Hip-Hop im Club Zollamt Texten und mixen, breaken und sprayen

In einem Workshop zeigte AirDit die Kunst des Breakdance. Foto: Gottfried Stoppel
In einem Workshop zeigte AirDit die Kunst des Breakdance. Foto: Gottfried Stoppel

Bekannte Hip-Hop-Künstler haben am Wochenende 80 Jugendlichen zwischen 14 und 22 Jahren Breakdancen, Gaffiti, Rappen und Plattenauflegen beigebracht.

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Bad Cannstatt - Let’s do it“, ruft Ardit Gjikaj, der sich AirDit nennt, in die Gruppe, und Kick, Kick, Schritt, Schritt setzen sich 38 Füße zu rhythmischer Musik in Bewegung. Am vergangenen Wochenende hat im Bad Cannstatter Club Zollamt die Red Bull Wings Academy stattgefunden. In vier verschiedenen Workshops lernten 80 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 22 Jahren die unterschiedlichen Elemente der Hip-Hop-Kultur kennen.

Über den Hof verteilt sitzen Gruppen von jeweils vier Jugendlichen in der Sonne und tüfteln an ihren Songs. Der Rapper Maeckes läuft von einer zur

anderen, gibt Tipps und kämpft mit der Technik. „Das funktioniert nicht so richtig“, brummelt er genervt, als die Box Störgeräusche statt satter Bässe ausspuckt. Aus drei Beats sollen sich die Gruppen einen heraussuchen und dazu einen Song texten, der später im mobilen Tonstudio eingespielt wird. „Ich stehe voll auf Klassikbeats“, sagt Arthur Merz (22). „Klavierbeats sind aber auch nicht schlecht“, erklärt Angelina Fallert (17). „Red Bull Wings / Du denkst du bist jetzt ein Rapper / Nur weil du ein Red Bull trinkst“, hat Hannes Lauschke (22) zu Papier gebracht. Etwas holprig zwar, aber immerhin ein Anfang. Sabrina Huber (17), sitzt daneben, den Kopf leicht geneigt, und lässt ihre Gedanken schweifen. „Ich bin eigentlich nur wegen Maeckes gekommen“, sagt sie und schaut mit großen Augen in eine imaginäre Ferne. „Jetzt geht es mir aber auch um unseren Song“, ergänzt sie. „Wir haben sie zum Rappen animiert“, sagt Hannes erfreut.

Einführung in die Kunst der Graffiti

Im Keller des Clubs zeigt DJ Passion an Schallplatten und CDs, wie man scratcht und mixt. Seine Gruppe lernt die Kunst des Plattenauflegens, DJing genannt. Unter einem Sonnenschirm sitzt Dingo Babusch und erklärt seiner Gruppe die Entwicklung der Graffitikunst. Er zeigt Beispiele und versucht die Jugendlichen für seine Sache zu begeistern. „Am Anfang waren die Sprayer von Heavy Metal inspiriert. Da gab es krasse Plattencover. Dann fingen sie an, dreidimensionale Buchstaben zu malen. Das wurde immer krasser. So hat sich das entwickelt bis heute.“ Von den ersten Strichen auf dem Papier bis zum fertigen Motiv an der Wand lernen die Jugendlichen in den beiden Tagen alles zum Thema Graffiti. Am Ende besprühen sie eine Wand, die zersägt wird, so dass jeder ein Stück mit nach Hause nehmen kann.

Auf der Terrasse liegt eine dünne schwarze PVC-Bahn und darauf springen 17 Jungen und zwei Mädchen herum. Hip-Hop ist eben nach wie vor nicht nur eine Jugendkultur, sondern vor allem auch eine Jungenkultur, die ihren Ursprung von den New Yorker Bandenkriegen bis heute erkennen lässt. Fabio Sanna (14) breakt seit zwei Jahren. Bisher hat er alles von seinen Kumpels gelernt. „Das ist wie eine große Familie. Beim Breakdance kann man zeigen, was man kann und seine Gefühle ausdrücken. Meistens geht es mir gut, und dann tanze ich viel temperamentvoller.“

„Fünf, sechs, sieben, acht, ba ba bam“, kommandiert AirDit. In rasendem Tempo kreuzen die Jugendlichen bei den Toprocks ihre Beine, gehen beim Dropdown auf die Knie und dann stehen sie plötzlich still und zwar auf dem Kopf. „Ist das cool“, strahlt Fabio Sann atemlos.




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