Konflikt mit Hauptradroute in Stuttgart beendet Grünes Licht für Außengastro vor der Oper
So sieht die Einigung aus: Weniger Bänke und Tische, die mit den Containern an die Seite wandern. Der Rad- und Fußweg wird nicht beeinträchtigt.
So sieht die Einigung aus: Weniger Bänke und Tische, die mit den Containern an die Seite wandern. Der Rad- und Fußweg wird nicht beeinträchtigt.
Das Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Württembergischen Staatstheater und die Stadt haben sich auf eine Lösung verständigt, die eine Außengastronomie vor der Oper von Ende Juni an ermöglicht. Das haben die an einem Gespräch Beteiligten am Dienstag in einer gemeinsamen Mitteilung festgestellt. Die Idee der temporären Theaterterrasse schien zuletzt nicht umsetzbar, weil die städtische Straßenverkehrsbehörde keine Chance zur Verlegung der Hauptradroute 1 gesehen hat. Sie verläuft vor dem Littmannbau. Diese auf der B 14 oder zwischen der Bundesstraße und der Oper sowie dem Kulissengebäude verlaufen zu lassen, stieß auf Widerstand der Verwaltung und des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Die Landesabteilung Vermögen und Bau schlug vergeblich vor, eine Spur der B 14 vorübergehend für den Radverkehr zu sperren.
Nun solle mit einem geänderten Konzept weder der Rad- noch der Fußgängerverkehr durch die Außengastronomie beeinträchtigt werden. Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper sagte, er freue sich, „dass der Durchbruch gelungen ist“. Zukünftig sei vor dem Opernhaus beides möglich: Außengastronomie und Hauptradroute 1.
Damit rückten die Staatstheater näher an die Menschen „und wir schaffen mehr Lebensgefühl, Belebung und Sicherheit im Oberen Schlossgarten“. Zufrieden äußerte sich auch Staatssekretär Arne Braun: „Was für eine gute Nachricht für Stadt und Land: Heute wurde im konstruktiven Miteinander aller Partner eine Lösung gefunden – die temporären Theaterterrassen können jetzt öffnen. Ein neuer Treffpunkt für die Menschen entsteht, und einer der schönsten Kulturplätze der Republik wird wachgeküsst“. Das sei „eine klassische Win-win-Situation“.
Das nun gemeinschaftlich verabschiedete Konzept der temporären Theaterterrassen sehe 120 Plätze an Biergarnituren vor, die nun nicht mehr direkt vor, sondern seitlich versetzt neben der Freitreppe des Opernhauses (in Richtung Schauspielhaus) eingerichtet würden. Bisher waren 144 Plätze vorgesehen. Bewirtschaftet werde die Fläche aus drei Containern heraus, darunter ein Bar-Container und eine Mobile Theke (Selbstbedienung). In der Mitteilung war keine Rede davon, ob und wie viele Überseecontainer über die genannten hinaus für die sanitären Einrichtungen nötig würden. Ein Plan sieht aber jene neun vor, die schon bei einer Präsentation im Stuttgarter Rathaus gezeigt worden waren. Davon unabhängig soll der Verkaufswagen mit der Sektbar vor dem Schiller-Standbild weiterbetrieben werden. Die neue Außengastronomie soll täglich bewirtschaftet werden, beginnend mit dem 30. Juni bis Ende Oktober. Der Bauantrag solle zunächst einmal für das Jahr 2023 genehmigt werden.
Auch der Geschäftsführende Intendant der Württembergischen Staatstheater, Marc-Oliver Hendriks, zeigte sich begeistert darüber, „dass wir nun gemeinsam mit der Landeshauptstadt die Möglichkeit gefunden haben, eine attraktive Außengastronomie vor dem Opernhaus zu etablieren. Das ist ein wichtiger Schritt der weiteren Öffnung der beiden Theatergebäude in den Stadtraum hinein“. Damit könnten die Staatstheater den Bürgern „schon in diesem Jahr und das durchgehend während der Sommerwochen ein stimmiges Angebot zum lustvollen Verweilen machen“.
Möglich geworden sei die Einigung, weil die Staatstheater ihr ursprüngliches Gastronomie-Konzepts überarbeitet haben. Neben der Reduzierung der Sitzplatzzahl wurden die Lager- und Sanitärcontainer abseits der bewirtschafteten Zone an den Rand der Fläche verschoben.
Im Gemeinderat hatten bis auf das Linksbündnis alle Fraktionen das geplante Angebot gut gefunden – allerdings unter der Voraussetzung, dass der Radverkehr nicht beeinträchtigt wird. Im konkreten Fall entscheidet jedoch das Baurechtsamt über den Antrag, nicht das Bürgergremium.
Eine Ausschreibung für die Konzession ist laut Wissenschaftsministerium nicht nötig. Diese sei als Ganzes (Pausengastronomie, Kantinenbewirtschaftung, Sonderveranstaltungen und Außengastronomie) fremd vergeben worden. Vor dem Opernhaus existiert mit dem Sektstand schon eine Außenbewirtung. 120 zusätzliche Plätze seien lediglich eine Ausweitung.