Historischer Pfad in Bad Cannstatt Eine Tafel für einen Tausendsassa

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Multitalent, Tausendsassa und auf gut Schwäbisch: Ein Schaffer sei sein Vater gewesen, sagt Martin Wiedmann. Nun erinnert eine Tafel im Historischen Pfad durch Bad Cannstatt an den vielseitigen Künstler.

An der Galerie an der Tuchmachergasse hängt die Tafel mit der Nummer 102. Foto: Annina Baur
An der Galerie an der Tuchmachergasse hängt die Tafel mit der Nummer 102. Foto: Annina Baur

Bad Cannstatt - Multitalent, Tausendsassa und auf gut Schwäbisch: Ein Schaffer sei sein Vater gewesen, sagt Martin Wiedmann. Nun erinnert eine Tafel am Historischen Pfad durch Bad Cannstatt an den vielseitigen Künstler. Die Tafel mit der Nummer 102 hängt seit Mittwoch an der gleichnamigen Galerie an der Tuchmachergasse in der Altstadt.

Das schmucke Fachwerk des Hauses hat Wiedmann entgegen der Vorschriften selbst frei gelegt; ebenso eigenmächtig hat er den Eingang an die Tuchmachergasse gelegt und einen Balkon angebaut. „Willy Wiedmann war unkonventionell“, erinnert sich Hans Betsch. Der heutige Ehrenvorsitzende von Pro Alt-Cannstatt kannte den Künstler persönlich – bis dieser im Sommer 2013 verstorben ist. Denkwürdig sei nicht zuletzt gewesen, wie er sich gegen das Anbringen einer konventionellen Straßenlaterne an seinem Haus gewehrt habe und Erfolg hatte: „Es ist die einzige Straßenlaterne in ganz Stuttgart, die nicht offiziell von der früheren TWS und heutigen EnBW ist“, sagt Hans Betsch schmunzelnd.

30 000 Bilder und 1500 Opuswerke

So unkonventionell Wiedmann auf der einen Seite war, so engagiert und fleißig war er auf der anderen: Unter anderem war er ehrenamtlicher Schöffe am Landgericht, leitete diverse Benefizversteigerungen und begründete den Verein Cultur in Cannstatt mit. Trotzdem fand er die Zeit, unter anderem 30 000 Bilder zu malen, 1500 Opuswerke zu komponieren, sieben Bücher sowie 500 Gedichte zu verfassen, sechs Galerien zu leiten, zahllose Ausstellungen zu organisieren und vier Kirchen auszugestalten. Nicht zuletzt kreierte er seinen eigenen Malstil und erweiterte mit der Polykon-Malerei das herkömmliche Mehrtafelbild des Di- oder Triptychons. Als Musiker und Komponist arbeitete er beim Württembergischen Staatstheater und bei öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehsendern

„Der Tag meines Vaters hatte nicht 24 Stunden, sondern das Doppelte“, sagt Martin Wiedmann. „Kunst und Musik waren sein Leben.“ Sein Vater habe Orchesterfach und Komposition an der Staatlichen Musikhochschule in Stuttgart studiert und danach noch Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart. Auch später habe er sich nicht auf eine Kunstrichtung festgelegt und teilweise auch die Musik in seine Bilder mit eingebracht.

Um seine unterschiedlichen Malstile voneinander abzugrenzen und auch für sein schriftstellerisches Schaffen verwendete Willy Wiedmann bis zu sechs Pseudonyme wie zum Beispiel „Alkibiades Zickle“. Nach diesem Alias wurde auch ein Restaurant, das „Zickle“, in unmittelbarer Nähe der Galerie Wiedmann benannt.

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