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Hip Hop in Stuttgart: DJ Diversion Der Hip-Hop-Romantiker

Competition ist nicht alles, findet DJ Diversion. Foto: DJ Diversion 2 Bilder
Competition ist nicht alles, findet DJ Diversion. Foto: DJ Diversion

In unserer Mini-Serie wollen wir euch die Macher der Hip-Hop-Partyszene vorstellen, ihre Veranstaltungen und die Locations dazu. Im zweiten Teil gibt uns Daniel Bausch aka DJ Diversion einen Einblick in seine Welt der Veranstaltungen und erklärt uns warum Competition nicht alles ist.

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Stuttgart - Willkommen zum zweiten Teil unserer kleinen „Hip-Hop-in-Stuttgart-Serie“. Wie bereits berichtet, wollen wir hier einen kleinen Einblick in die hiesige Szene bieten, den man so als Außenstehender nicht hat. Dazu stellen wir euch einige der lokalen Veranstalter vor, die beliebtesten Locations und Veranstaltungen.

Nachdem wir beim letzten Interview eine kleine Einsicht in die Welt von DJ Skully und seinem Team bekommen haben, nehmen wir diesmal Daniel Bausch ins Kreuzverhör und reden mit ihm über seine Sicht der Dinge in Stuttgart und wie alles bei ihm begonnen hat.

Also, schiess los Daniel. Wer bist du, bzw. unter welchen Namen kennt man dich?
Daniel Bausch aka DJ Diversion, bzw. für viele einfach der Divi.

Erzähl uns was über deine bekanntesten oder erfolgreichsten Veranstaltungen und was du generell so machst.

Zum einen die Brown Sugar Party, die immer am zweiten Samstag des Monats im proTON Stuttgart stattfindet. Zum anderen mach ich teilweise noch die Bookings in der Stereo 5.1 und ein paar weitere Veranstaltungen in anderen Clubs.

Ok, du hast also die Residency im proTON mit der Brown Sugar-Reihe. Wo veranstaltest du sonst noch und ist das nur in Stuttgart?

Stereo 5.1, proTON, außerdem gab es schon mehrere einzelne Events im Cue, der Mono Bar, aber auch außerhalb von Stuttgart. Mit der Brown Sugar Party beispielsweise, hatten wir schon Veranstaltungen in Berlin, Ravensburg, Chemnitz und in Göppingen.

Cool, das heißt du kommst auch gut rum. Seit wann veranstaltet du denn bereits, so etwas entsteht ja nicht von heute auf morgen?

Meine ersten Gehversuche als Veranstalter machte ich bereits 2005, allerdings noch eher im Kreis Nürtingen, wo ich aufgewachsen bin und bis vor vier Jahren auch noch gewohnt habe. 2007 veranstalteten wir dann die ersten Partys in Stuttgart.

Wie kamst du zum Veranstalten, du bist ja wie Skully auch, eigentlich DJ?

Ich denke zum größten Teil über das Auflegen. Aber ich hab mich auch davor schon relativ früh, also bevor ich überhaupt in irgendwelche Clubs rein gekommen wäre, für die Partyszene im Großraum Stuttgart interessiert. Was vor allem durch die Kolchose kam, in deren Umfeld dann auch Hip-Hop-Partys und später der 0711 Club stattfand. Ich war einfach riesiger Fan und hab somit alles aufgesogen.
Richtig aktiv wurde ich dann nachdem ich mit dem Auflegen angefangen habe. Es gab damals im Raum Nürtingen/Reutlingen kaum einen Club, in dem wirklich Hip Hop lief. Dazu kam 2005/2006 die erste große House-Welle und plötzlich gab es überall nur noch Housemusik-Partys. Also haben wir einfach angefangen unsere eigenen Veranstaltungen zu machen, auf denen dann auch wirklich unsere Musik lief.

Klingt wie der klassische Einstieg, also die DIY-Nummer. Gibt es etwas, das dich stört an Hip Hop in Stuttgart?

Hmm… Ich bin da eher so der Hip-Hop-Romantiker. Was mich stört, ist auf jeden Fall der fehlende Zusammenhalt/-arbeit und dieses ständige Konkurrenz-Ding. Ich weiß Competition gehört zum Hip Hop, aber ich hänge eben an dem ursprünglichen Hip-Hop-Gedanken und den teilweise melancholischen Berichten aus der guten alten Zeit. Außer dem Konkurrenzdenken und der Missgunst, nervt mich auch, dass Hip Hop kulturell nicht mehr so wahrgenommen wird, wie es sich meiner Meinung nach gehören würde. Das liegt mit Sicherheit an vielen Klischees, aber auch daran, dass es inzwischen viele Leute gibt, die Hip Hop nur noch als Musik statt als Kultur wahrnehmen und behandeln. Hip Hop ist momentan wieder „in“, deshalb machen wir eine Party auf der Hip Hop läuft .Vielleicht ist Stuttgart deshalb auch so verwöhnt. Ich glaube es gibt kaum eine andere Großstadt in Deutschland, in der es an einem Abend so viele Hip-Hop-Veranstaltungen gibt.

Ok, ähnliches war auch bei Skully herauszuhören - dass es vielen an der Liebe zur Musik und zum Detail fehlt. Du hast einen Wunsch frei, was würdest du dir für die Szene in Stuttgart wünschen?

Auf jeden Fall würde ich mir, wie schon angesprochen, mehr Zusammenhalt und Zusammenarbeit der Hip-Hop-Szene in Stuttgart wünschen. Ich denke mit mehr ehrlicher Kommunikation und etwas mehr Absprachen könnte die gesamte Szene davon profitieren. Darüber hinaus hat es in Stuttgart momentan ja die komplette Clubszene schwer - siehe Röhre, Rocker 33 usw. Ich finde hier den neu gegründeten Interessenverband „Club Kollektiv“ einen recht guten Ansatz. Wobei ich da die Gefahr sehe, dass bestimmte Locations in Stuttgart gegenüber anderen bevorzugt werden und die Stadt mit zweierlei Maß misst, was aktuell schon der Fall ist. Eben die typische, schwäbische Vetterleswirtschaft. Definitiv sollte aber die Lücke geschlossen werden, welche vor allem die Schließung der Röhre hinterlassen hat. Es fehlt an „kleineren“ Konzert-Locations in der Stadt. Hier besteht in Stuttgart, im Gegensatz zu anderen Städten, definitiv Handlungsbedarf.

Divi, vielen Dank für deine ehrlichen Worte. Hoffen wir mal, dass sie Anklang finden und ganz oder zumindest teilweise umgesetzt werden. Mach so weiter und wir sehen uns im Club.




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