negative kippenden Trend vielleicht auch eine Rolle?
Die Dokumentationspflicht hat in der praktischen Umsetzung keine Auswirkung auf die Hilfsfristen. Sie dient allein der trägerübergreifenden Qualitätssicherung im Rettungsdienst Baden-Württemberg, kurz der SQR-BW.
Fehlt es angesichts steigender Einsatzzahlen letztlich vielleicht schlicht auch an genügend Geld, geeignetem Personal und ausreichender Ausstattung?
Für die „Arbeitsgruppe Hilfsfrist“des Bereichsausschusses sind die Hilfsfristen im Rems-Murr-Kreis ein ständiges Thema. Grundsätzlich fehlt es weder am Willen des Bereichsausschusses, der dafür erforderlichen technischen Ausstattung oder den finanziellen Möglichkeiten. Eine große Herausforderung ist dagegen in der Tat, für den Rettungsdienst qualifiziertes Personal zu finden.
Am Runden Tisch sind Maßnahmen beschlossen worden, um wieder in den grünen Bereich zu kommen. Wann werden die 95 Prozent binnen 15 Minuten wieder erreicht?
Die Zahlen zu den Hilfsfristen werden von vielen Faktoren, zum Beispiel den Einsatzzahlen, der Topografie oder den Personalressourcen mitbestimmt. Leider ist ein wesentlicher Teil davon nicht vorhersehbar oder durch Planungen beeinflussbar, weswegen eine zuverlässige Prognose nicht möglich ist.



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