Historisches aus Beilstein Die wechselvolle Geschichte der Burg Hohenbeilstein

Eine Postkarte der Beilsteiner Konditorei/Café Adolf Kämpf zeigt Stadt und Burg Hohenbeilstein um das Jahr 1900 aus östlicher Perspektive. Foto:  

Die Flugschauen der Falknerei auf der Burg Hohenbeilstein locken Menschen aus Nah und Fern. Aber auch die lange Geschichte der Veste ist spannend. In Hunderten von Jahren ist sehr viel passiert.

Dass mal in seinem Heim mehr als 100 Greifvögel aus vier Kontinenten residieren würden, hätte sich wohl der Stuttgarter Textilunternehmer Robert Vollmöller nicht träumen lassen. Neben einem Restaurant befindet sich dort nun eine über das Land hinaus bekannte Falknerei. Dort, das ist die Burg Hohenbeilstein mit ihrem 28 Meter hohen, fünfeckigen Bergfried und Aussichtsturm „Langhans“, 2,50 Meter dicken Schildmauer und Vorburg. Nicht erhalten ist der Palas, der repräsentative mittelalterliche Saalbau.

 

Es war denn auch Vollmöller, der die Anlage, nachdem er 1898 sie für 10 000 Mark gekauft hatte, teilweise wiederherstellen ließ mit dem Esslinger Architekten Albert Benz. Zu dessen Rekonstruktionen gehören die Mauertore, das Torhaus der äußeren Ringmauer, die Dächer der beiden Rundtürme und der Turm an den südlichen Schenkelmauern. Letztere sind teils noch original.

Auch das Untere Schloss ging auf das Konto des erfolgreichen Trikotagenherstellers: Auf halber Höhe zwischen Beilstein und der Burg ließ er es auf den Grundmauern des früheren, 1577 erbauten Amtshauses errichten. Doch seinen ambitionierten Plan, die Burg gänzlich wieder aufzubauen, musste er aufgeben. Der vermögende Fabrikant hatte massiv Grundstücke um die Burg herum aufgekauft – und das gefiel den Beilsteinern überhaupt nicht. Gar ein Brandanschlag wurde 1908 auf einige bereits rekonstruierte Gebäude der Burg verübt, darunter der Rohbau des Kavaliersgebäudes.

Burggelände gehört der Stadt Beilstein seit 49 Jahren

Robert Vollmöller konnte fürderhin weder die alte Magdalenenkirche erwerben, noch stimmte der Gemeinderat seiner Fabrik zu, die er in Beilstein ansiedeln wollte. Im Jahr 1911 starb er – und auch seine Familie ließ das Projekt ruhen. Seit 49 Jahren nun gehört das Burggelände der Stadt Beilstein.

Die Geschichte von Hohenbeilstein reicht freilich viel weiter zurück. Schon um das Jahr 1080 soll eine kleine Burg über dem Weinstädtchen am Fuß der Löwensteiner Berge gestanden haben, aber abgegangen sein. Der Nachfolgebau wird mit dem Grafen von Calw in Verbindung gebracht laut alten Urkunden. „Mit der Burg werden in der Folgezeit verschiedene Niederadlige genannt, die offenbar Dienstleute der Markgrafen von Baden waren; 1284 erscheint ein Dietrich von »Bilstein«, 1285 ein Harmann genannt Kriech von Beilstein“, heißt es bei der Landeskunde Baden-Württemberg.

Der Besitzerwechsel seit dem 13. Jahrhundert scheint rege gewesen zu sein – von den Markgrafen von Baden zu den Grafen von Württemberg, den Grafen von Tübingen-Asperg und um das Jahr 1340 zurück zu den Württembergern. Deren Vogt saß zunächst auf der Veste, bevor im späten 15. Jahrhundert die Amtsgebäude auf der Halbhöhe errichtet wurden.

Anfang des 16. Jahrhundert kam die Zwingeranlage um die Burg hinzu. Diese wurde belagert und zerstört, unter anderem 1525 im Bauernkrieg durch Aufständische. Auch im Pfälzischen Erbfolgekrieg: Französische Truppen brannten 1693 die Stadt fast gänzlich nieder. Beim Wiederaufbau wurden die ebenfalls zerstörten Amtsbauten 1699 in die Stadtmitte beim Rathaus verlegt, die Burgruine notdürftig als Lagerräume wiederhergestellt.

Der Dornröschenschlaf dauerte bis 1836. Da erwarb Oberkonsistorialrat Immanuel Niethammer die historische Immobilie vom württembergischen Staat für 600 Gulden. Dessen Nachfolger verkauften sie an den erwähnten Robert Vollmöller.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Beilstein Burg