Historie in Gerlingen Geschichte besteht nicht nur aus Tonscherben

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Das Archiv widmet sich in einer Broschüre den Funden aus alter Zeit. Ein junger Mann hat daran mitgewirkt.

Alexander Kosta zeigt, wie früher Getreide gemahlen wurde. Foto: factum/
Alexander Kosta zeigt, wie früher Getreide gemahlen wurde. Foto: factum/

Gerlingen - Steinzeit, Bronzezeit, Bandkeramik, Mittelalter – diese Begriffe sind für Alexander Kosta nichts Neues. Der 20-Jährige schließt demnächst sein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur (FSJ) im Stadtarchiv und Stadtmuseum in Gerlingen ab. Zuvor ist noch eine Broschüre erschienen, die er mitgestaltet hat. Darin sind Publikationen über die historischen Funde in Gerlingen zusammengefasst. Es gibt nämlich sehr viele Zeugnisse darüber, was sich in uralter Zeit auf dem Gebiet der heutigen Stadt abspielte. Viele Funde werden im Stadtmuseum gezeigt.

Tonscherben und Schmuckstücke

Ein alter Eimer, aus dem Tonscherben herausfallen, der Zahn eines Mammuts, ein Armreif aus Bronze und andere Schmuckstücke – die Vitrinen im Museum zeigen interessante Stücke. Die Ausstellung entstand 2014 aus der temporären Schau „Aus grauer Vorzeit – Archäologie in Gerlingen“. Gerade ein Jahr zuvor hatten Fachleute auf dem Träuble-Areal die jüngsten Funde ausgegraben. Darunter war zwar etliches aus dem Mittelalter, wie zum Beispiel die Gewichte eines Webstuhls, aber auch Gegenstände aus der Jungsteinzeit. Diese datieren Historiker auf 7000 bis etwa 2200 vor Christus. Aus der Keltenzeit hingegen, also dem ersten vorchristlichen Jahrtausend, stammte der Tote, den Werner Schmidt aus Ditzingen im August 2010 in einer Baugrube an der Bachstraße geborgen hatte.

Schmidt ist seit Jahrzehnten ein fachkundiger ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes, er war an vielen Ausgrabungen in Gerlingen beteiligt. Auch Fundberichte von ihm sind in der neuen Broschüre wiedergegeben, zum Beispiel über drei Gräber mit fünf Toten aus der Bronzezeit. Diese waren im November 1970 im Gewann Seefeld gefunden worden. Es gibt in dem Heft aber auch Dokumente aus der Festschrift zur Stadterhebung Gerlingens – das war 1958.

Das Hobby mit eingebracht

Alexander Kosta hat bei seinem freiwilligen Jahr in den Kulturabteilungen der Stadt sein Hobby eingebracht. „Ich bin sehr an Geschichte interessiert, es war mein Leistungsfach am Robert-Bosch-Gymnasium“, erzählt er. So habe er schon gewusst, dass Gerlingen eine der ältesten Siedlungsstätten im Lande ist, dass es hier die erste nachweisbare Kultur von Menschen aus der Jungsteinzeit gibt. Im Museum habe er viel beim Auf- und Abbau von Ausstellungen mitgeholfen, Kinder bei Workshops angeleitet oder Prospekte mitgestaltet. „Ich bereue es überhaupt nicht, dieses Jahr investiert zu haben.“

Für die Broschüre über die archäologischen Funde hat Kosta tagelang im Archiv recherchiert. Es ist die zweite, an der er mitgearbeitet hat. Auch an der Veröffentlichung über die Inhalte der Turmkugel der Petruskirche war er beteiligt. Ein geschichtswissenschaftliches Studium will er nun aber nicht beginnen – da erwarte ihn ein brotloser Beruf, „da kannst du den Taxischein gleich mitmachen“. Das historische Interesse soll sein Hobby bleiben. Was er dann machen will? „Ich habe mich zur Ausbildung als Polizeibeamter beworben. Die Tests beginnen demnächst.“

Begeistert von den jungen Leuten

Klaus Herrmann, der Leiter des Gerlinger Stadtarchivs, ist von den jungen Menschen im FSJ Kultur begeistert. Seine anfängliche Skepsis habe sich gelegt, meint er. „Jeder von ihnen ist anders, aber jeder macht die Sache auf seine Art gut.“ Die jungen Leute seien eine Bereicherung. Am 1. September fängt der nächste an.