Das Maurische Landhaus und das Belvedere sind besondere Bauten in der Wilhelma. Foto: Iris Frey
Wer orientalische Bauten liebt, der ist im zoologisch-botanischen Garten genau richtig. Die Gebäude sorgen in der Wilhelma für eine besondere Atmosphäre, bieten aber auch Überraschungen – wie etwa einen Flüstergang. Wir zeigen die schönsten Gebäude.
Die Wilhelma, die einst der Lustgarten König Wilhelms I. war, beherbergt bis heute einige Bauten, die eine spannende Geschichte haben, aber auch für exotische Atmosphäre sorgen und so einen besonderen Reiz für die Besucher des zoologisch-botanischen Gartens bilden. Und wer weiß schon, wo der Flüstergang ist?
Historischer Eingang eingehüllt mit Terrakottawand
Die historische Terrakottawand und der eingehüllte Pavillon. Foto: Iris Frey
Der Eingangspavillon zur Wilhelma ist derzeit noch verhüllt, weil er saniert wird. Er stammt aus dem Jahr 1843 und wurde von Karl Ludwig von Zanth geplant. König Wilhelm I. wollte einen überdachten Weg bis zum Wilhelma-Theater, der von einem Pavillon mit Blick auf das Neckartal unterbrochen werden sollte, 28 Zentimeter über dem höchsten Wasserstand des Neckars. Unterhalb des Wegs wurde ein Gewölbekeller für eine Sommerchampignon-Plantage angelegt. Der Pavillon wurde 1974 saniert, als der Haupteingang erweitert wurde. Dabei wurden gut erhaltene, klassizistische Wandmalereien entdeckt und wieder hergestellt. Die oberirdische Mauer wurde 1846 fertig gestellt und bemalt. 1856 wurde die Wandseite mit 112 ornamentierten Terrakottaplatten nach einem Entwurf von Zanth verkleidet. Der Gang war ursprünglich mit einer Gusseisenkonstruktion bis zum Wilhelma-Theater überdacht. Diese wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.
Das schönste Gebäude – der Maurische Festsaal
Der Maurische Festsaal. Foto: Iris Frey
Das schönste und größte Gebäude der Wilhelma war der Maurische Festsaal, der Schauplatz königlicher Feiern, Empfänge und Bälle war. Das zweistöckige Gebäude hatte vergoldete Kronleuchter, prächtige Malereien und aufwendig gemusterte Gitterfenster. Festhöhepunkt dort waren die Stuttgarter Kaisertage im September 1857, als König Wilhelm I. den russischen Zaren Alexander II. und den französischen Kaiser Napoleon III. zu einem Versöhnungstreffen nach dem Krimkrieg in die Wilhelma eingeladen hat.
1944 wurde der Maurische Festsaal durch Bombenangriffe stark zerstört. 1961 wurden die Außenmauern abgetragen, heute steht dort das Aquarien- und Terrariengebäude samt Krokodilhalle. Einzig die Originalfassade des Portals zum Maurischen Garten ist noch erhalten.
Flüstern mit großer Wirkung – der Wandelgang
Der historische Flüstergang mit besonderer Reichweite. Foto: Iris Frey
Der Begründer der Wilhelma, König Wilhelm I. hat den historischen Teil seines Refugiums so geplant, dass er die wichtigsten Bauten trockenen Fußes erreichen konnte. Im Wandelgang des Maurischen Gartens funktioniert eine ungewöhnlich gute Schallübetragung. Diese wurde aber erst 2010 von dem Physiker Uwe Laun entdeckt. Als er die Wilhelma besuchte, stellte er fest, dass es sich bei den Kurven des Wandelgangs um Flüstergalerien handelt: Räume, in denen sich zwei Personen fast im Flüsterton über eine größere Entfernung unterhalten können. So etwas gibt es nur in sehr wenigen Gebäuden der Welt, etwa auch in St. Paul’s Cathedral in London. Besonders gut funktioniert die Schallübertragung in der Kurve zwischen dem Durchlass beim Aquarieneingang und dem Durchlass in Richtung Terra Australis. Hier können sich zwei Personen über eine Entfernung von 30 bis 40 Metern unterhalten und jedes Wort verstehen.
Schönster Aussichtspunkt – das Belvedere
Das Belvedere in der Wilhelma Foto: Harald Knitter
Der Aussichtspavillon Belvedere ist schon von weitem zu sehen. Er liegt an einem Scheitelpunkt und ist für Besucher nicht zugänglich. Er bietet eine besonders schöne Aussicht, einer der schönsten in der Wilhelma. Das wusste auch König Wilhelm. 1851 diente ihm das Belvedere als Standort mit Blick zur Grabkapelle auf dem Württemberg, wo seine früh verstorbene Frau Katharina bestattet ist. Das Belvedere bildet den Abschluss der Subtropenterrassen und der historischen Wilhelma.
Die Damaszenerhalle – das einzige Original
Die Damaszenerhalle mit dem Langen See davor. Foto: Iris Frey
Die Damaszenerhalle ist das einzige original erhaltene Gebäude der Wilhelma, das unter Wilhelm I. gebaut wurde und den Krieg unbeschädigt überstanden hat. Sie befindet sich im östlichen Teil der Wilhelma. 1864 wurde sie fertig gebaut, von Professor Wilhelm Bäumer. Sie ist gestaltet wie ein maurisches Stadthaus, die es im 18. Und 19. Jahrhundert in Damaskus gab. Von 1953 bis 1986 war es ein Kleinraubtierhaus für Servale, Marder und Ozelots. Danach wurde das Haus restauriert. Die aufwendigen Wanddekorationen konnten erhalten und rekonstruiert werden. Zwischen 1987 und 1992 konnte während der Restaurierung kein Besucher das Gebäude betreten, danach ist die Halle wieder eröffnet worden. Die Damaszenerhalle ist nur von März bis Oktober unter Aufsicht geöffnet, derzeit samstags von 14 bis 16 Uhr. Die Halle kann auch für standesamtliche Trauungen genutzt werden. Zuständig ist das Standesamt Bad Cannstatt.