Das Flussbett war früher weniger tief
Ebenso wird erläutert, dass die Fils früher ein viel flacheres Flussbett hatte: „In vorrömischer Zeit und bis ins 12. Jahrhundert nach Christus war das Klima teils trockener und wärmer. In der Folge waren Steilhänge am Albtrauf und in den Albtälern ab einer bestimmten Steilheit weder bewachsen noch bewaldet. Gewässer konnten so bei Schneeschmelze und Starkregen das abrutschende Bodenmaterial transportieren und ablagern“, erklärt Bruntner. Das gelte teils bis ins 19. Jahrhundert, ergänzt der Kreisarchivar Manfred Waßner. Als das Klima ab dem 12./13. Jahrhundert feuchter und kühler wurde und die Steilhänge bewuchsen, habe den Gewässern der Nachschub an Material gefehlt, sie wurden tiefer und Furten damit schwieriger.
Überflüssig wurde die zwischen Hochdorf und Reichenbach gelegene Filsfurt, als einige hundert Meter flussaufwärts eine Brücke nahe der früheren Reichenbacher Spinnerei gebaut wurde. Diese wurde bei der Landvermessung in Württemberg 1828 in eine Flurkarte aufgenommen, habe aber wohl schon früher bestanden, ergaben die HGOH-Recherchen. „Die Wegeverbindung von Hochdorf nach Reichenbach bestand damals noch nicht durchgehend, die Straße nach Reichenbach wurde erst etwa 1875 bis zur Filsbrücke ausgebaut“, so Hans Bruntner.
Eine Furt bedeutet keinen Unterhaltungsaufwand
„Überall wo es Flüsse gibt, gab es in den meisten Fällen zunächst eine Furt zur Überquerung, bevor Brücken gebaut wurden“, so Kreisarchivar Manfred Waßner, „eine Furt bedeutete im Gegensatz zu einer Brücke keinen Unterhaltungsaufwand und damit keine Kosten.“ Auch Stege über die Flüsse waren verbreitet. Ein Beispiel ist der Esslinger Alicensteg beim späteren Landratsamt: „Wie die Spinnereimitarbeiter die Brücke in Reichenbach, so nutzten auch diese Fabrikarbeiter den Steg, um zur Arbeit auf der anderen Flussseite zu gelangen“, so Waßner. Errichtet wurde der ursprüngliche Alicensteg 1891, neu gebaut wurde er nach der Neckarkanalisierung an anderer Stelle 1968.
Hierzulande waren die Römer die ersten richtigen „Brückenbauer“. Erste Karten gebe es aus der Zeit zwischen 1820 und 1840, erklärt der Kreisarchivar. „Da es bei den Furten keinen Unterhaltungsaufwand gab, sind diese allerdings kaum erwähnt, Brücken schon eher. Furten gab es in der Nähe von Siedlungen, dort, wo Verkehr von einer zur anderen Flussseite zu erwarten war. Etwa um für die Ernte auf die Felder auf der anderen Seite zu gelangen.“ Als Beispiel nennt Manfred Waßner hier eine Furt über die Körsch, wo diese in den Neckar fließt und sich früher die Körschburg zwischen Denkendorf und Deizisau befand. Später sei ergänzend ein hölzerner Steg über den Neckar als Verbindung von Altbach und Deizisau gebaut worden. Für schwere Fuhrwerke waren die Furten die geeignetere Querung.
Die Esslinger Pliensaubrücke entstand wohl an der Stelle einer Furt
Furten und Brücken waren Zubringer zum Hauptwegenetz. „Ein sehr altes Beispiel ist die Esslinger Pliensaubrücke aus dem 13., vielleicht sogar 12. Jahrhundert. An ihrer Stelle gab es zuvor eine Furt durch den Neckar. Die Brücke ersetzte diese, als der Verkehr durch die Stadt kanalisiert wurde. Ähnliche Beispiele gibt es in Plochingen, Köngen, Wendlingen oder Nürtingen. In Plochingen zum Beispiel wurde 1545 eine Brücke gebaut“, berichtet Waßner.
In den vergangenen 80 Jahren seien die historischen Wegeverbindungen kaum erforscht worden: „Man weiß fast nichts über die Verkehrswege der Kelten, nur grob, mit wem sie im Austausch standen – etwa mit Norditalien oder Griechenland. Mit den Römern wurde das Wegenetz im Zuge der Aufsiedlung professioneller.“ Die Römer seien grob zwischen dem 1. und 4. Jahrhundert nach Christus in Südwestdeutschland gewesen. An für sie wichtigen Standorten besaßen sie Gutshöfe und Kastelle für die Soldaten wie in Köngen, „ebenso Zivilsiedlungen, die wir wohl gar nicht alle kennen.“
Historische Handelswege
Römer
Die Römische Handelsstraße von Cannstatt nach Augsburg und weiter führte im 16. Jahrhundert zunächst via Köngen und Kirchheim auf die Alb. Vom 18. Jahrhundert an war die Verbindung via Esslingen durch das Filstal wichtig, die Eisenbahnverbindung kam im 19. Jahrhundert dazu.
Handel
Bei den größeren Städten kann man die Handelswege schriftlich nachverfolgen: „Wenn es zum Beispiel Aufzeichnungen zu Brückenzöllen gibt, die beglichen werden mussten, oder was den Austausch von Waren angeht“, erklärt Kreisarchivar Manfred Waßner. So lieferte Weilheim etwa Wein nach Ulm und Salzburg, umgekehrt bekam man Salz zurück.