Hilfsprojekt in Hemmingen Einsatz für Kinder in Honduras

Von Franziska Meißner 

Das Bildungsniveau in Honduras ist niedrig, an vielen Schulen fehlt es am Nötigsten. Carolina und Frank Brost aus Hemmingen wollen mit ihrem Verein Sonrisa helfen, das zu ändern – und den Schülern eine bessere Perspektive ermöglichen.

Carolina und Frank Brost engagieren sich für Kinder in Honduras. Foto: factum/Granville
Carolina und Frank Brost engagieren sich für Kinder in Honduras. Foto: factum/Granville

Hemmingen - Einmal im Jahr werden Carolina und Frank Brost daran erinnert, wie gut es ihnen geht. Dann nämlich, wenn das Hemminger Ehepaar mit seinem kleinen Sohn in die alte Heimat von Carolina fährt: Honduras. In dem Land, das eine zweifelhafte Berühmtheit erlangt hat, weil es weltweit die mit Abstand höchste Mordrate hat, fehlt es an Dingen, die hierzulande selbstverständlich sind. Fast zwei Drittel der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze von einem US-Dollar pro Tag. Marodierende Banden wie die Maras, die berüchtigten Jugendgangs, ziehen durch das Land. Und viele Familien haben drängendere Sorgen als die Bildung ihrer Kinder.

„Viele Kinder müssen auf den Feldern helfen, statt zur Schule zu gehen“, sagt Frank Brost. Die Schulen seien vernachlässigt von der Regierung. Es fehle oft an den Grundlagen wie Stühlen und Tischen, sagt der 40-Jährige, und die Dächer seien häufig undicht oder asbestbefallen.

Stühle und Tische für die Schüler

Die Brosts konnten die Augen davor irgendwann nicht mehr verschließen. „Wir wollten eigentlich schon immer etwas tun“, sagt Frank Brost. Wirklich umgesetzt hat das Paar seine Ideen aber erst, als Frank Brost vor einigen Jahren für längere Zeit krank war. „Wir wollten unserem Leben mehr Sinn geben“, sagt der Hemminger.

Vor zwei Jahren haben sie gemeinsam mit einer honduranischen Freundin angefangen, sich für die Kinder in Choluteca einzusetzen, einer Stadt im Süden des lateinamerikanischen Landes. Eine Stadt mit fast 200 000 Einwohnern, die Frank Brost als „ein wenig vergessen“ von den internationalen Hilfsorganisationen bezeichnet. Zwei Schulen haben sie dort renoviert und zumindest mit dem Notwendigsten – Stühlen, Tischen, Lernutensilien – ausgestattet, marode Dächer neu gedeckt. Unterstützt hat sie Carolinas Vater, ein Bauingenieur. Auch die Eltern der Kinder haben beim Renovieren geholfen. Im August haben sie mit dem dritten Projekt begonnen, einem Kindergarten. Mittlerweile ist aus dem Engagement der Verein Sonrisa, Spanisch für Lächeln, mit zwölf Mitgliedern geworden.

Sanitäranlagen waren zu teuer

Drei Projekte in zwei Jahren – keine schlechte Bilanz, könnte man meinen. Die Brosts würden trotzdem gern mehr tun. „Wir bekommen viele Anfragen“, sagt Carolina Brost. Um mehr zu machen bräuchten sie aber mehr Spenden. „Man kann mit relativ wenig Geld viel tun“, sagt Frank Brost. Stühle vom lokalen Schreiner zimmern lassen etwa koste nicht viel. Anderswo stoßen die Brosts aber an ihre Grenzen: Neue Sanitäranlagen kosten nach Aussage von Frank Brost zwischen 5000 und 7000 Euro. Geld, das die Brosts nicht hatten.

Bildung, so sehen es die Brosts, ist der einzige Weg der Kinder aus der Armut, „ein Fundament fürs Leben“, sagt Frank Brost. Nur ein knappes Viertel der Schüler besuche nach der Grundschule eine weiterführende Schule. Und auch für die ersten Jahre gibt es laut Brost nur eine theoretische Schulpflicht. „Ich war überrascht, dass es die in Deutschland wirklich gibt“, sagt Carolina Brost, die seit 2007 hier lebt.

Langfristiges Ziel: ein eigenes Kinderhaus

Die 38-Jährige ist zwar in Honduras aufgewachsen, hatte aber das Glück, auf eine Privatschule gehen zu können. Auch da wird die Kluft zwischen Arm und Reich deutlich: Es gibt heruntergekommene öffentliche Schulen und herausgeputzte private Schulen, an denen es den Kindern an nichts mangelt – inklusive Wachmännern.

Für die Brosts ist ihr Engagement in Honduras ein „Herzensanliegen“ geworden. Sie wollen noch viel mehr Kindern helfen, mehr Schulen sanieren. Und sie wollen anfangen, Patenkinder zu vermitteln. Langfristig, sagt Frank Brost, wolle die Familie ihr jetziges Leben in Deutschland vielleicht ganz hinter sich lassen – und in Choluteca ein eigenes Kinderhaus bauen.