HipHop Open in Stuttgart Nicht mehr als ein hübscher Querschnitt

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Erst im Stau stecken bleiben, um dann auf der Bühne Kindergeburtstag zu feiern: Die Rapstars vom Wu-Tang Clan sorgten am Samstagabend für ein eher enttäuschendes Ende der HipHop Open. Insgesamt ergab die Mischung aller Künstler aber einen astreinen Festivaltag samt heiß-fetzigem Abschluss-Abend.

Die HipHop Open 2013 im Kessel. Foto: www.7aktuell.de | Daniel Jüptner 46 Bilder
Die HipHop Open 2013 im Kessel. Foto: www.7aktuell.de | Daniel Jüptner

Stuttgart - Der geneigte Urlauber kennt das Problem: Reist man mit dem Auto einige Hundert Kilometer von A nach B, ist mindestes ein Stau in der Urlaubszeit im Preis inbegriffen. Dumm nur, dass es sich beim Wu-Tang Clan nicht um Studienreisende aus den USA handelt, die Rom, Heidelberg und Paris in drei Tagen erledigen, sondern um eine, wenn nicht die Supergroup des US-Hip-Hop. Selbige Band reiste am Samstag mit solch einer Granatenverspätung zu den HipHop Open nach Stuttgart an - offizielle Begründung: Stau - dass der Zeitplan am Abend gehörig durcheinander gewürfelt wurde.

Der Wu-Tang Clan, die stilbildende HipHop-Band der 90er, hatte zuvor auf dem Dour Festival in Belgien gespielt und die 565 Kilometer nach Stuttgart zeitlich scheinbar falsch kalkuliert. So kam es also, dass die Headliner-Slots am Abend kurzerhand getauscht wurden. Die Beginner um den nasalsten deutschen Popstar Jan Delay mussten bereits um 20 Uhr ran und starteten ihren Auftritt mit einem hübschen Daft-Punk-Medley. Über die Melodien von "Get lucky" und anderen Hits des französischen Elektro-Pop-Duos rappten Jan Delay und sein Kompagnon Dennis Lisk alias Denyo, als schriebe man nicht das Jahr 2013, sondern 1998. Damals reüssierten die Hamburger mit dem wegweisenden Album Bambule, für viele Deutsch-Hip-Hop-Fans neben dem Werk Kopfnicker von Massive Töne das bis heute beste deutsche Rap-Album.

Dass einige der wichtigsten deutschen Hip-Hop-Alben mittlerweile 15 Jahre auf dem Buckel haben, ist Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil die Beginner mit der Folgeveröffentlichung Blast Action Heroes dieses Niveau niemals mehr erreichen konnten. Segen, weil jeder Festivalbesucher die größten Hits der Band, Hammerhart, Füchse, Liebeslied oder Rock on, lippensynchron mitrappen kann.

Ein hübscher Querschnitt - aber nicht mehr

Der Beginner-Auftritt hat schließlich einige Schwächen im Mittelteil, was vielleicht dem Umstand geschuldet ist, dass die Band ihren Auftritt in die Länge ziehen muss, bis die Herren vom Wu-Tang Clan endlich ausgehfertig sind. Der Auftritt des Clans gerät dann leider zu einer mittelschweren Farce. Mitglied Method Man galt einst als einer der besten Rapper der Welt. Die anderen Clanler tragen so lyrische Namen wie Ghostface Killah, Inspectah Deck, U-God, Raekwon oder Masta Killa. Leider ist die Band künstlerisch in den 90er-Jahren hängengeblieben. 1993 legten sie das epochale Werk "Enter the Wu-Tang (36 Chambers)" vor. Das Werk wurde stilbildend in der Populärkultur mit Auswirkungen bis nach Stuttgart. Die erste Gastronomie auf der Theodor-Heuss-Straße hieß nicht von ungefähr die 36 Kammern der Shaolin. 

Was die Herren um Method Man aber 2013 auf den HipHop Open abliefern, wirkt wie eine dreiste Mischung aus Jugendhausauftritt und Kindergeburtstag. Gefühlte 36 Rapper turnen ohne erkennbaren Plan auf der Bühne herum. Man würde das Konzert gerne als lustlos beschreiben, das trifft es aber nicht, schlimmer noch: Der Wille scheint vorhanden, mehr geht aber offensichtlich nicht.

Das Fazit des Festivals: An die HipHop Open 2012 kommt die diesjährige Auflage nicht ganz heran. Im vergangenen Jahr hatten Cro und die Reunion der Kolchose mit Max Herre und Massive Töne 19000 Fans nach Bad Cannstatt gelockt. Die Mischung der Künstler lieferte 2013 aber mindestens einen hübschen Querschnitt durch die Bandbreite des Genres von Blumentopf bis eben Wu-Tang und einen astreinen Festivaltag in Stuttgart. 14000 Fans feierten die Darbietungen von Marteria, den Beginnern oder Tyga. Auf den Auftritt des vermeintlichen Headliners Wu-Tang Clan hätte man dagegen verzichten können.

Morgen im Lokalteil der Stuttgarter Zeitung: Im Produktionsbüro der HipHop Open - Blick hinter die Kulissen des Festivals.

 

Am 23. Juli 2013 um 12:06 Uhr von der Redaktion geändert. In einer früheren Version des Textes hatten wir fälschlicher Weise behauptet, dass RZA, der Kopf des Wu-Tang Clan, beim Auftritt der Band gefehlt hat. Das ist nicht richtig. Wir bitten dies zu entschuldigen.

 

 

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