Hinrichtungen in Frankreich Das letzte Fallbeil

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Die Guillotine ist ein Hinrichtungswerkzeug aus längst vergangenen Zeiten? Tatsächlich liegt die letzte Exekution mit dem Fallbeil gerade mal 40 Jahre zurück – und hat im Nachbarland Frankreich stattgefunden.

Die schauerliche Guillotine stammt aus dem Strafvollzugsmuseum  Ludwigsburg. Foto: factum
Die schauerliche Guillotine stammt aus dem Strafvollzugsmuseum Ludwigsburg. Foto: factum

Marseille - Sie ist ein martialisches Exekutionsinstrument und erscheint wie ein Relikt aus zum Glück lang zurückliegenden, brutalen Zeiten. Doch die Guillotine ist in Europa erst vor 40 Jahren endgültig ein Fall fürs Kriminalmuseum geworden. Am 10. September 1977 war das Fallbeil im Nachbarland Frankreich ein letztes Mal im Einsatz. Im Gefängnis Les Baumettes in Marseille exekutierte der Scharfrichter Marcel Chevalier den gebürtigen Tunesier Hamida Djandoubi, den das Gericht des Mordes an seiner Lebensgefährtin für schuldig befunden hatte.

Ein Gnadengesuch blieb erfolglos

Ein letztes Gnadengesuch mit dem Ziel, das Todesurteil in eine lebenslange Haftstrafe umzuwandeln, lehnte der damalige französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing am 9. September 1977 ab, im Morgengrauen des nächsten Tages starb der Verurteilte um 4.40 Uhr unter dem Fallbeil. Zwar saßen in den französischen Haftanstalten mehrere zum Tode Verurteilte ein, zu weiteren Exekutionen kam es allerdings nicht mehr. Unter Giscard d’Estaings Nachfolger François Mitterand schaffte Frankreich am 30. September 1981 die Todesstrafe ab. Noch im Oktober 1980 hatte ein Geschworengericht in Frankreich ein Todesurteil ausgesprochen. Doch noch ehe die Todesstrafe offiziell abgeschafft war, wandelte Mitterrand die Strafe in eine lebenslange Freiheitsstrafe um. Die Guillotine gehörte fortan auch in Frankreich zum alten Eisen.

Ihr Namen geht auf den französischen Arzt Joseph-Ignace Guillotin zurück. Der hat das Exekutionswerkzeug aber nicht erfunden, sondern als Mitglied der französische Nationalversammlung im Jahr 1789 lediglich für dessen Verwendung plädierte – aus humanitären Gründen, weil er andere Hinrichtungsarten für noch grausamer hielt. Während der Französischen Revolution wurde das Fallbeil als einziges Hinrichtungswerkzeug in Frankreich eingeführt. So blieb es auch bis zur Abschaffung der Todesstrafe im Jahr 1981.

Ein Deutscher war der letzte, der öffentlich hingerichtet wurde

Der Deutsche Eugen Weidmann, in Frankreich des sechsfachen Mordes überführt, war der letzte Todeskandidat, an dem die Strafe öffentlich vollzogen wurde. Der Scharfrichter exekutierte ihn am 17. Juni 1939 in Versailles. Seit diesem Tag wurden die Strafen hinter Gefängnismauern vollstreckt.