Hinrichtung in den USA Todeskandidat stirbt qualvoll

Ein Gefängisaufseher in Arizona bereitet eine Hinrichtung per Giftspritze vor. Foto: AP
Ein Gefängisaufseher in Arizona bereitet eine Hinrichtung per Giftspritze vor. Foto: AP

Im Staatsgefängnis von Florence im US-Bundesstaat Arizona ist ein zum Tode verurteilter Mann erst Stunden nach Verabreichung der Spritze gestorben, weil der Giftcocktail offenbar nicht richtig wirkte.

Korrespondenten: Damir Fras (fra)
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Arizona - Was für gewöhnlich nur wenige Minuten dauern soll, zog sich am Mittwoch lange hin: Die Hinrichtung eines zum Tode verurteilten Mannes ging völlig schief,  Joseph Wood starb erst nach einem fast zweistündigen Todeskampf, weil der Giftcocktail offenbar nicht richtig wirkte.

Der Vorfall im Staatsgefängnis von Florence im US-Bundesstaat Arizona war nach Ansicht von Todesstrafen-Gegnern ein Verstoß gegen die US-Verfassung, die grausame und ungewöhnliche Bestrafungen verbietet.  Die Hinrichtungspanne war schon die dritte in diesem Jahr in den USA.

Noch eine Stunde nach der Injektion der Spritze habe der 55 Jahre alte Mann geröchelt und geschnaubt, berichteten Woods Anwälte nach der Exekution. „Ich habe zehn Hinrichtungen beobachtet, aber so etwas habe ich noch nicht gesehen“, sagte der Anwalt Dale Baich. Der Reporter Troy Hayden sagte, der Delinquent habe ihn an einen Fisch erinnert, der an Land gespült worden sei und nach Luft geschnappt habe.

Anwälte versuchen, die Exekution zu stoppen

Als während der Hinrichtungsprozedur klar wurde, dass der Todeskandidat Qualen litt, riefen seine Anwälte den Obersten Gerichtshof an, um die Exekution zu stoppen. Ein vergeblicher Versuch. 30 Minuten nachdem der Gefängnisarzt schließlich den Tod Woods festgestellt hatte, kam die Ablehnung des Antrags aus Washington.

Joseph Wood, verurteilt wegen Mordes an seiner Ex-Freundin und deren Vater, hatte in den Tagen vor dem Hinrichtungstermin über seine Anwälte versucht, Informationen über die Substanzen zu erhalten, die ihn töten sollten. Die Gerichte gingen darauf nicht ein.

Woods Exekution dürfte die öffentliche Debatte über Hinrichtungen mit Injektionen in den USA weiter befeuern. Im Januar wurde ein Mann in Ohio eine halbe Stunde nach Verabreichung der Spritze für tot erklärt. Ende April starb in Oklahoma ein Todeskandidat nach 43 Minuten an einem Herzinfarkt, nicht aber an dem Gift.

Giftstoffe für Hinrichtungen sind schwer zu bekommen

Die Gefängnisverwaltungen in den 32 US-Bundesstaaten, in denen die Todesstrafe noch gilt, haben seit langem Schwierigkeiten, die Giftstoffe für Hinrichtungen zu bekommen. Europäische Hersteller weigern sich, die Chemikalien zu verkaufen, wenn diese für Exekutionen eingesetzt werden sollen. So greifen einige US-Bundesstaaten mittlerweile auf Giftcocktails zurück, die aus obskuren Quellen stammen und nur unzureichend wirken. Genaue Angaben darüber gibt es aber nicht, weil die Behörden die Auskunft verweigern.

Die Bürgerrechtsorganisation ACLU fordert inzwischen einen sofortigen Stopp der Hinrichtungen per Giftspritze. „Es wird Zeit für Arizona und alle anderen Staaten, die die Giftspritze einsetzen, endlich einzugestehen, dass die Experimente mit unzuverlässigen Giften ein Reinfall sind“, hieß es in einer Erklärung.

Dagegen reagierten die Angehörigen der Mordopfer mit Genugtuung auf die Nachricht von Woods Todeskampf. „Dieser Mann hat schreckliche Verbrechen begangen, und ihr macht euch Sorgen um die Medikamente“, sagte der Schwager der von Wood ermordeten Frau. Man hätte Wood auch eine Kugel verpassen oder Rohreiniger verabreichen können. Arizonas republikanische Gouverneurin Jan Brewer erklärte, alles habe seine Richtigkeit. Wood habe nicht leiden müssen, sagte die Politikerin. Gleichwohl ordnete Brewer eine Untersuchung der Hinrichtung an.




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